Wir waren im Berliner KaDeWe zum Click & Meet-Shopping. Warum wir uns seit Jahren nicht mehr so lebendig gefühlt haben.

Wie war Click & Meet in Berlin? Wir von wmn waren natürlich dabei und haben uns angeschaut, wie der und die gemeine Berliner:in sich aus dem Lockdown heraus und mitten hinein in die Shoppingparadiese der Stadt begibt. So haben wir es empfunden.

Click & Meet ist seit Monaten die erste Möglichkeit, ein einigermaßen normales Shoppingerlebnis zu haben. Hunderte Menschen neben sich zu spüren und zu sehen: Das ist während der Pandemie eigentlich nicht möglich. Es sei denn, man bewegt sich auf Anti-Corona-Demos.

Im Folgenden bekommst du Einblicke in das Click & Meet-Erlebnis einer unserer Redakteurinnen. So hat sie das Shoppen erlebt. Spoiler: coronakonform war das nicht. Am Ende musst du entscheiden: War es eine kluge Idee, Click & Meet einzuführen?

Click & Meet: Das neue Berghain-Gefühl

Ich habe mich zum Samstags-Shopping um 16 Uhr am KaDeWe im Westteil Berlins verabredet. Die Anmeldung erfolgte über die Webseite des Kaufhauses des Westens. Nur wenige Stunden zuvor waren noch einige Slots für mich und meinen Shoppingpartner übrig. „Es scheinen wohl doch nicht so viele Menschen shoppen gehen zu wollen.“ dachten wir uns. Aber Pustekuchen: Bei unserer Ankunft am KaDeWe erwartete uns eine Schlange, die uns so lang schien wie die ehemaligen Schlangen vor dem hippen Berliner Club Berghain. Damals. In den guten alten Zeiten. In den Zeiten vor Corona.

Bibbernd und zitternd und natürlich mit Maske, reihten wir uns in die Schlange ein und warteten bis EXAKT 16 Uhr, denn dann war unsere Gruppe an der Reihe. Von einem jungen Mann in wichtig wirkendem Anzug sollte uns Einlass gewährt werden. Er prüfte die Anmeldungen per Mail, dann unsere Bestätigungslinks.

Doch oh nein! Der Link meines Shoppingpartners funktionierte nicht. Eine 404-Seite. Der Türsteher des KaDeWe war not amused.

Click & Meet: Wie coronakonform ist das eigentlich? Credit: IMAGO / Rupert Oberhäuser

„Tja, heute nicht für dich.“ setzte der junge Anzugträger an und nickte seinem Kollegen zu, der uns aus der Schlange begleiten solle. Ich fühlte mich bereits in die Zeit von vor gut 1,5 Jahren zurückversetzt: Betrunken vor einem Berliner Club zu stehen und inständig darauf zu hoffen, dass man hereingelassen wird. Dieser Türsteher vor dem KaDeWe holte die echte Berghain-Experience zurück in mein Gedächtnis. Ich freute mich schon fast, dass wir „nicht reingekommen“ waren.

Aber halt! Wir wollten doch shoppen! „Bitte bitte. Wir haben doch gebucht. Das liegt bestimmt an der Netzverbindung, dass der Link nicht funktioniert. Wir haben uns so darauf gefreut. Bitte lass uns heute rein. Das nächste Mal passen wir besser auf.“, flehte ich den Mann an und sein Gesicht verriet Gnade.

„Deine Augen retten dich.“, sagte er und schob die rote Absperrung zur Seite, damit wir in die heiligen Hallen des KaDeWe treten durften. Ich überhörte die leicht sexistische Aussage und kurze Zeit später fanden wir uns in einer kleinen Extrawelt neben der coronagebeutelten Dystopie wieder, die wir derzeit Alltag nennen.

Hunderte Menschen auf recht engem Raum. Offene Geschäfte und Mitarbeiter:innen, die einem im Vorbeigehen teure Schuhe und Cashmere-Pullover verkaufen wollen. Concept-Stores zum Anfassen und Ausprobieren. Probierstände für Süßigkeiten in der Feinkost-Abteilung. Das Einzige, was uns an die Welt „da draußen“ erinnerte, waren die medizinischen Masken, die (fast) ausnahmslos jede:r trug.

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Click & Meet ist mehr als Shopping

Click & Meet kam uns nicht vor wie eine normale Shoppingtour. Stattdessen verfrachtete der Türsteher vor dem KaDeWe uns in eine heile andere Welt, die ohne Inzidenzwerte, Impfängste und Lockdowndepressionen auskommt.

Dankbar und erfüllt traten wir nach zwei Stunden Powershopping aus dem Luxuskaufhaus in den grauen Nieselregen des Coronaalltags. Gekauft haben wir nicht viel. Dafür haben wir ordentlich an den Lakritz-Probierständen zugelangt. Unser Herz war leicht. Es fühlte sich so an, als hätten wir richtig was erlebt und konnten uns nun guten Gewissens wieder in die eigenen vier Wände zurückziehen und ausharren. Shopping war unser Mikroabenteuer.

Click & Meet machte uns glücklich, doch auch skeptisch. War es wirklich die richtige Entscheidung, so viele Menschen auf so engem Raum für mehrere Stunden zusammenzupferchen? Hygienekonzept hin oder her. Wie seht ihr das? Schreibt uns dazu gerne ein Kommentar oder eine Mail an wmn@funkedigital.de