Im letzten Jahr hat sich auch Aldi mit der Frage auseinandergesetzt, ob man seine Kund:innen zukünftig duzen möchte. Seit 2020 gehört das Duzen an der Kasse nun zur Unternehmenskultur der Supermarktkette. 

Damit macht Aldi es Ikea, Adidas und Apple gleich, diese Unternehmen verzichten schon seit Jahren auf das Siezen ihrer Kundschaft. Dass Aldi erst so spät nachlegt, kann an der Angst liegen, ihre Kund:innen mit dem Duzen zu vergraulen, da nicht jede:r so persönlich angesprochen werden will.

Ikea als Wegbereiter 

Die schwedische Möbelhauskette Ikea hat das Duzen bereits vor fast 20 Jahren eingeführt. „Dies leitet sich ursprünglich von unserer schwedischen Herkunft ab. Das Ziel von Ikea ist es, „nicht nur das skandinavische Design, sondern auch ein Stück Schweden in die Welt zu tragen“, so ein Sprecher der Möbelhauskette. Einzige Ausnahme: Im Kundenservicezentrum siezen die Mitarbeiter:innen die Kund:innen nach wie vor.

IKEA Aktion
Ikea war im Jahr 2003 der Vorreiter in Sachen duzen-. Foto: Christian Spicker via www.imago-images.de /

Anders als in Schweden wird in der deutschen Sprache sehr auf das Wort “Sie” beharrt, so die Kommunikationsberaterin Kerstin Hoffmann. “Traditionell herrscht in der deutschen Sprache ja eine „Sie“-Kultur, und im direkten Umgang unter erwachsenen Menschen dauert es in manchen Kreisen und insbesondere im Geschäftsleben bis heute oft ziemlich lange, bis man einander das „Du“ anbietet“.

Grund für die Du-Ansprache 

Nach Ikea folgten auch Apple und Adidas mit der Ansprache “Du”. Gerade bei Adidas war der Wechsel für die Kund:innen jedoch keine Überraschung.Adidas ist besonders bei einer jungen Zielgruppe beliebt, für die das die natürliche Ansprache ist, und auch im Sport wird das Duzen gelebt”, heißt es beim Dax-Konzern in Herzogenaurach. 

Adidas hat eine junge Zielgruppe die gerne geduzt werden möchte. Credit: IMAGO / Dean Pictures

Und auch Kommunikationsberaterin Hoffmann sieht bei einer jungen Zielgruppe kein Problem, wenn es um das Duzen geht. “Bei Unternehmen wie Ikea ist das „Du“ ganz bewusst Teil der Corporate Identity. Generell sind beispielsweise Umfelder mit junger Kundschaft im Tech-, Mode- oder Sportbereich im Start-up-Umfeld per se unkompliziert.“

Doch Kerstin Hoffmann denkt auch, dass nicht jedes Unternehmen ihre Kund:innen duzen könne. „Gerade im eher traditionellen Business-to-Business-Bereich rate ich Unternehmen, die Ansprache so zu wählen, wie sie auch in das persönliche Gespräch mit der Kundschaft passt. Allerdings muss man dann aber auch locker genug sein, wenn eine Kundin oder ein Kunde das im direkten Kontakt aufgreift und beim Anruf duzt.“ 

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