Im Job musst du ständig Entscheidungen treffen. Viele Entscheidungen müssen auf Team-Ebene gefällt werden, wie beispielsweise „Wie können wir gemeinsam mehr Umsatz erzielen, aber nicht mehr arbeiten?“ Teamentscheidungen sind oft die härtesten Nüsse, die es zu knacken gilt. Der eine will an der Qualität schrauben, eine andere will vor allem den Output hochhalten. Maßnahmen, wie man beides vereinen könnte, gibt es viele. In diesem Artikel geht es darum, dass gerade Entscheidungsträger:innen sich öfter mal eines Besseren belehren lassen sollten. Disagree and Commit.

Was ist Disagree and Commit eigentlich?

Sich eines Besseren belehren lassen zu können, ist eine Kunst, die vielen Menschen abgeht. Es kommt oft vor, dass Menschen sich selbst und ihre eigene Meinung am wichtigsten finden und sich niemals von dieser abbringen würden. Diese Einstellung muss man bei Disagree and Commit loswerden, denn sonst kann man sich niemals eines Besseren belehren lassen.

Frau im Büro
Wie triffst du Entscheidungen? Brauchst du lang oder geht es schnell? IMAGO/ Westend61 Credit: IMAGO/ Westend61

Wann kann man Disagree and Commit anwenden?

Eigentlich kannst du diese Technik in allen Situationen anwenden, in denen du mit Menschen interagieren musst. Auf der Arbeit, beim Treffen mit Freund:innen oder sogar in der Partnerschaft. Das kann die Beziehungen zu den jeweiligen Menschen in deiner näheren Umgebung verbessern. Es geht vor allem um Situationen, in denen du innerhalb einer Gruppe schnelle Entscheidungen treffen musst. Entscheidungen sind nicht zwangsläufig gut oder richtig, nur weil sich alle Beteiligten darauf geeinigt haben. Tatsächlich gibt es oft Situationen, in denen Entscheidungen gerade während der Entscheidungsfindung vollkommen d’accord mit allen gingen. Danach aber, wenn die Beteiligten noch einmal darüber nachdenken, werden sie oft noch einmal angekreidet und überdacht.

Nach der Entscheidung: Die Nachverhandlung

Das ist das sogenannte Nachverhandeln. Der Autor Jeff Haden von Inc. nennt es das „Meeting after the Meeting“, ein Meeting also, bei dem die Entscheidungen innerhalb des Meetings noch einmal komplett über den Haufen geworfen wurden.

Auch wenn die Beteiligten während des Gesprächs offensichtlich mit dem Kopf nickten, die Entscheidungen für gut befanden und sich mit der Führung des Meetings zufriedengaben, kommen im Nachhinein erst die Probleme auf. Manchmal geht es darum, dass die Mitarbeitenden einfach keine Lust auf die Aufgabe haben, die ihnen aufgedrückt wurde. Manchmal ist aber die Umsetzung der Aufgabe auch gar nicht erst möglich.

Entscheidungen müssen getroffen werden

Mit Commit and Disagree ist es einfacher, Entscheidungen zu treffen, die noch nicht perfekt sind. Es geht hier darum, sich auf etwas zu einigen, das man eigentlich gar nicht will oder umsetzbar sieht. Allerdings, und das ist der wichtige Teil, lässt man sich von seinem Gegenüber gerne vom Gegenteil überzeugen. Es sind also zwei Schritte, die im Kopf passieren.

  1. Ich bin nicht mit der Entscheidung einverstanden.
  2. Ich nehme die Entscheidung dennoch als richtig an und handle danach.

Wichtig ist bei dieser Technik auch das kleine Bindewort „und“. Es ist kein „aber“. Disagree and Commit erzeugt keinen Wiederspruch zueinander, sondern eine natürliche Folge.

Die 90% zu 70%-Regel bei Entscheidungen anwenden

Viele Angestellte scheuen sich davor Entscheidungen zu treffen, bevor 90% der Informationen gesammelt wurden. In den meisten Fällen reicht es für Unternehmen vollkommen aus, wenn 70% der Informationen stehen, bevor eine Entscheidung gefällt wird. Vor allem dann, wenn es Entscheidungen sind, die im Nachhinein noch einmal leicht korrigiert werden können.

Um Unternehmen schneller nach vorne zu bringen, sind oft schnelle Entscheidungen vonnöten. 70% Informations-Entscheidungen sind dabei viel wichtiger als 90% Informations-Entscheidungen. Diese wirken eher wie eine Bremse.

Disagree & Commit: So lässt man sich eines Besseren belehren

Disagree and Commit wurde das erste Mal von Amazon Chef Jeff Bezos ins Spiel gebracht. Es war seine Art den Menschen zu widersprechen und gleichzeitig das genügende Vertrauen entgegenzubringen. Ein Beispiel: Bezos wurde einst die Produktion einer Amazon Original Serie vorgeschlagen, die ihm viel zu teuer war. Das Team war von der Idee überzeugt. So sagte Bezos: “I disagree and commit and hope it becomes the most watched thing we’ve ever made.” Die Serie brachte elf Emmys, sechs Golden Globes und drei Oscars ein.

Wie kann man Disagree and Commit im Deutschen anwenden?

  • “Das sehe ich anders und ich bin dabei.”
  • “Dem stimme ich nicht zu und unterstütze dich.”
  • “Ich glaube nicht dran und lasse mich gerne eines Besseren belehren.”

Fazit: Sich immer und überall eines Besseren belehren lassen?

Disagree and Commit geht nicht unendlich weit. Man kann diese Technik ruhigen Gewissens bei vielen schnellen Entscheidungsfindungen im Job anwenden. Auch in deiner Partnerschaft oder in der Freundesgruppe kommt man damit schnell auf einen Konsens. Allerdings gilt es nicht immer und überall: Sollte deine 3-jährige Tochter sich dazu entscheiden wollen, auf die heiße Herdplatte zu fassen, sollte deine Antwort besser nicht sein: „Ich halte das für keine gute Idee und du kannst es gerne ausprobieren.“