Skin Picking bezeichnet das wiederholte Bearbeiten der eigenen Haut. Dazu gehören zum Beispiel das Ausdrücken von Pickeln oder Mitesser durch das Aufgreifen von alten Wunden Krusten oder auch von gesunder Haut. Kommt dir das bekannt vor?

Viele Menschen haben zwar den Drang, ihre eigene Haut zu bearbeiten, doch für manche wird es zum Zwang und zur psychischen Erkrankung. Darüber sprechen wir heute mit Jacqueline. Sie hat einen Blog und ein Instagram Kanal und klärt dabei über Skin Picking auf und möchte sich für mehr Realität auf Instagram einsetzen. Sie selbst leidet seit 12 Jahren an Skin Picking. 

Was ist Skin Picking?

Wmn: Ich bearbeite meine Haut leider auch öfter als es ihr guttut. Sei es, wenn ich Krusten habe oder Pickel nicht Ruhe lassen kann. Aber wann spricht man dann wirklich von Skin Picking? 

Jaqueline: Also erst mal einen Hinweis vorweg: Ich bin keine Psychologin und keine Therapeutin. Ich bin einfach eine Betroffene und kann es daher nicht so kompetent darstellen, wie das vielleicht ein:e Psycholog:in könnte. Aber die Aspekte, die wichtig sind, sind mir natürlich auch bekannt. Man muss auf jeden Fall sagen, dass es ein schmaler Grat ist zwischen „Normalität“ und pathologischem Skinpicking. Das sind fließende Übergänge.

Nach dem DSM fünf, der 5. Auflage des „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“, dass es für die Diagnose verschiedene Punkte braucht. Das ist einmal das wiederholte Bearbeiten der Haut mit Hautverletzungen. Die Haut hat dadurch sichtbare Schäden. Der zweite Punkt ist das erfolglose Versuchen, das Verhalten zu minimieren oder zu unterbinden.

Und ganz wichtig ist auch der Punkt, dass für die Betroffenen auch ein gewisses Leid und Einschränkungen im Alltag vorhanden sein müssen. Also, dass sie sich sozial einschränken oder verschiedene andere psychische Folgen davontragen. Andere Erkrankungen sind auch nicht immer auszuschließen: Einerseits andere Hauterkrankungen, aber auch andere psychische Erkrankungen.

skin Picking
Wie entsteht eigentlich Skin Picking? Foto: Jaqueline Privat

Wie entsteht Skin Picking?

Wmn: Wie entsteht Skin Picking? Wie hat das bei dir angefangen? 

Jaqueline: Die Frage nach der Entstehung ist super schwierig. Ich bin mit vielen Betroffenen in Kontakt und merke, dass es da sehr viele verschiedene Geschichten gibt. Es gibt ganz viele Faktoren, die da auch in der Forschung diskutiert und untersucht werden. Die ist da aber leider noch ganz am Anfang. Aber soweit ich weiß, zeigen bisherige Studien bisher grob gesagt, dass es verschiedene Faktoren gibt. Also einerseits psychische Faktoren, genetische Faktoren, aber auch Faktoren, die mit der Haut zusammenhängen.

Es gibt verschiedene Auslöser psychischer und physischer Natur

Das können verschiedene Hauterkrankungen sein, die auch dazu führen können, dass Skinpicking entsteht. Und wenn wir jetzt zu mir speziell kommen, dann kann ich auch nicht genau sagen, was bei mir die Ursachen oder der Auslöser waren. Einfach, weil ich auch noch nicht in Therapie war. Das heißt, ich habe das noch gar nicht so genau untersucht. Ich selbst vermute, dass es ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren gewesen ist. Wie so häufig war bei mir unter anderem meine Akne ein Auslöser.

13 Jahre Skin picking: Mobbing, Trauma und so weiter

Ich kam früh in die Pubertät und hatte dann mit Hautprobleme zu kämpfen, aber auch Traumata und schwierige Lebensphasen, Schwierigkeiten beim Umgang oder gesunden Umgang mit Emotionen. Auch das jahrelange und teilweise schwere Mobbing in der Schule, aber auch schon im Kindergarten. Das sind so ein paar Faktoren, die ich schon ausgemacht habe, wo ich das Gefühl habe, die könnten eine Rolle spielen. Bei mir hat es mit zwölf Jahren angefangen, also das sind dann jetzt bald 13 Jahre, also die Hälfte meines Lebens. 

Mit etwa 12 hat Skinpicking bei Jaqueline angefangen. Die Krankheit begleitet sie jetzt schon ihr halbes Leben. Foto: Jaqueline privat

Wmn: Gibt es bei dir auch definierbare Gründe oder Trigger, die es immer wieder auslösen, das du bessere Phasen oder schlechterer Phasen hast?

Jaqueline: Auf jeden Fall. Die Erkrankung verläuft in wellenartigen Phasen. Und es gibt eigentlich unzählige Trigger verschiedener Art und die sind auch bei jedem Betroffenen anders. Es gibt zum Beispiel visuelle Trigger, taktile oder sensorische Trigger, emotionale Trigger, dann noch welche, die situationsbezogen sind, also Zeit bezogen oder auch Orts bezogen.

Und bei mir sind es eben vor allem die visuellen Trigger, also aber nur auf meine eigene Haut bezogen. Also wenn ich gewisse Stellen sehe, dann triggert mich das. Fotos von anderen Personen triggern mich kaum, aber da gibt es auch Betroffene, die das auch dann schon als Trigger empfinden, wenn sie das von anderen Personen sehen. Bei mir sind es dann darüber hinaus noch taktile Trigger. Das heißt, wenn ich etwas auf meiner Haut fühle. Emotionale Trigger gibt es bei mir auch. Das können aber auch positive Emotionen sein. Also das müssen nicht nur Negative sein. Und daher kann man fast sagen, ich kenne beinahe alle Arten von Situationen und Auslösern, die es so gibt.

Wmn: Welche Probleme haben Menschen mit dieser Krankheit im Alltag oder womit ist man konfrontiert? 

Jaqueline: Da gibt es auch super viele. Wie viel Zeit hast du? Die Konsequenzen von Skinpicking kann man auch aufteilen in physischer, psychischer und sozialer oder zwischenmenschlicher Natur. Physische Folgen sind klar, die Wunden und Narben auf der Haut. Es gibt aber auch seltenere Risiken, wie zum Beispiel Infektion oder gar Blutvergiftung. Das sind natürlich die ganz seltenen Fälle. Und psychisch, das ist natürlich ein sehr großer Faktor. Da kann ich gar nicht alles vollständig aufzählen.

Skin Picking und die Schuldfrage

Aber zum Beispiel geringer Selbstwert, Selbstvorwürfe und diese große Schuldfrage. Viele Betroffene geben sich selbst die Schuld für ihr Verhalten, haben starke Schamgefühle und damit verbunden eben folgt oft der emotionale Rückzug. Trauer, Enttäuschung, Wut, Einsamkeit und ganz oft einfach dieses Gefühl: Ich bin alleine damit und ich fühle mich überhaupt nicht verstanden von Angehörigen und Freunden. Die wenigsten Betroffenen haben jemanden im engen Umfeld, der auch betroffen ist. Man kriegt häufiger dumme Sprüche zu hören, die das Ganze nicht unbedingt besser machen.

Deswegen kann man sagen, dass sich viele Betroffene aus Scham isolieren und Anlässe und Unternehmungen meiden, wo man die Haut sehen könnte. Sie verringern soziale Kontakte und verstecken sich um jeden Preis. Mit Kleidung, mit Schminke, mit allem, was geht. Die Erkrankung ist sehr funktional. Sie ist gelernt und oftmals total automatisiert. Also das heißt, es braucht wahnsinnig viel Aufmerksamkeit und Achtsamkeit und ein starkes Bewusstsein für das eigene Verhalten, wenn man dagegen angehen möchte. Im ersten Moment wirkt Skinpicking wie der beste Freund. Das tut mir im ersten Moment total gut und langfristig schleichen sich dann die negativen Aspekte ein.

badezimmer rotes licht
Rotes oder sehr dunkles Licht, kann helfen, nicht in gewohnte Muster zu verfallen Foto: GettyImages Dennis Aglaster / EyeEm

Strategien gegen die Symptome von Skin Picking

Wmn: Welche Methoden können helfen oder welche haben dir vor allem geholfen? 

Jaqueline: Es gibt so viele Methoden und Strategien, die ich ebenso nicht alle aufzählen könnte. Die kann man dann versuchen, in seinen Alltag einzubauen und ihnen eine Chance zu geben. Aber diese Methoden und Strategien arbeiten eben nur auf der Symptomebene und behandeln nicht den Kern, also die das dahinter liegende Problem. Trotzdem gibt es für viele Betroffene verschiedene Strategien, die gut funktionieren.

Alles, was man mit Spiegeln machen kann, ist oft hilfreich. Man kann sie abhängen, oder verhindern zu nah ran zu gehen. Licht ist zudem auch ein entscheidender Faktor, den man mit Spiegeln kombinieren kann. Im Bad eignet sich dazu entweder rotes Licht oder nur ganz dunkles schwaches Licht, sodass man wenig erkennt. Verschiedene Tools, die Betroffene gerne verwenden, um ihre Hände irgendwie anders zu stimulieren und zu beschäftigen. Und Sport ist natürlich etwas, was einen positiven Einfluss haben kann.

Kann eine Therapie gegen Skin Picking helfen?

Aber man darf sich davon keine Wunder erwarten, weil man muss dann doch häufig noch die psychische Ursache mit angehen. Und hier kommt wieder die Therapie ins Spiel. Ich kann nur als Betroffene sprechen, die wie gesagt noch nicht selber in Therapie war. Es ist auf jeden Fall festzuhalten, dass noch Luft nach oben ist bei der Forschungslage und den Therapieansätzen.

Aber bisherige Studien weisen die kognitive Verhaltenstherapie als eine der effektivsten Therapieformen aus. Und es gibt noch weitere Therapieformen, die auch hilfreich sein können, wie zum Beispiel die Akzeptanz und Commitment Therapie, oder die ganz klassische Gesprächstherapie. Manche haben es auch schon mit Hypnose probiert. Also man merkt, dass Betroffene versuchen, Wege zu finden, wie sie sich selbst auch helfen können.

Frau steht bei der Anmeldung beim Arzt
Die Forschung beim Thema Skinpicking hat noch viel Luft nach oben. Auch eine:n geeingete:n Therapeut:in zu finden ist nicht einfach. Foto: IMAGO Images / Westend61

Wmn: Gibt es einen Grund, warum du noch nicht in Therapie gegangen ist oder warum du dich dagegen entschieden hast? 

Jaqueline: Ja, es gibt dafür viele Gründe. Also einerseits war ich früher, als ich noch jünger war, nicht so überzeugt davon und dachte naiverweise auch, ich könnte das selbst schaffen und wollte es auch selbst schaffen. Inzwischen sehe ich das anders. Inzwischen würde ich gerne in Therapie gehen, bin total offen dafür.

Mir ist es wichtig, dass mein Gegenüber mit der Krankheit etwas anfangen kann, dass ich auch etwas lernen kann.

Jaqueline sucht mittlerweile nach eine:r Therapeut:in

Aber ich habe jetzt über die letzten Jahre noch nicht gemerkt, dass so der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Und ein ganz großer Grund für mich ist auch, dass die Krankheit leider noch nicht bekannt genug ist, auch unter Therapeuten. Und ich wünsche mir einfach einen Therapeuten oder eine Therapeutin, die das Krankheitsbild kennt, die damit etwas anfangen kann, die vielleicht sogar darauf spezialisiert ist. Auch wenn ich weiß, die Harmonie zwischen Therapeut und Patient ist am wichtigsten.

Mir ist es wichtig, dass mein Gegenüber mit der Krankheit etwas anfangen kann, dass ich auch etwas lernen kann. Einfach weil ich mich ja auch schon so lange damit beschäftige und das Gefühl habe, dass ich auch schon relativ viel weiß. Und ich muss leider zugeben, ich wohne sehr ungünstig in Deutschland. In meinem Umfeld gibt es niemanden, der da irgendwie spezialisiert ist oder davon Ahnung hat. Und daher habe ich das Gefühl okay, es muss noch ein bisschen warten.

Bis zu 5 % der Deutschen sind von Skin Picking betroffen

wmn:  Hast du das Gefühl, dass es viele Menschen in Deutschland gibt, die davon betroffen sind? Und warum gibt es so wenig Aufmerksamkeit für das Thema?

Jaqueline: Also bisher ist es ein bisschen schwierig, die Zahlen einzuschätzen, wie viele betroffen sind. Wie will man das erheben? Welche Diagnosekriterien verwendet man und welche Fragen sind geeignet? Daher schwanken die Schätzungen, wie viele Menschen betroffen sind. Aber es liegt so zwischen 1 bis 5 %.

Der WMN Instagram Kanal hat um die 3000 Follower:innen. Das würde bedeuten, darunter sind potenziell 30 bis 150 Betroffene. Das ist schon eine Menge!

Jaqueline rechnet die Zahl der Betroffenen anhand unserer Followerschaft hoch

Das heißt, euer Instagram Kanal hat ja 3000 Follower:innen ungefähr. Das würde bedeuten, darunter sind potenziell 30 bis 150 Betroffene. Das ist schon eine Menge, wenn man sich das so vorstellt und hochrechnet. Und wenn man dann auch noch andere BFAB dazunimmt, die steht für Body Focused Repetitive Behavior. Darunter fällt aber auch das Haar ausreißen und verschiedene andere Körper bezogene Verhaltensweisen. Wenn man die noch dazunehmen würde, dann wären es eben noch mehr als 1,1 bis 5 %.

Mehr Realität auf Instagram

wmn:  Du bist jetzt auch in unserem Interview geschminkt, hast auch viele Bilder auf Instagram, auf denen du geschminkt bist. Man sieht dir dann das Skinpicking überhaupt nicht an. Wie wichtig ist es dann für dich, trotzdem auch diese Bilder von deiner Haut zu zeigen? Und was für eine Rolle spielt Social Media bei dem Umgang mit der Krankheit?

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Jaqueline ungeschminkt Foto: Jaqueline privat
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Jaqueline geschminkt. Foto: Jaqueline privat

Jaqueline: Das ist mir sehr wichtig. Ich habe mit meinem Blog 2014 angefangen. Das ist inzwischen schon ein bisschen her. Und auf Instagram habe ich dann 2020 gestartet. Mir ist es einfach ein Herzensanliegen, über die Krankheit ganz allgemein aufzuklären. Aber vor allem anderen Betroffenen zeigen, dass sie nicht allein sind, dass sie sich verstanden fühlen können. Und das kann ich natürlich einerseits mit Texten machen, aber andererseits finde ich, dass Bilder noch mal eine ganz andere Kommunikationsebene.

Instagram ist ja auch eine Plattform, die sehr auf Bilder fokussiert ist und die auf viel mehr und viel direkteren Austausch bietet und das schätze ich selbst total. Also Social Media hat da für mich eine große Rolle, dass ich versuchen kann, dem entgegenzuwirken, was viele so als Vorurteil von Social Media vielleicht sehen. Dass da nur die perfekte Version von allen gezeigt wird, was ja auch oft leider so ist. Und da versuche ich einfach so ein bisschen, sofern es in meiner Macht liegt, ein bisschen entgegenzuarbeiten und zu zeigen, dass es auch normal ist, verschiedene Hauttypen zu haben.

Die unsichtbaren Männer

Wmn: Hast das Gefühl, dass es vor allem Frauen oder auch Männer von Skin Picking betroffen sind?

Jaqueline: Man kriegt schon das Gefühl, dass vor allem Frauen betroffen sind.  Das wird wahrscheinlich zum Teil auch daran liegen, dass Männer, die betroffen sind, sich weniger oft Hilfe suchen als Frauen. Das heißt, die sieht man gar nicht, die sind irgendwie unsichtbar und daher wird wahrscheinlich noch ein stärkerer Eindruck kommen, es wären fast nur Frauen betroffen. Das sind es aber tatsächlich nicht. Es gibt auch genügend betroffene Männer. Auch in unserer Selbsthilfegruppe haben wir da welche. Und ich habe auch schon mit verschiedenen Männern einen Austausch gehabt.

Ich mache das für andere Betroffene, aber auch für mein jüngeres Ich. Damals hätte ich mir so etwas auch gewünscht. Irgendwann habe ich gemerkt , dass ich das dann wenigstens für andere sein kann.

Jaqueline über ihre Rolle auf Instagram

Wmn: Und möchtest du auch mit dem öffentlichen Auftreten vor allem anderen helfen oder hilft es vor allem dir? 

Jaqueline: Beides. Es hilft mir natürlich auch, meine Krankheit zu verarbeiten und zu sehen. Die ganze Entwicklung, über die die vielen Jahre hinweg. Aber ich möchte es eben auch für andere Betroffene machen und sozusagen für mein jüngeres Ich, weil ich damals mir so was auch gewünscht hätte und dann irgendwann gemerkt habe, ich kann das vielleicht dann wenigstens für andere sein.

„Man schämt sich wegen der Scham“

Wmn: Warum ist Skin Picking so eine schambehaftete Krankheit? 

Lustigerweise ist das irgendwie auch die Frage, die wir uns selbst stellen und stellen sollten als Betroffene. Eigentlich ist sie das ja nur, weil die Gesellschaft uns dazu bringt. Die Scham kommt nicht einfach so aus uns heraus, sondern wir schämen uns, weil die Gesellschaft uns das Gefühl gibt, wir müssen uns schämen, weil wir irgendwie anders aussehen durch die Erkrankung. Wir schämen uns auch uns für die Hintergründe des Verhaltens.

Und wir fürchten einfach negative Reaktionen, Kommentare, Blicke, sozialer Ausschluss, also das, was wir uns alle eigentlich gar nicht wünschen. Und deswegen sollten wir uns auch bewusst machen, dass jeder Mensch Scham empfindet. Ein sehr wichtiges Thema, weil wir Betroffene das Verhalten ja selbst ausüben. Also wir tun uns das selbst an und es scheint so, als wäre es total kontrollierbar. Aber dabei hat es überhaupt nichts mit Kontrolle oder mit Wahl zu tun und auch nicht mit mangelnder Disziplin oder Willensschwäche.

Es wird uns immer nur von außen eingetrichtert und das müssen wir uns bewusst machen. Wir suchen uns nicht aus, dass wir betroffen sind, dass wir diesen Drang verspüren. Deswegen denken viele Betroffene, sie sind nicht gut genug und sie selbst sind der Fehler. Diese Gedanken, diese Denkmuster und Glaubenssätze, die müssen eben aufgelöst werden, weil ich das Gefühl habe, sonst steht uns das im Heilungsprozess im Weg.

Wmn: Hast du noch etwas, was du noch Leuten mitgeben möchte, die das vielleicht jetzt gerade lesen und sich angesprochen fühlen, aber noch nicht so ganz wissen, wohin mit sich.

Jaqueline: Als Schlusswort würde ich sagen, dass Betroffenen nicht alleine sind. Es gibt da draußen eine große Community. Versucht euch zu vernetzen! Versucht auch die Krankheit kennen zu lernen, zu recherchieren, wie funktioniert das Ganze, wie funktioniert das bei mir?

Ich habe das Gefühl, das ist sehr, sehr wichtig. Besonders, um es selbst zu verstehen, um sich selbst auch besser kennenzulernen, aber auch in der Kommunikation mit anderen. Dann kann man viel besser diesen doofen Kommentaren begegnen, weil man das Gefühl hat, ich weiß Bescheid, wie das funktioniert. Deswegen sprecht, wenn ihr könnt, vielleicht auch mit einer vertrauten Person, der ihr euch anvertrauen könnt und fresst das nicht in euch hinein. 

Skin Picking ist eine Krankheit

Um sich von der Scham lösen zu können, ist es wichtig, dass nicht nur Betroffene, sondern auch das Umfeld sich mehr darauf sensibilisiert, Skin Picking als Krankheit zu anzuerkennen. Wer krank ist, darf und sollte sich Hilfe holen. Wenn ihr euch von Jaquelines Geschichte angesprochen fühlt, ist hier ihr Blog zu erreichen und sonst noch eine Anlaufstelle bei der Psychologin Dr. Christina Gillinat, die sich auf Skin Picking spezialisiert hat.