Na, heute schon gekuschelt? Wenn du nicht in einer Partnerschaft oder in einer kuschelwütigen WG wohnst, vermutlich eher nicht. Denn Corona verbietet uns seit Monaten körperliche Nähe zu jedem, der nicht zur sogenannten Kernfamilie gehört.

Aber was passiert mit uns und unserer Psyche, wenn wir nie berührt werden? Können wir von fehlender körperlichen Nähe krank werden? Und was bedeutet „Skin Hunger“ in diesem Zusammenhang? Wir verraten es dir.

Warum ist körperliche Nähe gesund?

Eine lange Umarmung, ausgiebiges Kuscheln oder auch nur ein freundlicher Händedruck: Körperliche Nähe steigert unser Wohlbefinden, weil in unserem Körper Glückshormone freigesetzt werden.

Das Hormon Oxytocin beispielsweise kann Stress mindern und stärkt zwischenmenschliche Beziehungen. Auch der Neurotransmitter Dopamin wird bei einer Umarmung ausgeschüttet und sorgt für eine bessere Laune.

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Glück hat, wer immer jemanden zum Umarmen hat.(Photo: Unsplash/ Priscilla du Preez)

Corona: Wenn körperliche Nähe verboten ist

Nun ist es in einer globalen Pandemie nicht mehr selbstverständlich, Freunde zu umarmen und Hände zu schütteln. Alternative Ellenbogen-Begrüßungs-Moves ersetzen kaum eine lange Umarmung – schon gar nicht, wenn man seine Freunde nur noch selten sehen darf.

Besonders hart trifft das Kontakt- und Berührungsverbot natürlich die Menschen, die allein leben und niemanden haben, der die Kuschel-Ausnahme bilden würde. Ute Repschläger, Vorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten (IFK), warnt: Ohne körperliche Nähe kann der Mensch krank werden.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass regelmäßiges Umarmen den Blutdruck senkt und Stresshormone reduziert. Bei fehlendem körperlichen Kontakt tritt der gegenseitige Effekt auf.

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In der Pandemie vermissen viele ihre Freunde schmerzlich.(Photo: Unsplash/ Hian Oliveira [M])

Skin Hunger: Die Sehnsucht nach körperlicher Nähe

Wenn du allein lebst und dich an die Corona-Maßnahmen hältst, vermisst du es wahrscheinlich gerade sehr, Freunde oder Familienmitglieder zu umarmen. Vielleicht fühlst du dich angespannt, erschöpft und lustlos.

Das wäre kein Wunder, denn bei fehlender körperlichen Nähe tritt das Phänomen „Skin Hunger“ auf. Du und deine Haut seid „hungrig“ nach Berührung und wenn dieser Hunger nicht gestillt wird, geht es dir schlecht. Bei manchen Menschen, die lange Zeit allein sind, entwickeln sich sogar schwere psychische Probleme wie Angst- und Schlafstörungen. 

Wie lange hält man es ohne körperliche Nähe aus?

Es lässt sich nicht genau sagen, wie lange es ein Mensch ohne körperliche Nähe aushalten kann. Denn das Bedürfnis nach Nähe variiert, bei manchen ist es sehr ausgeprägt, bei anderen wiederum fast nicht existent.

Die Neurowissenschaftlerin Rebecca Böhme erklärt, dass fehlende körperliche Nähe aber bei jedem Menschen negative Auswirkungen auf die Psyche hat, auch wenn wir es zunächst gar nicht merken: „Das baut sich oft langsam auf. Es ist kein Bedürfnis wie Hunger oder Durst, bei dem man intensiv im Körper spürt: Das brauche ich jetzt.“ 

Viel eher macht sich Skin Hunger nach einiger Zeit durch negative Stimmung bis hin zur Traurigkeit, Unkonzentriertheit und Antriebslosigkeit bemerkbar. Das kommt dir bekannt vor? Dann wird es Zeit zu handeln.

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Etwas besser geht es Menschen mit Haustieren.(Photo: Unsplash/ Avi Naim)

Hilfe bei Skin Hunger

Sich selbst zu umarmen hat leider nicht denselben Effekt wie Umarmungen von geliebten Menschen. Das wird von Mechanismen im Gehirn verhindert, wegen derer wir uns auch nicht selbst kitzeln können.

„Durch den menschlichen Körper kommt ganz viel Wärme zu uns. Das können wir kompensieren, indem wir eine warme Dusche nehmen oder uns draußen in der Sonne aufwärmen. Dann gibt es den Effekt des Drucks, der ganz angenehm ist – da kann man sich zum Beispiel beschwerte Decken kaufen oder sich auf der Couch richtig schön einkuscheln. Aber es ist nie ein richtiger Ersatz“, rät Böhme.

Das Internet ruft zur Kreativität auf: Videos von „Kuschel-Vorhängen“ oder „Umarmungs-Handschuhen“ zeigen, wie Freunde und Verwandte mit minimalem Risiko umarmt werden können. Und die isländische Forstverwaltung ermutigt Menschen dazu, Bäume zu umarmen. Eine wirkliche Alternative zu körperlichen Nähe stellt das alles leider nicht dar. Im akuten Fall hilft nur noch: Selbstquarantäne und dann ab zu den Eltern, Corona-WG gründen oder (wenn du dir ganz sicher bist!) ein Haustier anschaffen.

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