Mit meinen nun 27 Jahren verstehe ich so langsam, warum die Feministinnen der 1968er-Bewegung ihre BHs angezündet haben sollen. Side Fact: Gebrannt haben die BHs aus der Erzählung niemals wirklich. Eingezwängt und unterdrückt haben sie aber allemal. Jede wird immerhin das befreiende Gefühl kennen, sich nach einem langen Tag den BH auszuziehen. Doch warum tun wir uns das überhaupt an? Schon klar, zum Stützen, gegen Rückenschmerzen und gegen den umgangssprachlichen „Nippelalarm“. Nicht, weil wir uns für unsere Nippel schämen. Aber weil sie derart sexualisiert werden, dass wir uns vor lüsternen Blicken schützen wollen. Ein einfacher Lifehack löst dieses Problem nun …

kennst du bereits den Wein & Weiber Podcast vom wmn-Magazin? In dieser Folge diskutieren Mona & Lisa darüber, ob es gut war, dass VS all seine Engel feuerte…

Brennende BHs als Zeichen gegen das Patriarchat

Als der Büstenhalter 1912 das Korsett ablöste, war das eine Revolution – regelrecht ein Befreiungsschlag für Frauen, die jahrelang mit einer flachen Atmung überleben mussten. Mit der Zeit wurde allerdings auch der BH verteufelt und als Symbol der Unterdrückung verstanden. Legendär ist die Erzählung, wie Feministinnen aus Amerika 1968 ihre BHs aus genau diesem Grund verbrannt haben sollen. Ganz so lief die Geschichte allerdings nicht ab …

Am 7. September 1968 sollte in Atlantic City, New Jersey, eine neue Miss America gekürt werden. Schönheitswettbewerbe waren Feminist:innen bereits damals ein Dorn im Auge, da so das Patriarchat und das Bild des schönen Geschlechts gefestigt wurden. So beschlossen 400 Feministinnen, den Contest mit ihren Protesten zu stören. Sie riefen „Frauen sind kein Fleisch“ und kürten kurzerhand ein Schaf zur Schönheitskönigin.

Zudem füllten sie einen Korb mit Dingen, die Frauen ihrer Meinung nach unterdrücken. Neben Wischmops, Make-up und Cosmopolitan-Magazinen befanden sich in diesem Korb auch BHs. Angezündet, so wie die Presse es verlautet hat, wurde dieser Korb allerdings nie. Zahlreiche Frauen nahmen an dieser Berichterstattung jedoch Anstoß und warfen ihre BHs daraufhin tatsächlich ins Feuer. Brennende BHs gab es also tatsächlich – aufgrund falscher Berichte.

BHs zwängen ein, sind aber für viele Frauen nicht wegzudenken

In meiner Jugend habe ich sogar mit einem BH geschlafen, um meine Brüste jederzeit in Form zu halten. Erst Jahre später lernte ich, wie ungesund und unnötig dieses Ritual war. Fortan trug ich Bügel-BHs nur noch tagsüber.

Heute blicke ich auf zwei Jahre zurück, in denen ich nicht einen Tag einen „richtigen“ BH trug. Für mich kommen nur noch Soft Bras infrage. Mit denen kann ich normal atmen, die zwicken und zwacken nicht und hinterlassen keine martialischen Spuren auf meinem Oberkörper.

Frau Brüste
Weibliche Brüste sind etwas völlig natürliches, werden aber stets sexualisiert. Credit: IMAGO/ Addictive Stock

Ohne Pads, also Einlagen in den Körbchen, verlasse ich allerdings selten das Haus. Jede Frau wird das Gefühl kennen, wenn fremde, meist männliche Blicke auf den eigenen Brüsten lasten. Trägt man keinen BH und es zeichnen sich die Nippel ab, verdoppeln sich die Blicke zumindest in der eigenen Wahrnehmung. Noch aus Schulzeiten kennt man den Ausdruck „Nippelalarm“, der hinter vorgehaltener Hand kichernd getuschelt wurde.

Bis heute herrscht in unserer Gesellschaft das Verständnis, dass als weiblich gelesene Körper und Brüste etwas Sexuelles sind. Dass ein Körper etwas völlig Natürliches ist, das kein Mensch hinter Drahtbügeln und dicken Stoffschichten verstecken müssen sollte, ist vielen scheinbar neu.

Dieser Lifehack gegen den „Nippelalarm“ hat mein Leben verändert

Im letzten Jahr begann ich, vermehrt ohne BH das Haus zu verlassen. Vor allem in meiner Freizeit wollte ich mich nicht länger von fremden Blicken aufhalten lassen. Im Büro und zu wichtigen Anlässen wollte ich mir dieses neue Vorgehen allerdings nicht bewahren. Geschäftliche Beziehungen ohne BH führen? Eigentlich sollte dem nichts im Wege stehen. Doch weder die Welt noch ich waren dafür bereit.

Frau Brüste
„Es sind doch nur Brüste“, möchte man in die Welt schreien. Die ist allerdings damit beschäftigt, zu starren und hört gar nicht zu. Credit: imago images/Addictive Stock

Jedenfalls bis ich einen Lifehack auf TikTok entdeckte, der dem „Nippelalarm“ ein Ende setzt und dennoch ein Leben ohne BH ermöglicht! Die Userin @jazrabarnes zeigt auf ihrem Account in einem Video, dass es gar nicht den gesamten BH braucht, sondern nur die entnehmbaren Pads aus den Soft Bras. Ganz genau: Die Stoffdinger, die beim Waschen immer verloren gehen oder komplett eingeknickt aus der Maschine kommen.

Laut der TikTokerin solle man sich die Pads im Sommer einfach unter ein enges Top stecken, vor allem wenn man nicht möchte, dass BH-Träger zu sehen sind. Zudem schlägt sie vor, dass man die obere Stoffschicht von den Pads abzieht, damit die mehr Grip haben und besser am Top haften. Ein Verrutschen ist somit fast unmöglich.

Zunächst war ich skeptisch und dachte, dass ich bei meinem Selbstversuch den ganzen Tag an mir rumzuppeln werde. Wie falsch ich doch lag! Dieser Lifehack hat mein Leben verändert und ermöglicht mir, völlig frei durchs Leben zu gehen, ohne dass ich Blicke aufgrund eines „Nippelalarms“ fürchten muss.

Wann immer ich mich also unsicher fühle und meine Nippel nicht der Welt präsentieren möchte, greife ich seither auf diesen Trick zurück. Wenn ich auch hoffe, dass es mir eines Tages noch egaler sein wird und die lüsternen Blicke ihr Ende finden. Träumen darf man ja wohl noch…

Hier findest du das TikTok-Video mit dem Lifehack:

@jazrabarnes

Lil hack for my ladies cha chas🍈🍈 #forthegirls #lifehacks

♬ original sound – Jaz

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