Selbstliebe

Bodypositive kann auch zu weit gehen: 'Bin ich zu dick?' ist die entscheidende Frage

"Bin ich zu dick?' Nein. Bodypositivity hat Großartiges bewirkt. Doch es gibt Influencer, die versuchen Fettsucht zum Lifestyle zu machen – mit fatalen Folgen.

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"Bin ich zu dick?" Bodypositive hat viele Frauen dazu gebracht, weniger Komplexe zu haben.

Bodypositive? Immer her damit. Fat Pride? Bitte nicht.

Die Frage "Bin ich zu dick" bestimmt den Alltag vieler Menschen maßgeblich. Seit der Bodypositive-Bewegung stehen vor allem viele Frauen aber wieder mehr zu ihrem Körper, zu ihren Kurven und zu ihren 'Makeln'. Dass Bodypositive aber immer öfter in Fat Pride übergeht, ist eine mehr als ungesunde Entwicklung. Wir zeigen, warum es nicht 'okay' ist, fett zu sein.

Die reinste Form des ‘Luxuskörpers’

Luxuskörper werden oft solche genannt, deren Schönheit aufgrund von Liftings und chirurgischen Eingriffen nachgeholfen wurde. So weit muss der Luxus aber heute nicht gehen. Viele junge Menschen beschäftigen sich rund um die Uhr mit ihrem Körper und seinen Problemzonen. Übermäßige Sporteinheiten und eine krankhaft gesunde Ernährung gehen oft mit den heutigen Luxusbodys einher. 

“Der Körper ist das neue Statussymbol” 

...sagt Friedrich Schorb vom Institut für Public Health der Universität in Bremen. Der Körper ist das Aushängeschild eines jeden Gesundheitsfanatikers. Man sieht ihm an, wie viel Zeit und Energie er oder sie ins Training und die Ernährung steckt. (Laut Definition ist Zeit Teil der neuen Luxusdefinition bzw. dem NEO-Luxus.) Das ist ein extremes Schönheitsideal, das garantiert nicht gesund für die Psyche ist. 

Bodypositive ist Lifepositive

Als Gegenbewegung zu den ewigen Skinny Bitches und Sportfanatikern entstand die Body Positivity-Bewegung. Es zeigte, dass jede Problemstelle vollkommen normal und liebenswert ist. Tatsächlich half die Bewegung jungen Frauen dabei, Essstörungen zu bekämpfen und sich in ihrem Körper wohler zu fühlen.

“Unicorns don’t do cardio” statt "Bin ich zu dick?"

Einhörner machen kein Cardio. Dieser Satz stammt von Julianna Mazzeal (@jewelzjourney) und ist für sie Grund genug, keinen Sport zu treiben. Sie ist 27 Jahre alt und stark übergewichtig. Sie sagt, sie fühlt sich wohl und schön in ihrem Körper, obwohl dieser sehr unter ihrem Gewicht leidet. Auf Instagram teilt sie ihren Lifestyle und ihre Pfunde liebend gern mit Fans, die sie unterstützen und ihr Mut machen. 

Eigentlich ein schöner Gedanke, doch ihr Stolz auf die vielen Kilos bringt auch andere Frauen in ähnlichen Situationen dazu, sich nicht weiter um ein gesünderes Leben zu bemühen. 

Julianna Mazzeal ist Plus Size Model mit gefährlich viel Gewicht auf den Hüften.

Der schmale Grad

Keine Barbie-Proportionen zu verherrlichen heißt noch lange nicht, sich über massives Übergewicht zu freuen. Doch genau das ist es, was die Fat Pride-Bewegung an vielen Stellen auslöst.

“Fat Pride” wird von vielen Influencern auf Instagram und Co. in den Äther geblasen und spornt junge Menschen auf der ganzen Welt dazu an, ungesundes Übergewicht schön und erstrebenswert zu finden. 

Unter dem Hashtag #realwomenhavecurves findet sich heute auf Instagram eine breite Auswahl von Frauen. Von ‘vollschlank’ bis hin zu ‘besorgniserregend adipös’ ist alles dabei. Das Problem ist, dass das nichts mehr mit verkannten Schönheitsidealen zutun hat, sondern schlicht und ergreifend lebensgefährlich ist.

Ab wann wird es gefährlich? Zahlen und Fakten

Als adipös wird jeder eingestuft, der einen BMI von über 30 hat. Wenn du 1,70 m groß bist, bedeutet das, dass du ein Körpergewicht von 88 kg nicht überschreiten solltest. Das ist kein Fat Shaming, sondern die Realität. Mit dem Urteil ‘deutlich über dem Normalgewicht’ zu liegen, bedingt die Wahrscheinlichkeit echter Krankheiten massiv. 

Beispielsweise haben adipöse Menschen, die sich selbst als ‘fit’ bezeichnen, ein 28 % höheres Herzinfarktrisiko als Normalgewichtige. Hinzu kommen Diabetes, Arthrose, hoher Blutdruck, Atemprobleme und so weiter und so fort – die Liste der Krankheiten ist ewig lang. 

Donut, ungesund, essen
Wie ungesund viele Lebensmittel sind, ist den Anhängern der Fat-Pride-Bewegung ganz egal.

"Bin ich zu dick?" "Kann sein."

Lassen wir die Schönheit mal einen Augenblick beiseite. Manche Menschen finden sich schlank unwiderstehlich, andere mögen ihr Spiegelbild lieber dick und rund. Ganz egal, was du selbst schön findest: Du wirst es nicht genießen können, wenn du dem Extrem nachjagst. Dick zu sein ist für Körper und Psyche ähnlich belastend wie zu dünn zu sein. 

Die Frage "Bin ich zu dick?" ist eine heikle Angelegenheit: Sich selbst zu lieben und seinen Körper zu akzeptieren ist die eine Sache. Auf einem ganz anderen Blatt stehen die Menschen, die aktiv ungesunde Lebensweisen verherrlichen. Schließlich würde niemand den Hashtag #realwomensmokecigarettes unterstützen. Wir wissen schließlich alle, wie gefährlich Zigaretten sind.