Hella von Sinnen oder Vera Int-Veen: Vor Serien wie Princess Charming waren die beiden Frauen fast ausschließlich die einzige lesbische Repräsentation im deutschen Fernsehen. Auch international sah es lange schlecht aus. Das Ergebnis? Viele Menschen außerhalb, aber auch innerhalb der LGBTQIA* – Community glauben an solche Lesben Klischees. Wir zeigen dir, was genau nicht stimmt und wo ein wahrer Funken dran ist.

1. Alle Lesben hassen Männer

Natürlich gibt es nicht eine Personengruppe, die eine andere Personengruppe komplett hasst. Das Vorurteil kommt von dem Bild der männerhassenden Feministin, der so natürlich auch nicht stimmt. Viele lesbische oder queere Frauen vertreten feministische Werte, da sie selbst zu einer Minderheit gehören. Jedoch hassen auch sie kein komplettes Geschlecht. Lesbische und/oder feministische Frauen mögen aber oft keine misogynen Männer.

2. Lesbische Frauen sehen immer männlich aus

Auch dieses Vorurteil entspricht nicht der Wahrheit! Das Aussehen einer Person hat natürlich nichts mit ihrer Sexualität zu tun. Männlich aussehende Frauen sind sowohl in der Community als auch außerhalb der Community sichtbarer, da sie mehr repräsentiert werden und sich von weiblich aussehenden Frauen äußerlich unterscheiden. Feminine lesbische Frauen wie ich nimmt man daher eher als Hetero wahr.

Lesben Klischees
Einige lesbische Frauen sehen eher männlich aus, andere eher weiblich. Beides ist vollkommen okay! Foto: FG Trade / Getty Images via Canva

3. Lesben sind alle Vegetarierinnen

Natürlich sind nicht alle lesbischen und queere Frauen Vegetarier:innen oder Veganer:innen. Tatsächlich gibt es aber in der queeren Community mehr, als in Vergleichsgruppen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Marktforschungs- und Datenanalyseunternehmens Nielsen im Jahr 2018.

4. Beziehungen unter Frauen sind viel einfacher

Hätte ich einen Euro für jeden Moment, in dem heterosexuelle Menschen zu mir gekommen sind und mir gesagt haben, dass lesbische Beziehungen einfacher sind, wäre ich jetzt reich. Als lesbische Frau, die vorher mit Männern zusammen war, kann ich nur das Gegenteil behaupten. Eine Beziehung unter queeren Personen erfordert genauso viel Kommunikation und Willen wie in Hetero-Beziehungen.

Hier kannst du nachlesen, warum ich lesbische Beziehungen nicht einfacher als andere Beziehungen finde.

5. Lesbische Frauen lieben Katzen

Selbst innerhalb der queeren Community findet man eine Menge Memes über queere Frauen und ihre süßen Katzen. Natürlich heißt das aber nicht, dass jede lesbische Frau Katzen liebt. Gender- und Sexualität-Dozentin Rachel Corbman erklärt das gegenüber dem Magazin Dazed so: „Katzen werden mit verschiedenen Formen von Femininität assoziiert, wie zum Beispiel Hexen, Jungfern oder Lesben. Wenn also Katzen in der Form auftauchen, werden die abwertenden Annahmen in gewisser Weise zurückerobert.“

6. Lesben lieben Hummus

Vielleicht mag es nur ein merkwürdiger Zufall sein, aber seit dem ich mich als lesbisch identifiziere, konsumiere ich deutlich mehr Hummus. Kein Wunder, schließlich ist der proteinreiche, gesunde Dip auch sehr lecker. Viele queere Comedians oder auch Nachrichten witzeln über den Konsum von Hummus bei Lesben. Woran liegt das aber nun? Der TikTok-Channel @rainbowhistoryclass erklärt die Verbindung so:

Lesbische Frauen waren gerade in der Vergangenheit sehr arm. Besonders den 1950ern, wo Frauen kaum etwas verdient haben. Lesbische Frauen wurden aufgrund von Diskriminierung ebenfalls selten eingestellt. Lesbische Frauen haben sich daher zusammen getan und füreinander gekocht. Gerichte wie Hummus oder Linsen-Eintöpfe sind gesund, günstig und halten einen lange satt. Zudem können sie relativ einfach für viele Menschen zubereitet werden. Als dann die Aids beziehungsweise HIV-Krise war, übernahmen lesbische Frauen die Pflege von todkranken Männern, da die Gesellschaft sich von ihnen abwendeten. Gerade dann kamen die günstigen und gesunden Gerichte wie Hummus zum Einsatz.

HIV Krise
Während der HIV Krise haben viele lesbische Frauen an der Seite von HIV und Aids erkrankten Männern gestanden. Die hatten und haben bis heute mit vielen Vorurteilen bei dem Thema zu kämpfen. Foto: Mark Reinstein / Getty Images

7. Lesbische Frauen haben besseren Sex

Tatsächlich haben einige Studien ergeben, dass lesbische Frauen deutlich glücklicher mit ihrem Sexleben sind und auch häufiger zum Orgasmus kommen. Eine Studie des Journal of Medicine aus dem Jahr 2014 hat ergeben, dass 75 Prozent der lesbischen Frauen zum Orgasmus kommen. Bei den heterosexuellen Frauen waren es lediglich 61 Prozent. Andere Studien haben ähnliche Ergebnisse.

8. Lesbische Frauen stehen auf Hetero-Frauen

In Filmen und Serien kommt dieses Vorurteil immer wieder vor: Die Lesbe, die sich in die beste Freundin verliebt, die aber nun mal hetero ist. Ständig müssen sich lesbische und queere Frauen mit diesem Vorurteil herumschlagen. Das stimmt aber natürlich so nicht. Natürlich kann es passieren, dass man sich in eine Frau verliebt, die Hetero ist. Schließlich kennt man nicht immer die Sexualität der Person und selbst wenn man genau weiß, dass sie hetero ist, kann man seine innere Gefühlswelt so nicht kontrollieren. Trotzdem heißt das noch lange nicht, dass lesbische Frauen auf jede Hetero-Frau steht, die ihr entgegenläuft.

9. Lesben können keine Kinder bekommen

Die erste Reaktion, die meine Mutter auf mein Outing hatte, war, ob sie überhaupt noch Kinder bekommen würde. Leider ist meine Mutter nicht die Einzige gewesen, die so auf ein Outing reagiert hat. Natürlich können queere Menschen Kinder bekommen. Gerade in der heutigen Zeit gibt es so viele Wege, Kinder zu bekommen. Einige queere Paare zeugen das Kind mithilfe von engen Freunden, einer austragenden Person oder mit einer Samenspende. Andere wiederum adoptieren Kinder oder nehmen welche zur Pflege bei sich auf.

10. Lesben ziehen schnell zusammen

In der lesbischen Szene ist das Vorurteil so bekannt, dass regelmäßig darüber Witze gemacht wird. Kaum hat man ein Date und verliebt sich ineinander, zieht man zusammen. Eine Studie der Stanford University aus dem Jahr 2018 hat aber bewiesen, dass das Vorurteil nicht stimmt. Hierbei wurden 3000 Paare (220 Frauenpaare) befragt, wann sie sich dazu entschieden haben, zusammenzuleben. Ergebnis: Es macht keinen Unterschied, ob man hetero oder homo ist.

Fazit: Natürlich stimmen die meisten Vorurteile nicht, jedoch ist an einigen etwas dran

Natürlich liebt nicht jede Lesbe oder queere Frau Katzen und auch nicht jede mag Hummus. Jedoch haben einige Vorurteile einen Ursprung, der auch mich als queere Frau überrascht hat. Trotzdem ist das natürlich kein Grund, die Vorurteile weiter anzuwenden, schließlich ist jede Person auf ihre eigene Art anders und besonders.

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