Anlässlich des Muttertags starten wir bei wmn mit der neuen Mama-Kolumne #momsense. Darin berichtet unsere Autorin über die schonungslose Wahrheit des Mutterdaseins – mit all ihren Höhen und Tiefen.

Letztens saß ich beim Arzt und sollte einen Fragebogen ausfüllen. Neben meiner Anschrift und meinen bekannten Vorerkrankungen sollte ich auch angeben, was denn meine Hobbys seien. Ich stutzte. Äh, puh, joa … Yoga vielleicht?! Das letzte Mal ist schon wieder zwei Monate her, das kann ich doch dann nicht reinschreiben. Aber ich kann das Feld einfach leer lassen ist auch keine Option! Aber warum eigentlich nicht? Auszeiten für Mamas sind generell rar, das weiß doch jede:r.

Besonders in Zeiten von Corona ist ein Hobby für Eltern ja wohl absolute Mangelware. Meine Auszeiten als Mama sind das, was andere Leute als notwendiges Übel ansehen. Und genau da liegt das Problem!

Auszeiten als Mama sind eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit

Gerade in den letzten Monaten gaben mein Mann und ich uns wegen des Lockdowns bei der Kinderbetreuung die Klinke in die Hand. Ein klassischer Wochentag sah deswegen so aus: Um halb 7 aufstehen, Kinder anziehen, Frühstück machen und mit einem sehr starken Kaffee direkt den Rechner aufklappen und losarbeiten. Mein Mann kümmert sich bis halb 1 um die Kids. Dann liegt die Kleine im Bett und der Große darf was gucken. Ich übernehme dann und hoffe, noch in Ruhe weiterarbeiten zu können, bis ich um 14 Uhr den Rechner wieder zuklappe.

Jetzt beginnt die zweite, deutlich anstrengendere Schicht des Tages. Ich versuche Wäschewaschen, Putzen, Aufräumen, übriggebliebene Homeoffice-To Dos und Kinderbespaßung unter einen Hut zu bekommen.

Unsere #momsense-Kolumnistin

Jetzt könnte ich zu meiner wohlverdienten Auszeit als Mama kommen. Nein, kein riesiges Wellness-Programm, Friseur-Termin oder Massage! Ich rede von einer kurzen Dusche. Ohne Haarewaschen versteht sich, das dauert zu lang. Doch beim Auftragen des Duschgels springt bereits das Babyfon an –die Kleine ist wach. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Ich will doch nur diese 5 Minuten. Ist das denn zu viel verlangt? Anscheinend schon. Während ich mich schnell abtrockne und anziehe, stoße ich ein paar Flüche aus und gehe zu meiner Tochter. Jetzt beginnt die zweite, deutlich anstrengendere Schicht des Tages. Ich versuche Wäschewaschen, Putzen, Aufräumen, übriggebliebene Homeoffice-To Dos und Kinderbespaßung unter einen Hut zu bekommen.

Als die Kinder um 20 Uhr gebadet, satt und zufrieden im Bett liegen, legt mein Mann wieder los mit der Arbeit. Paarzeit? Fehlanzeige! Wie schön wäre es jetzt einfach nur zusammen eingekuschelt auf dem Sofa zu liegen. Aber momentan ist das nicht drin.

Frau Feierabend
Den Abend bei einem Glas Wein ausklingen lassen? Kommt selten vor.. Foto: istock, yacobchuk /

Dafür hätte ich jetzt endlich mal die Möglichkeit eine Auszeit als Mama zu nehmen. Nope! Da wartet noch der kaputte Drucker, die offenen Rechnungen und die drei anderen Erledigungen, die ich unbedingt heute angehen muss. Als all das unter Dach und Fach ist, könnte meine Yoga-Session beginnen. Aber mal ehrlich: Wer schafft denn sowas? Viel lieber verbringe ich meine äußerst begrenzte Me-Time in der Außenwelt. Immerhin komme ich kaum raus. Was passt also besser als ein kurzer Abstecher zum Supermarkt?! Zum Glück hat der so lange auf und Milch brauchen wir eh noch für morgen früh.

Doch als ich so durch die Obst- und Gemüseabteilung laufe, wird mir klar: Das ist überhaupt keine Auszeit als Mama, verdammt noch mal! Ich hake nur schon wieder To-Do-Listen ab!

Unsere #momsense-Kolumnistin

Doch als ich so durch die Obst- und Gemüseabteilung laufe, wird mir klar: Das ist überhaupt keine Auszeit als Mama, verdammt noch mal! Ich hake nur schon wieder To-Do-Listen ab! Wirkliche Selfcare ist, wenn ich mich auf mich fokussiere. Mache ich aber gar nicht. Ich rekapituliere die letzten Wochen und verstehe erst jetzt richtig, warum ich so kaputt bin. Ich hatte keine wirkliche Auszeit als Mama. Denn jede Menge Dinge, die angeblich der Selfcare dienen, sind gar keine.

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Diese 5 Dinge sind KEINE Auszeiten für Mamas

Ich habe schon einige Artikel darüber gelesen, wie einfach es doch sei, Auszeiten für Mamas in den Alltag einzubauen. Sie müssten eben nur ihre Einstellung ändern und realisieren, dass sie gerade jetzt tatsächlich Selfcare betreiben. Bullshit, sage ich. Nichts müssen wir Mütter. Wenn sich eine Sache nicht so anfühlt wie eine Auszeit für Mamas, dann ist es auch keine. Punkt.

Es gibt viele Dinge, bei denen Müttern oft weisgemacht wird, dass sie dabei super runterkommen können. Ich habe mir davon fünf rausgepickt, die sowas von überhaupt nichts mit einer Auszeit als Mama zu tun haben. Geht’s dir genauso?

1. Einkaufen

Die Einkaufsliste checken, bloß nicht dies und das vergessen und mich mit vielen anderen Menschen durch die Gänge wühlen – das hat für mich so rein gar nichts mit Selfcare zu tun. Allein bin ich ja, aber ist es das, was ich gerade machen würde, wenn ich eine Wahl hätte? Bestimmt nicht. Also ist Einkaufen keine Auszeit für Mamas. Basta!

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2. Erledigungen machen

Ein Termin beim Arzt wahrnehmen, ein Paket zur Post bringen oder auf dem Amt einen Antrag abgeben – das kann sich für eine Mutter schon mal wie Urlaub anfühlen. Wenn ich dann ausnahmsweise statt im Homeoffice zu sitzen mit der Bahn ins Büro fahre, ist das unglaublich befreiend. Aber eine wirkliche Auszeit als Mama ist das nicht.

Frau Haare waschen
Duschen UND Haarewaschen? Für Mamas in Pandemie-Zeiten ein echter Luxus.. Foto: Getty Images/ Jeremie Morey / EyeEm /

3. Duschen

Sich zu waschen, ist definitiv keine Selfcare. Und in Ruhe zu duschen auch nicht. Das sollte ein Grundrecht sein! Trotzdem kommt das bei mir ziemlich selten vor, dass ich ohne Zeitdruck meinen Körper reinigen „darf“. Vom Bodylotion auftragen oder Haare stylen reden wir mal gar nicht.

Auch, wenn ich dafür mal einigermaßen in Ruhe Kleidungstücke sortiere und zusammenlege, hat Wäschewaschen herzlich wenig mit einer Auszeit als Mama zu tun.

Unsere #momsense-Kolumnistin

4. Wäsche waschen

Da mein Mann bei uns zuhause fast immer kocht (Halleluja!), bin ich diejenige, die sich den riesigen Wäschebergen in unserer Familie widmen muss. Auch, wenn ich dafür mal einigermaßen in Ruhe Kleidungstücke sortiere und zusammenlege, hat das herzlich wenig mit einer Auszeit als Mama zu tun.

Frau auf Bett
Sich früh ins Bett lagen, weil der Tag einen so ausgeknockt hat, ist keine Auszeit für eine Mama.. Foto: iStock, visualspace /

5. Früh ins Bett gehen

„Schlaf, wenn dein Kind schläft!“ – Schon zur Geburt meines ersten Kindes durfte ich mir diesen selten bescheuerten Ratschlag anhören. Und wer kümmert sich bitte dann um den Rest, der den ganzen Tag so ansteht? Vielleicht will ich ja auch einfach mal alleine aufs Klo?

Gleiches gilt fürs frühe Schlafengehen am Abend. Nehme ich es mir manchmal vor? Klar! Aber bis es dann wirklich in die Horizontale gehen kann, habe ich noch 1000 Dinge zu erledigen. Und davon mal abgesehen: Auch dann kann ich mich nicht mit mir selbst beschäftigen. Außer vielleicht etwas ausgeruhter zu sein, hatte ich von meiner Auszeit als Mama dann nicht wirklich etwas.

Fazit: Auszeiten als Mama sehen anders aus!

Ich empfinde also weder das Einkaufen, Erledigungen machen, Wäschewaschen, Duschen oder früh Schlafengehen als Auszeit für mich als Mama. Vor allem deswegen, weil es nichts ist, was ich mir als selbstbestimmte Person aussuchen würde. Da fallen mir ganz andere Dinge ein. Joggen gehen, mich mit einer Freundin treffen, mich bei der Pediküre verwöhnen lassen oder wirklich mal Yoga machen.

Ich habe letzteres übrigens tatsächlich in den Fragebogen beim Arzt reingeschrieben, sehe das aber eher als Ziel für die Zukunft. Denn natürlich sind Auszeiten wichtig. Und je eher wir erkennen, welche Dinge keine Selfcare sind, desto klarer sehen wir, dass die Auszeiten fehlen.

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