Polyamorie ist laut Definition eine Form des Liebeslebens, bei der eine Person mehrere Partner liebt und zu jedem Einzelnen eine Liebesbeziehung pflegt, wobei diese Tatsache allen Beteiligten bekannt ist und einvernehmlich gelebt wird.  Doch wieso entscheiden sich viele Menschen für mehrere Beziehungen gleichzeitig? Studien klären uns auf. 

Studie: Mehrere Beziehungen gleichzeitig sind beliebt 

Die Studie, die von Forscher:innen der Fakultät für Gesundheit der Universität York geleitet wurde, ergab, dass die Diversität der Bedürfnisse zwischen den Partnern in einer polyamoren Beziehung unterschiedliche Vorteile mit sich bringen kann: Das Erleben von mehr Erotik und Fürsorge mit einem Partner wurde mit Zufriedenheit und Nähe in einer gleichzeitigen Beziehung in Verbindung gebracht. Darüber hinaus zeigt diese Studie, dass Personen, die ein höheres Maß an Erotik und Fürsorge erleben, auch über eine größere sexuelle Zufriedenheit und Nähe zu ihren Partnern berichten. 

In der Studie untersuchten die Co-Autorin Amy Muise, Assistenzprofessorin am Fachbereich Psychologie der Universität York, und die Hauptautorin Rhonda Balzarini, Postdoktorandin, das Ausmaß an Erotik und Fürsorge sowohl in polyamoren als auch in monogamen Beziehungen. Ziel war es, herauszufinden, ob Personen in polyamoren Beziehungen in der Lage sind, durch das Führen mehrerer Beziehungen ein höheres Maß an Erotik und Fürsorge aufrechtzuerhalten als Personen in monogamen Beziehungen. Diese Studie ist die erste, die Erotik und Fürsorge in polyamoren und monogamen Beziehungen untersucht. 

Bei der Studie ergab sich ein interessantes Ergebnis. Teilnehmende in polyamoren Beziehungen erleben zwar weniger Erotik, aber dafür mehr Fürsorge in ihren Beziehungen mit ihrem Hauptpartner im Vergleich zu ihrem Zweitpartner erlebten. 

Portrait von drei Frauen
Kommunikation ist in jeder Beziehung von Bedeutung. Foto: Pexels / Antonius Ferret

Tschüss Monogamie? 

Laut einer anderen Studie werden aus zwei Drittel der Freundschaften Beziehungen, so berichtet The Guardian. Doch wie steht es eigentlich um monogame Beziehungen? Mehrere Beziehungen zeitgleich können in den unterschiedlichsten Formen stattfinden. Konsensuelle Nicht-Monogamie beispielsweise erlaubt es beiden Partner:innen, Beziehungen mit anderen Menschen zu erkunden. Dies kann alles umfassen, von Polyamorie über Swinging bis hin zu anderen Formen der offenen Beziehung. Unabhängig von der Form, die sie annimmt, ist eines der bestimmenden Merkmale, dass die Partner die Grenzen besprechen. Außerdem vereinbaren sie zum Beispiel, wie weit sie gehen können und wann und wo die Beziehungen ihren Raum finden können. 

Außerdem scheint die Lust nach polyamorösen Beziehungen groß zu sein. Denn laut einer Umfrage haben viele Menschen ein sehr großes Interesse daran, mal eine Dreiecksbeziehung auszuprobieren. Dabei geht es ihnen jedoch um weitaus mehr als sexuelle Vorlieben. 

Im Laufe ihres Lebens waren 21 % der Menschen schon einmal nicht monogam.

Amy Muise, Assistenzprofessorin für Psychologie an der York University in Toronto 

Und wie steht es um die Eifersucht? 

Führen mehrere Beziehungen gleichzeitig nicht zu einem hohen Maß an Eifersucht? Eifersucht in Beziehungen scheint häufig vorzukommen. Muise berichtet gegenüber dem BBC: Es zeigt sich deutlich, dass in Beziehungen mit mehreren Menschen Partner:innen motiviert sind, das Glück des anderen zu unterstützen. „Es hat den Anschein, als wolle der Primärpartner seinen Partner sexuell erfüllt sehen, aber er muss nicht derjenige sein, der dies tut“, sagt sie. 

Doch wie steht es um die Eifersucht eigentlich wirklich? Katherine Aumer, eine Forscherin an der Hawaii Pacific University fand heraus, dass Männer ein größeres Problem mit sexueller Untreue haben, als mit emotionaler Untreue. Frauen hingegen empfinden eine größere Eifersucht, wenn ihre Partner:innen emotional untreu sind.  

Susanne Ditzmann lebt schon seit längerer Zeit nicht monogam. Im Interview mit dem SWR gibt sie allerdings an, dass für sie die Eifersucht dazugehört. Für sie sei es ein Zeichen, dass irgendwas nicht stimmt und sie ein Bedürfnis hat, welches nicht befriedigt ist. 

Paare am Strand
Monogamie oder Polyamorie? Foto: Pexels / Lindsie Raye

Mehrere Beziehungen gleichzeitig: Eines von vielen Modellen 

Mehrere Beziehungen können auf verschiedene Arten und Weisen geführt werden. Laut Dr. Deborah Anapol auf Psychology Today können solche Beziehungsmodelle dazu beitragen, persönlich zu wachsen und sich selbst besser kennenzulernen. Genau wie eine monogame Beziehung. Wichtig sei, dass sich beide Partner:innen in ihren Vorstellungen und Ansprüchen einig seien und konstant kommunizieren. 

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