Treue ist für viele Menschen der wichtigste Wert in einer stabilen und monogamen Beziehung. Dennoch scheitern etliche Beziehungen genau an diesem Punkt. Dabei werden die meisten Untreue und Fremdgehen unter einem One-Night-Stand, einer Affäre oder dem Fremdküssen verbuchen.

Doch zum Fremdgehen braucht es nicht immer eine körperliche Komponente. Auch emotionales Fremdgehen kann einen Vertrauensbruch in der Beziehung bedeuten und sie ernsthaft belasten. Was genau hinter einer emotionalen Affäre steckt und wie sehr Beziehungen darunter leiden, liest du hier.

Was bedeutet emotionales Fremdgehen?

Beim emotionalen Fremdgehen bzw. bei einer emotional affair hegt man Gefühle für einen Menschen und das, obwohl man in einer monogamen Beziehung ist. Diese Gefühle bewegen sich irgendwo zwischen Freundschaft und Liebe und können mit der Zeit immer intensiver werden. Sexuelle Intimität bleibt bei dieser Form des Fremdgehens allerdings (zunächst) aus. 

Der Betrug spielt sich in der Fantasie und ohne das Wissen des eigenen Partners/ der eigenen Partnerin ab. Emotionales Fremdgehen beginnt meist mit unverfänglichen Gesprächen – ob online oder im realen Leben beispielsweise am Arbeitsplatz. Schon bald werden daraus Flirts und die Gedanken kreisen ständig um den anderen. Selbst dann, wenn der eigene Partner neben einem im Bett liegt.

In einer emotionalen Affäre spielt man häufig mit den Gedanken, wie es wohl wäre, mit dem anderen zusammen zu sein, ihn zu küssen oder mit ihm zu schlafen. Nicht selten denken emotionale FremdgeherInnen auch beim Sex mit dem Partner an den anderen. Ähnlich wie bei einer körperlichen Affäre geht emotionales Fremdgehen also mit Neugierde und Begierde einher.

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50 % geben in einer Umfrage an, in ihrem Leben bereits einmal betrogen worden zu sein. Du auch?(Photo: imago images/Westend61)

Fremdgehen in Zahlen

Fremdgehen passiert häufiger als wir denken: In einer Umfrage des Online-Dating-Anbieters parship geben ganze 50 % der Befragten an, schon mal betrogen worden zu sein. 34 % geben in derselben Umfrage an, selbst schon einmal fremdgegangen zu sein.

Viel spannender ist allerdings, wo für die meisten das Fremdgehen eigentlich beginnt. Denn hier setzt jeder andere Maßstäbe und nicht jedes Delikt führt zwangsläufig zur Trennung, wie eine weitere parship-Umfrage aus dem Jahr 2018 belegt.

Hier wurden die TeilnehmerInnen befragt, was für sie als Fremdgehen gilt. Für 88 % der Befragten ist klar, dass eine längerfristige Affäre oder eine gleichzeitige weitere Beziehung nicht nur Fremdgehen bedeuten, sondern auch einen Trennungsgrund darstellen. Handelt es sich um einen einmaligen Seitensprung, sinken die Zahlen dagegen schon auf 64 %.

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Emotionales Fremdgehen in Zahlen

Besonders interessant sind allerdings die Zahlen, die Fremdgehen nicht nur auf rein körperlicher Basis betrachten, sondern die das emotionale Fremdgehen mit einbeziehen. So zeigen die Zahlen der Umfrage deutlich, dass emotionales Fremdgehen ebenfalls die Beziehung aufs Spiel setzen kann

Ganze 19 % meinen, dass es Fremdgehen und Trennungsgrund zugleich ist, wenn der Partner/die Partnerin beim Sex an jemand anderen denkt. Heimliche Treffen mit jemand anderem, auch wenn keine sexuellen Kontakte stattfinden, sind sogar für 42 % ein Trennungsgrund! Emotionales Fremdgehen wird demnach als Bedrohung für die eigene Beziehung wahrgenommen, wenngleich körperliche Intimität deutlich härter verurteilt wird. 

Und wer ist besonders anfällig für emotionale Affären? Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass vor allem Frauen das emotionale Fremdgehen bevorzugen, während Männer eher körperlich fremdgehen: Ganze 91 % der Frauen geben hier an, bereits eine emotionale Affäre gehabt zu haben.

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TherapeuthInnen & PsychologInnen sind sich einig: Fremdgehen & besonders emotionales Fremdgehen passiert, weil es in der eigenen Beziehung hakt.(Photo: imago images/Westend61)

Emotionales Fremdgehen passiert nicht ohne Grund

Die Zahlen zum emotionalen Fremdgehen zeigen deutlich, dass diese Form des Betrugs erstens nicht selten ist, aber zweitens weniger Konsequenzen hat. Denn die Prozentzahl derer, die sich nach einem emotionalen Betrug trennen, sind deutlich geringer als beim körperlichen Betrug.

Doch genau hier liegt die Krux: Denn emotionales Fremdgehen zeigt etwas an, was nicht ignoriert werden sollte. Und zwar, dass einem etwas in der eigenen Beziehung fehlt. Etwas, das man nun bei einem/r anderen zu kompensieren versucht. Das weiß auch der Paartherapeut Peter Bartning und meint gegenüber der Frankfurter Rundschau:

Dahinter steckt in der Regel eine tiefe Unzufriedenheit mit der eigenen Beziehung. – Peter Bartning

Doch wer emotional fremdgeht, wird sich diesen Umstand nur ungern eingestehen. Zu groß sind der anfängliche Reiz des Verbotenen, des Neuen und des Romantischen. Beim emotionalen Fremdgehen wird eindeutig eine Linie der monogamen Beziehung überschritten. Doch dieses Überschreiten lässt sich leicht verschleiern und leugnen – sich selbst und der Beziehung gegenüber. Leichter zumindest als eine sexuelle Affäre.

Emotionales Fremdgehen belastet die eigene Beziehung enorm

Versteckte Nachrichten, heimliche Gespräche und Treffen oder schlicht das Verschweigen von Informationen sind beim emotionalen Fremdgehen häufig. Lange reden sich emotionale FremdgeherInnen ein, es würde ja nichts passieren. Der Körperkontakt bleibt immerhin aus.

Dieses Denken grenzt jedoch an Selbstbetrug. Denn wer emotional fremdgeht, dem mangelt es in der eigenen Beziehung eindeutig an etwas: sei es Aufmerksamkeit, kleine Liebesbeweise oder schlicht ein offenes Ohr. Es ist leicht, sich diesen Problemen zu entziehen, indem man jemand Neues findet, der einem all das bietet

Doch dieses Verhalten ist fatal für die eigene Beziehung. Denn mit dem Beginn einer emotionalen Affäre wird der eigene Partner/ die eigene Partnerin degradiert und wird nicht länger als jemand wahrgenommen, dem man sich emotional öffnen kann. Emotionales Fremdgehen bedeutet den Tod für das Vertrauen und die Verbindung in einer jeden Beziehung. 

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Doch muss ein emotionaler Ausrutscher gleich das Beziehungsaus bedeuten? Nein.(Photo: imago images / Westend61)

Emotionales Fremdgehen: Bedeutet es das Beziehungsaus?

Eines sei verraten: Emotionale Affären können passieren. Entscheidend ist am Ende nur, wie wir mit ihnen umgehen. Lassen wir sie aufflammen und eine vielleicht sehr gute Beziehung daran scheitern oder erkennen wir unsere eigenen Bedürfnisse und verhalten uns unserem Partner/ unserer Partnerin gegenüber fair?

Schon klar, emotionales Fremdgehen ist leicht und aufregend. Schwerer und belastender ist es dagegen, sich einzugestehen, dass eine Beziehung harte Arbeit bedeutet. Aber nicht immer ist der leichte Weg der richtige. Zwar fühlen wir uns in einer emotionalen Affäre geborgen, verstanden und bekommen die Nähe, die wir brauchen – doch der Schein trügt nicht selten

Denn sich süße Nachrichten hin- und herzuschicken oder mit einer anderen Person den Alltag, gar das Leben zu meistern, sind zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe. Eine emotionale Affäre löst keines unserer Probleme langfristig. Schlimmer noch: Statt an unserer Beziehung zu arbeiten, um das zu bekommen, wonach es uns verlangt, belastet das emotionale Fremdgehen unsere Beziehung zusätzlich.

Wer sich also in einer Situation wiederfindet, in der er den Partner oder die Partnerin emotional betrügt, sollte sich zunächst fragen: Was möchte ich überhaupt? Wer erkannt hat, dass emotionales Fremdgehen nicht die Antwort auf die eigenen Beziehungsprobleme sein kann, sollte sich in Ruhe mit dem Partner/der Partnerin hinsetzen und herausfinden, was euch fehlt. Er/Sie kann nur dann eure Sehnsüchte stillen, wenn ihr euch mitteilt. 

Diese Phasen durchlebt jede Beziehung.

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