Noch im März hatte Trump seinem eigenen Krisenmanagement 10 von 10 Punkten gegeben. Schon damals haben viele nur ungläubig mit dem Kopf geschüttelt. Angesichts seiner geschätzten Todesprognosen und Empfehlungen für Desinfektionsinjektionen konnte dennoch mit einem derartigen Coronaverlauf in den USA gerechnet werden. 

An solch dubiose Aussagen eines amerikanischen Präsidenten sind wir alle bereits gewöhnt und vergessen dabei, dass im selben Augenblick eine Pandemie bekämpft wird. Corona ist ernst. Ernst genug, um auszuwandern?

Über drei Millionen Menschen sind am Coronavirus erkrankt, über 135.000 sind an der Infektion gestorben. Rekorde bei den Neuinfektionszahlen werden gerade täglich gebrochen. Dazu kommen massive Rassismus-Probleme und landesweite Demonstrationen. „Unser Land ist voll“ sagte der amerikanische Präsident Donald Trump einst Richtung potentieller mexikanischer Einwanderer, die vor der geplanten Mauer demonstrierten. Das ist so nicht ganz richtig. Die USA ist krank. Die ersten ziehen die Reißleine.

Trumps Coronamanagement ist zum Auswandern

Es gibt also auch eine perfide gute Nachricht: Bald ist wieder Platz. Die forensische Pathologin und Autorin Dr. Judy Melinek wandert aus. Zusammen mit ihrer Familie zieht sie nach Neuseeland. Nach einer zweiwöchigen Quarantäne in Auckland wird sie im kommenden Monat in einem Krankenhaus in Wellington arbeiten. Als Medizinerin mit einer Menge Berufserfahrung verfügt sie über genügend Sachverstand, das Krisenmanagement Trumps ehrlich einschätzen zu können. Ihr Urteil fällt übel aus. Den Umgang mit Covid-19 in den USA bezeichnet sie als komplettes Desaster.

Mit ihrer Entscheidung ist sie noch eine von wenigen. Tatsächlich zeigte Immigration New Zealand, dass die Anzahl der US-Bürger, die nach Einwanderungsinformationen auf der offiziellen Webseite der neuseeländischen Regierung suchten, um 65 % gestiegen ist

Jacinda Ardern Neuseeland
Jacinda Ardern genießt weitaus mehr Ansehen als viele ihrer internationalen Kollegen.(Photo: imago images/Xinhua)

Warum Neuseeland?

Melinek lobt stattdessen Länder wie China, Deutschland und eben Neuseeland, die die Situation in ihren Augen viel besser im Griff haben. Besonders Neuseeland stach unter Premierministerin Jacinda Ardern als Vorbild in Sachen Corona-Bekämpfung heraus. Sie fuhr weltweit einen der härtesten Kurse. Grenzen dicht, strikte Ausgangssperren, keine Experimente. 

Die ökonomisch und gesellschaftlich extrem harten Schritte wurden von ihren sanften Worten begleitet. Das hat viele Neuseeländer überzeugt. Bereits am 08. Juni wurde Neuseeland zur Corona-freien Zone erklärt. Auch kleine Rückschläge und Infektionen danach haben die schnelle Rückkehr in ein geregeltes Arbeits- und Berufsleben nicht aufhalten können.

Auch Melinek vertraut der neuseeländischen Premierministerin. Das Vertrauen in Trump ist dagegen am Boden, das zeigen nicht zuletzt die Umfragewerte. Ob sich eine kleine Auswanderungswelle nach Kanada oder Neuseeland entwickeln wird, wie nach Trumps Wahlsieg vor wenigen Jahren, muss sich noch zeigen. 

Fakt ist: Nicht jeder hat die Möglichkeit auszuwandern. Auch die sozialen Verhältnisse entscheiden über den zukünftigen Wohnort. Ganz zu schweigen vom Willen Neuseelands alle Neuankömmlinge aufzunehmen. Zumindest nach den Daten von Immigration New Zealand, scheinen dennoch viele mit diesem Schritt zu liebäugeln.

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