Die meiste Zeit am Tag verbringen wir mit unseren Kolleg:innen und ab und zu ergibt sich während der Arbeitszeit ein nettes Gespräch, welches man so auch nicht mehr missen möchte. Als Pilot oder Pilotin darfst du das aber nicht immer, so gelten im Cockpit strenge Regeln, wenn es um private Gesprächsthemen geht. Warum bei Start und Landung absolutes Sprechverbot gilt und was die Sterile Cockpit Rule damit zutun hat, liest du hier.

Sterile Cockpit Rule: Privates Gespräch führte zum Absturz 

Doch nicht immer war es den Pilot:innen im Cockpit verboten über private Angelegenheiten zu sprechen. Bis zum Jahr 1974 waren Gespräche bei Start und Landung gang und gäbe. Doch am 11. September 1974 führte ein Dialog zwischen zwei Piloten zu einem Flugzeugabsturz in den Vereinigten Staaten. Die US-amerikanische Airline Eastern Airlines war auf dem Weg nach Chicago, als sie abstürzte. An diesem Tag verloren 72 Menschen ihr Leben, nur fünf von ihnen überlebten. 

Später fand die Verkehrsbehörde National Transportation Safety Board heraus, dass die Piloten Schuld am Absturz hatten, da sie während der Landung abgelenkt waren. Laut des Stimmenrekorders waren beide in eine hitzige Diskussion über Politik und andere private Themen vertieft.

Damit sich so ein Unglück nicht noch einmal wiederholt, wurde sechs Jahre später die Sterile Cockpit Rule ins Leben gerufen, welche besagt, dass bei Landung und Start lediglich über flugrelevante Themen gesprochen werden darf.

Flughafen Flugzeug
Um sicher zu landen wird im Cockpit geschwiegen. Credit: IMAGO/ Westend61

Aber nicht nur das Sprechen ist in der kritischen Phase eines Fluges verboten, laut der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration zählen auch “das Einnehmen von Mahlzeiten oder das Lesen von Publikationen, die nicht mit der ordnungsgemäßen Durchführung des Fluges zu tun haben”, als unzulässig.

Gilt die Sterile Cockpit Rule auch in Europa? 

Zwar gilt die Sterile Cockpit Rule nur in den Vereinigten Staaten, jedoch wird das Besprechen von privaten Angelegenheiten auch in Europa nicht gerne gesehen. So heißt es in der Verordnung der Europäischen Union EU-OPS: “Der Kommandant darf den Besatzungsmitgliedern die Ausübung von Tätigkeiten während des Starts, des Anfangssteigfluges, des Endanfluges und der Landung nicht gestatten, wenn diese nicht für den sicheren Betrieb des Flugzeuges erforderlich sind.”

Eine Regel, die laut dem Berufspiloten Patrick Biedenkapp auch strengstens eingehalten wird, wie er dem Reisemagazin Travelbook verraten hat. “Es ist selbstverständlich, dass man bei allen Flugbewegungen unter 10.000 Fuß keinen Small Talk betreibt und Aktivitäten durchführt, die vom Steuern des Flugzeuges ablenken könnten.”

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