Der Brexit wurde am 01. Februar 2020 endgültig gemacht. Seither gibt es kein zurück – auch wenn viele das so gerne hätten. Das Vereinigte Königreich muss sich aber jetzt darauf einstellen, die Folgen des Brexit zu tragen – und das werden nach und nach mehr. Ab dem Jahr 2022 kommen Kosten auf die Brit:innen zu, mit denen viele von ihnen wahrscheinlich gar nicht mehr gerechnet hätten: Es geht um die Roaming-Gebühren im Ausland.

Nach dem Brexit: Roaming-Gebühren für die Brit:innen im EU-Ausland

Sobald die Brit:innen im Jahr 2022 ihr eigenes Land verlassen, wird ihnen das Leben ein wenig schwerer gemacht. Sie müssen nämlich bald ziemlich viel Geld zahlen, um auch im Ausland auf das Internet zugreifen zu können oder telefonieren zu dürfen. Das liegt daran, dass für Großbritannien die Roaming-Gebühren wieder eingeführt wurden.

Seit dem Jahr 2017 ist es in der EU ganz normal, dass wir keine Roaming-Gebühren mehr zahlen müssen, wir uns gegenseitig im Ausland besuchen. Wir können einfach in ein anderes Land reisen und wissen, dass wir dort trotzdem ins Netz gehen können und anrufen können wen wir wollen.

Übrigens, so sieht es in Deutschland aus: In Deutschland mit dem Handy zu telefonieren ist ganz normal geworden. Viele haben gar kein Festnetz mehr, sondern erledigen alles mit dem Mobiltelefon. So gibt es verrückterweise in Deutschland derzeit beinahe doppelt so viele Handyverträge wie Menschen. Eine Erhebung von Tanzer zeigt, dass 2020 gut 150 Millionen Mobilfunkanschlüsse in Deutschland registriert waren. Das Telefonieren und das Surfen im Netz geht somit günstig und schnell – Und das in der gesamten EU.

Datenverbrauch in der EU – so viel ist es heute

Das freie Roaming und ein schnelleres Netz haben dazu beigetragen, dass wir immer mehr Daten verbrauchen und immer abhängiger vom Netz sind. Statistiken des Research Department von Statista zeigen, dass wir seither einen Anstieg des Datenverbrauchs um mehr als das Doppelte seit dem Jahr 2017 hatten – von 12 Exabyte (2017) auf 37 Exabyte (Prognose für das Jahr 2022).

Die armen Brit:innen müssen bald wieder zahlen. Credit: IMAGO / YAY Images

Roaming gilt aber bald nicht mehr für jede:n

Seit dem Austritt Großbritanniens aus der EU mussten die Bürger:innen bereits mit einigen Folgen klarkommen. Ab dem Jahr 2022 bedeutet das auch und vor allem eines: Roaming-Gebühren im restlichen Europa.

„Roam like at Home“: Das ist in Großbritannien nun vorbei

Seitdem der Brexit durch ist, müssen alle Europäer:innen sich bei der Einreise in Großbritannien ausweisen können. Selbiges gilt umgekehrt natürlich auch. Auch der Handel mit Großbritannien ist mit dem Brexit nicht nur teurer, sondern auch noch schwieriger geworden. Das Handels- und Kooperationsabkommen, das im Mai 2021 zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich in Kraft trat, gilt zum „Schutz der Interessen der Europäischen Union, Gewährleistung eines fairen Wettbewerbs und Fortsetzung der Zusammenarbeit in Bereichen von beiderseitigem Interesse.“

Übrigens: Wusstest du, dass auch die EU-Bürger:innen bald einen Reisepass brauchen, um in England einreisen zu können?

Doch im Jahr 2022 geht man noch einen Schritt weiter: Auch die Mobilfunkverträge der Brit:innen bekommen eine Zusatzklausel: Roaming wird jetzt richtig teuer.

Roaming in Europa: Es ist auch für uns nicht kostenlos

Wir haben uns irgendwie daran gewöhnt, ins Ausland reisen zu können und auch von dort aus auf WhatsApp, Instagram, TikTok und unsere E-Mails zugreifen zu können. Welch ein Luxus es doch ist, keine Roaming-Gebühren in der EU zu zahlen.

Doch die meisten Menschen wissen gar nicht, dass die Daten, die wir im Ausland verbrauchen, ebenfalls bezahlt werden müssen. Mit einem gültigen Handyvertrag bezahlt aber dein Anbieter für das Datenvolumen, das du im Ausland aufgebraucht hat.

Solltest du aber zu viel daddeln, YouTube-Videos schauen und TikToks drehen, ist deine Flatrate bald billiger als der Preis für die ausländischen Daten. Sobald das passiert, drosselt dein:e Vertragspartner:in die Internetverbindung im Ausland. Erst wenn du wieder im Inland bist, wirst du wieder voll und ganz auf dein Datenvolumen zugreifen können. Solltest du dennoch weiter surfen wollen, musst du dir Datenvolumen zusätzlich kaufen.

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Roaming-Gebühren in Europa: Aber nicht für alle. Credit: Getty Images/ Peter Muller /

Roaming-Gebühren in Europa: Großbritannien hat das Nachsehen

In Großbritannien hat sich seit dem Brexit einiges geändert: Die Brit:innen steigen aus der EU aus – und bekommen die volle Breitseite zu spüren. Schon jetzt sind einige Unternehmen von Standorten wie London weggezogen. Es gab bereits Lieferengpässe wegen der strengeren Einreiseregeln und erhöhte Preise aus Lebensmittel und Co. Und nun auch noch die Handygebühren.

Vodafone macht ab dem Jahr 2022 wirklich ernst. Eigentlich hatte der Provider versprochen, keine Roaming-Kosten für Brit:innen zu erheben, die ins Ausland reisen. Auch hatten sie versprochen, keine Gebühren zu erheben für diejenigen, die aus dem Ausland nach Großbritannien reisen. Doch ab Januar werden wohl oder übel bis zu zwei Pfund pro Tag anfallen, wenn man mit einem britischen Vertrag in der EU ins Internet gehen will.

Übrigens: 2 Pfund sind umgerechnet ungefähr 2,34 €. Wie viele Megabyte Brit:innen damit verbrauchen können, ist von Netzbetreiber zu Netzbetreiber unterschiedlich.

Die Brit:innen verzweifeln über Brexit & Corona

Dass die Brit:innen nun für das Roaming in Europa zahlen müssen, ist nur eine der „Begleiterscheinungen“ des Brexit, die keinem der Einheimischen schmecken wird. Die Bevölkerung leidet schon genug unter Corona und dem Ausstieg aus der EU.

Viele sprechen bereits von einem „perfect storm“, der schlimmstmöglichen Verkettung an Ereignissen unter unglücklichen Umständen. Da spielen auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie mit hinein. Eigentlich hätte die britische Wirtschaft nach dem Brexit florieren sollen, um die Verluste durch den Austritt Großbritanniens aus der EU zu verkraften. Da hat Corona den Brit:innen allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Der Rest Europas hat gut lachen

Die Netzbetreiber Vodafone, Telekom, O2 und 1&1 haben bereits angekündigt, dass sie keine Gebühren für die anderen EU-Länder erheben werden. Auch wenn wir in Großbritannien unterwegs sind, können wir auf das gesamte Internet zugreifen, ohne uns mit nervigen Gebühren beschäftigen zu müssen.

Allerdings solltest du dir über eine Sache im Klaren sein: Ob du mit Roaming-Gebühren rechnen musst, kommt immer darauf an, welchen Vertrag du geschlossen hast. Die meisten Angebote, die von Vodafone und Co. kommen, haben das Roaming innerhalb der EU inklusive. Wie gesagt: Die meisten. Gerade alte Verträge sind aber tricky und nicht immer darauf ausgelegt, auch im Ausland genutzt werden zu können. Hast du deinen Vertrag vor dem Jahr 2017 abgeschlossen? Dann informiere dich vor deinem Auslandsaufenthalt unbedingt darüber, was es dich kosten könnte.

In diesen Ländern sollte man Roaming ausstellen

In manchen Ländern vergessen wir leicht, dass wir nicht in der EU sind und stellen das Datenroaming nicht aus, wenn wir über die Grenze fahren. Das kann aber zum Problem werden, da es so teuer ist. In Großbritannien wird es wohl für die EU-Einwohner:innen weiterhin umsonst bleiben, doch in zwei anderen Ländern sollten wir aufpassen.

Die Schweiz: Wusstest du, dass es in der Schweiz bis heute ziemlich satte Roaming-Gebühren gibt? Während sich die meisten europäischen Länder auf einen EU-Tarif geeinigt haben, muss man in der Schweiz ordentlich blechen. Je nach Netzbetreiber kostet hier das Internet für Reisende gut fünf Euro pro 500 Megabyte.

Die Türkei: In dem beliebten Urlaubsland Türkei fallen ebenfalls heftige Roaming-Gebühren an. So kann eine Minute telefonieren, gut einen Euro kosten. Ins Netz zu gehen wird noch teurer. Nur wenige Megabyte können mehrere Euro wert sein. Das ist natürlich bei jedem Netzbetreiber ein wenig unterschiedlich.

Eine Übersicht über alle Länder, die in Europa mit oder ohne Roaming auskommen, findest du hier.

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