Was haben Kuba und Japan gemeinsam? Beide Staaten sind Inseln, das war es dann aber auch schon fast wieder mit den Gemeinsamkeiten. Sieht man sich jedoch die mittelfristige Prognose der Uno für die Bevölkerungsentwicklung bis 2050 an, so sind die beiden Staaten die einzigen unter den Top 20 mit schrumpfender Bevölkerung, die nicht aus dem Süden und Osten Europas stammen. Wie sieht es mit der Geburtenrate weltweit aus und warum wird das zum Problem?

Bevölkerungswachstum
Bevölkerungswachstum: So wird sich die Zahl der Menschen auf der Erde veränden Foto: Guitar photographer/ Shutterstock / Guitar photographer/ Shutterstock

Bevölkerungen können bald ohne Zuwanderung nicht mehr stabil bleiben

Ein Blick auf die Geburtenrate in allen Ländern der Welt beweist, dass in 90 von ungefähr 200 Ländern weltweit Frauen durchschnittlich nur noch 2,1 Kinder bekommen. Das stellt deswegen ein Problem dar, weil 2,1 Kindern pro Frau gleichzeitig die Grenze ist, bei der ohne Zuwanderung eine Bevölkerung stabil bleiben kann.

Dieser Tendenz unterliegen allerdings nicht nur europäische Staaten, die meist gut ausgebaute Sozialstaaten sind, in denen es Einwohner:innen eigentlich erleichtert wird, Familie und Beruf miteinander zu vereinen. In diesen Staaten ist es mittlerweile üblich, dass Paare nicht mehr als zwei Kinder bekommen.

Betrachtet man deshalb die Geburtenrate von allen entwickelten Staaten, beläuft sich die Geburtenrate auf 1,6 Kinder je Frau. Von dieser Entwicklung sind ebenfalls demografisch wichtige Nationen wie China, Japan oder Brasilien betroffen.

Kind, Malen
Jüngere Generationen entscheiden sich immer häufiger gegen Kinder und traditionelle Familienbilder. Foto: KayaMe/Shutterstock / KayaMe/Shutterstock

Warum bekommen Wohlhabende immer weniger Kinder?

Die Erklärung, die Ökonom:innen und Demograf:innen dafür geben, erschüttert die Vorstellung vom Kinderglück, von der Familiengründung als emotionaler Entscheidung. Ökonomisch betrachtet handelt es sich um eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung. Und die verschiebt sich mit steigendem Wohlstand zuungunsten des Nachwuchses.

Hinzu kommt, dass der materielle Nutzen von Kindern in wohlhabenderen Gesellschaften abnimmt. Sie werden nicht mehr als Arbeitskräfte auf dem Feld gebraucht und in aller Regel auch nicht mehr für die Altersvorsorge. Dafür steigen die direkten Kosten für den Nachwuchs, wenn die Eltern zum Beispiel Wert auf eine bessere Bildung legen.

Top-20-Staaten mit niedrigster Geburtenrate weltweit

In Südkorea hat sich die Geburtenrate weltweit im Jahr 2020 nochmals gegenüber dem Vorjahr verringert und beträgt nun rund 0,84 Kinder je Frau. Damit weist Südkorea weiterhin die niedrigste Fertilitätsrate weltweit auf. Die Auflistung zeigt die 20 Länder mit der niedrigsten Geburtenrate weltweit im Jahr 2020.

20. Polen: 1,38

19. Luxemburg: 1,37

18. Finnland: 1,37

17. Vereinigete Arabische Emirate: 1,37

16. Japan: 1,34

15. Griechenland: 1,34

14. Zypern: 1,31

13. Nordmazedonien: 1,3

12. Bermudas: 1,3

11. Moldawien: 1,28

10. Macau (SAR): 1,24

9. Bosnien und Herzegowina: 1,24

8. Italien: 1,24

7. Spanien: 1,23

6. Ukraine: 1,22

5. Malta: 1,13

4. Singapur: 1,1

3. Puerto Rico: 0,9

2. Hongkong (SAR): 0,87

  1. Südkorea: 0,84

Lässt sich der Trend wieder umdrehen?

Uneins sind sich die Demograf:innen, ob sich der Trend zur Kinderlosigkeit umkehren lässt, zum Beispiel durch eine Familienpolitik, die Eltern Beruf und Kinder besser vereinbaren lässt und damit die Opportunitätskosten senkt.

geburtenrate
Eine Großfamilie ist heutzutage eher ein seltenes Bild. Eine hohe Geburtenrate kommt oft mit einigen Problemen einher Foto: Getty Images Smith Collection/Gado / Kontributor

Wo ist die Geburtenrate weltweit am höchsten?

Besonders hoch sind die Geburtenraten in Ländern mit einem ungedeckten Bedarf an modernen Verhütungsmitteln und einer hohen Anzahl an Teenagerschwangerschaften, die junge Frauen schnell in die Armutsspirale bringt.

Zum Vergleich: die höchsten Geburtenraten im Zeitraum von 2015 bis 2020 finden sich in Ländern wie Niger (7 Geburten pro Frau), Somalia (6,1 Geburten pro Frau) und in der Demokratischen Republik Kongo (6 Geburten pro Frau).

Das bringt auch einige Probleme mit sich: Vor allem Hunger ist ein zentraler Konflikt. Eine wachsende Bevölkerung bringt auch einen wachsenden Bedarf an Nahrungsmitteln mit sich. Ärmere Länder können dies aus unterschiedlichen Gründen oft nicht erfüllen.

Frau die mit einem Kind spielt
Um den Trend der niedrigen Geburtenrate umdrehen zu können, braucht es mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Foto: imago images / Westend61 Ekaterina Yakunina,via www.imago-images.de /

Maßnahmen für höhere Geburtenraten weltweit

Eine Studie der Friedrich Ebert Stiftung zeigt, dass sich in Ländern mit einem sehr hohen Entwicklungsstand der Trend tatsächlich wieder umkehren lassen kann, unter anderem durch die bessere Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt.

Wenige Kinder und seit Jahrzehnten kaum Immigration ist eine Kombination, die Japans Gesellschaft seit Jahren dramatisch überaltern lässt. Den prozentual größten Verlust der Bevölkerung wird bis 2050 Bulgarien zu verzeichnen haben. Sofia versucht seit geraumer Zeit, die wirtschaftlichen Möglichkeiten sowie Anreize zur Ausbildung im Land zu verbessern, um jungen Menschen verbesserte Möglichkeiten im Land zu bieten – bisher mit wenig Erfolg. Österreichs Bevölkerung dürfte laut UN-Schätzungen bis 2050 übrigens um 100.000 Personen leicht ansteigen.