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Ist Plastik wirklich so schlimm & welche Verpackung ist dann wirklich nachhaltig? (Photo: istock/xmocb)

Glas vs. Pappe: Welche Verpackung ist wirklich am nachhaltigsten?

Nachhaltige Verpackungen? Das sind ganz klar Glas, Keramik oder Holz. Plastik auf jeden Fall nicht. Aber ist das wirklich so?

Wenn ich durch den Supermarkt spazieren, dann greife ich lieber zu Glas als zu Alu oder Papier, statt dünner Folie. Das beruhigt mein grünes Gewissen. Aber ist es wirklich besser? Ich weiß es nicht genau. Deshalb habe ich mich auf die Suche gemacht nach den wirklich nachhaltigsten Verpackungen. Und ich wurde überrascht!

Die große Suche nach nachhaltigen Verpackungen

Plastik ist ganz klar der Feind: Es ist schwer abbaubar, wird aus Erdöl hergestellt und gelangt ungehindert in Ozeane und Flüsse. Oft unterliegen wir dem Trugschluss, dass unser Plastik recycelbar ist und wir nicht zu dem Problem der vermüllten Meere beitragen.

In Deutschland wird Plastik nicht in wiederverwendbar und Einmalplastik getrennt. In die Gelbe Tonne kommt alles an Verpackungsmüll. Das Sortieren passiert erst auf den Müllhöfen. Sind Plastikteile verdreckt oder werden mehrere Arten zusammen genutzt, kann die Maschine diese oft nicht richtig identifizieren und die Teile werden nicht recycelt. Noch schlimmer ist Mikroplastik, denn es ist zu winzig zum Aufspühren und Recyceln.

Plastikverschmutzung an einem Strand
Plastik landet leider viel zu oft in der Natur und nicht im Recyclinghof.

Besonders Getränkekartons oder Zeitschriften mit Beschichtung lassen sich nicht trennen und sind damit quasi nicht wiederverwendbar, obwohl es die einzelnen Materialien es theoretisch wären. Wirf das nächste Mal einen Blick auf deine Plastikverpackung. Diese eingestanzten Symbole sagen dir, welche wirklich weiterverarbeitet werden:

Recycling
So sehen die Zeichen aus, die recyclebare Flaschen anzeigen.

Knapp 95 Prozent der wiederverwendbaren Plastik werden zu Granulat verarbeitet und weiter genutzt. Stehen nur Zahlen oder Buchstaben Kürzel auf der Verpackung, ist sie nicht recyclebar und schon gar nicht nachhaltig.

Obwohl es inzwischen viele Plastikkarten gibt, die wir wiederverwenden können, wird immer weiter Neues produziert. Das liegt auch daran, dass es in Deutschland verboten ist, recyceltes Plastikgranulat zur Herstellung von Verpackungen für Speisen und Getränke zu verwenden.

Wie du Plastikfallen beim Einkaufen vermeidest und auch bei Amazon Plastik vermeidest, erfährst du hier.

Bierflaschen, die angestoßen werden
Bierflaschen mit Pfand sind besonders nachhaltige Verpackungen.

Welche Verpackungen sind wirklich nachhaltig?

Ja, es kann recycelt werden, aber besser ist es, gleich ganz zu sparen. Genügend nachhaltige Verpackungsalternativen gibt es ja schließlich. Laut dem Recycling-Experten Philipp Sommer gibt es ein Ranking für deinen Umgang mit Verpackungen, wobei Platz 1 die beste und Platz 5 die schlechteste Umweltbilanz hat:

Verpackungspyramide
Nachhaltige Verpackungen nach Verpackungsexperten Philipp Sommer.

Wie du siehst, ranken Mehrwegverpackungen auf Platz eins der Verpackungen. Glasflaschen werden beispielsweise bis zu 50 Mal wiederbefüllt und sind damit extrem umweltfreundlich. Auch recycelbare Tupperdose aus Plastik sind dementsprechend in Ordnung.

Recyclebares und Einweg-Plastik schneiden besser ab als Einwegglas oder -aluminium. Das liegt daran, dass zur Herstellung von Glas und Aluminium viel CO2 verbraucht wird (bei Glas sogar noch etwas mehr). Das Institut für Umweltforschung gab dazu folgende Reihenfolge von empfohlenen nachhaltigen Verpackungen bekannt: 

Nachhaltige Verpackung nach CO2 Ausstoß
Verpackungen aus Karton haben den kleinsten CO2-Fußabdruck.

Das Ergebnis ist überraschend, denn betrachtet man die verursachten Emissionen, liegen Aluminium und Glas weit hinten. Dafür ist Aluminium doppelt so schnell abgebaut wie Plastik (knapp 200 Jahre sind es trotzdem noch). 

Bio-Plastik und wasserlösliches Plastik sehen Experten skeptisch, denn der Herstellungsaufwand ist enorm und im falschen Müllbehälter verrotten sie nicht schnell genug.

nachhaltige Verpackung aus Aluminium und Holz
Eine Mehrwegbox aus Alu und Besteck aus Holz ist nachhaltiger als Einmalplastik.

Welche nachhaltigen Verpackungen eignen sich für den Alltag?

In den meisten Studien sind viele neue Verpackungsmaterialien zu kurz gekommen, wie Naturstoffe aus Zellulose oder Kork, Bambusplastik oder Keramik. Trotzdem eignen sich diese als nachhaltige Verpackungen.

Nachhaltige Verpackungen in der Küche:

In der Küche ist es wichtig, dass die Verpackung dein Essen frisch hält und das möglichst keimfrei. Diese nachhaltigen Verpackungen eignen sich dafür:

  • Bee’s Wrap statt Frischhaltefolie (Tipp: DIY Bee’s Wrap Anleitung)
  • Wiederverwendbare Stretch-Überzieher aus Silikon
  • Einweggeschirr (wenn es überhaupt sein muss) aus Bambus oder Holz
  • Oft genutzte Lebensmittel in größeren Portionen (Wer braucht denn die winzigen Backpulver-Packungen?)
  • Wiederverwendbare Dosen für dein Lunch
  • Wiederverwendbare Flaschen, egal welcher Art
  • Backutensilien aus Naturstoffen oder lange haltbaren Metallen
  • Einmalplastik weiterverwenden, z.B. als Aufbewarungsbox

Nachhaltige Verpackungen für das Bad

Hier eignen sich keine Verpackungen, die schnell rosten. Dafür sind Naturstoffe wie Kork oder auch Holz, richtig lackiert, perfekt für das feuchte Klima:

  • Produkte ohne Umverpackung kaufen (= die zusätzliche Pappverpackung)
  • Pappverpackungen bei Pudern, Waschpulver etc. bevorzugen
  • Seifenschüsseln oder Schwämme aus Naturmaterial
  • Produkte ohne Mikroplastik kaufen
  • Tiegel und Töpfe weiter verwenden

Es gibt jetzt schon unzählige nachhaltige Alternativen zu Plastik.

 Fazit: Nachhaltige Verpackungen sind kompliziert

Leider ist unser Wertstoffsystem unheimlich kompliziert und nur wenige Studien beziehen alle Umweltaspekte mit ein. Wir haben vorrangig auf den Co2-Fußabdruck geschaut, weniger auf die Abbaubarkeit. 

Da wir das Plastikproblem besonders kritisch sehen, würden wir nachhaltige Verpackungen in dieser Reihenfolge auswählen: Keine Verpackung, Mehrwegbehälter (Glas, Aluminium, Plastik), dann Pappe, Papier und andere Naturverpackungen, beschichtete Kartons und Tetra-Pack, Recycelbares Plastik, Aluminium, Glas, Einmalplastik. Noch mehr Zero Waste Tipps für den Alltag haben wir hier für dich.

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