Eine Studie vom Beratungskonzern BCG fand heraus, das nur vier Prozent der Start-ups in Deutschland allein von Frauen gegründet werden. Weibliche Gründerinnen sind noch immer in der Unterzahl. Eine von ihnen ist Franziska Mesche, die mit ihrem Unternehmen nachhaltige Sportbekleidung auf den Markt brachte und das während der Corona-Pandemie. Schon allein für diesen Mut wollten wir mehr von Franziska erzählen und haben sie zu unserer weekly heroine gekürt!

Franziska Mesche – kurz & knapp 

Jede Woche stellen wir eine starke und inspirierende Frau vor, von der wir noch viel lernen können. Wie Franziska die Herausforderungen der Gründung angenommen und trotz verschiedener Hürden ihr Ziel nie aus den Augen gelassen hat, hat uns unfassbar begeistert. Im Interview geht sie näher auf ihre Gründungsgeschichte ein und erklärt, warum Nachhaltigkeit auch beim Sport so wichtig ist.

Du stehst auf nachhaltige Sportmode und hast noch nie was von Franziska Mesche gehört? Das muss sich schleunigst ändern! 

Franziska Mesche
Franziska Mesche hat bereits in mehreren Ländern gelebt. Credit: Privat/Franziska Mesche
  • Franziska Mesche ist 35 Jahre alt und ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Heute lebt sie mit ihrem Partner in Stockholm. 
  • Im Alter von 16 Jahren verbrachte die Berlinerin ein Schuljahr in den USA. Dieses Jahr beeinflusste ihre gesamte Laufbahn und Zukunft. 
  • Neue Menschen, Kulturen und Lebensweisen kennenzulernen macht Franziska viel Freude, was sich auch in ihrem Lebenslauf zeigt. So hat sie bereits ein Jahr an einer schwedischen Universität studiert und fünf Jahre in Dublin gelebt. 
  • Sie selbst ist vor Jahren auf vegetarische, teils vegane Ernährung umgestiegen und reduziert im Alltag ihren Plastikverbrauch. Das allein hat ihr jedoch nicht gereicht. Deshalb wollte Franziska ein Unternehmen gründen, das Nachhaltigkeit im Herzen trägt und die Welt besser macht. 

Franziska Mesche im Interview: „Ich wollte etwas tun, wofür ich wirklich brenne“

Nicht nur ihre Hobbys, auch ihr beruflicher Werdegang ist so beeindruckend, dass wir mehr von Franziska erfahren wollten. In einem Interview hat sie uns von ihrer Marke Tripulse erzählt und warum jede:r nachhaltige Sportbekleidung tragen sollte.

wmn: Was hast du vor deiner Selbstständigkeit beruflich gemacht? 

Franziska Mesche: Nach meinem Studium hatte ich meinen ersten „richtigen“ Job bei der IBM in Dublin als Vertriebsbeauftragte. Nach meiner IBM-Zeit habe ich dann eine Anstellung als Accountmanagerin bei einem IT-Security-Unternehmen angenommen, ebenfalls in Dublin für knapp drei Jahre. Als es meinen Freund und mich nach Schweden gezogen hat, habe ich vier Jahre lang als Unternehmensberaterin bei einer großen Firma gearbeitet und das auch am Wochenende.

Auch wenn diese Erfahrungen alle sehr wertvoll waren und ich viel über die Geschäftswelt gelernt habe, wurde mir klar, dass dies nicht meine Berufung ist. Ich wollte etwas tun, wofür ich wirklich brenne und was mir wirklich wichtig ist. Um aus dem Hamsterrad zu entkommen, flog ich knapp sechs Monate nach Asien und nahm mir eine berufliche Auszeit. 

Backpacker läuft durch See
Franziska Mesche flog für sechs Monate nach Asien, um sich eine berufliche Auszeit zu nehmen. Foto: istock.com/littlehenrabi / istock.com/littlehenrabi

Nachhaltige Sportbekleidung: „Der Gedanke schlummerte schon lange in mir“

wmn: Entstand in Asien die Idee ein Label für nachhaltige Sportbekleidung zu gründen? 

Franziska Mesche: Der Gedanke der Selbstständigkeit schlummerte schon lange in mir und hat sich dann durch meine Reflektionsarbeit in Asien herauskristallisiert. Lange habe ich über verschiedene Geschäftsideen nachgedacht und „Brainstorming“ gemacht. Nach langen und intensiven Nachdenken und „soul searching“ bin ich dann auf Tripulse gekommen.

“Denk groß und gib nicht gleich auf” 

wmn: Welche drei Dinge sind wichtig um eine erfolgreiche Gründerin zu werden? 
 
Franziska Mesche: Es gibt drei Dinge, die meiner Meinung nach extrem wichtig sind, um die Selbstständigkeit erfolgreich zu leben:

  1. Viel Leidenschaft und einen tiefen Sinn in seiner Arbeit sehen. Gerade in harten Zeiten ist es der Sinn, die Leidenschaft und die Vision, die es einem erlauben, dranzubleiben und weiterzumachen. 
  1. Eine hohe Arbeitsmoral und ein starkes Durchhaltevermögen. Dir fliegt nichts zu und du musst oft proaktiv handeln. Unternehmertum ist wie ein Ultra-Marathon. Schritt für Schritt ebnet man sich seinen Weg und man muss konstant und über einen langen Zeitraum hart arbeiten, um seiner Vision näher zu kommen und sein Ziel zu erreichen. 
  1. Eine ordentliche Dosis Hoffnung, Optimismus und „Träumen“ ist unbedingt notwendig, um seine Idee zu verfolgen. Denk groß und gib nicht gleich auf.

„Die Erfolgsaussichten waren alles andere als rosig”  

wmn: Wie war es dich als Frau selbstständig zu machen? Gab es Meilensteine die dir in Erinnerung geblieben sind? 

Franziska Mesche: Ein Unternehmen zu gründen hat definitiv seine Höhen und Tiefen. Tripulse wurde in Schweden gegründet, was viel leichter war, als ich vermutet hatte. Die Gründung war jedoch der leichteste Schritt. Die Herausforderung besteht darin, die Geschäftsidee ins Leben zu rufen und umzusetzen.

Die ersten Monate waren daher alles andere als leicht. Um die Produktion meiner ersten Sportbekleidungskollektion finanzieren zu können, habe ich im Juni 2020 eine Kickstarter-Crowdfundingkampagne gestartet. Ich musste also innerhalb eines kurzen Zeitfensters eine bestimmte Geldsumme durch Vorbestellungen zusammenbekommen – und sollte ich das Ziel nicht erreichen, bekomme ich keinen Cent. Und die Kampagne lief genau in der schlimmsten Phase der Corona-Pandemie, die Erfolgsaussichten waren also alles andere als rosig. 

Das Ziel habe ich dank wunderbarer Menschen und schweißtreibendem Arbeitseinsatz dann doch erreicht und konnte meine erste Produktion finanzieren. Das war ein extrem großer Meilenstein und hat mir gezeigt, dass mit großem Willen, Leidenschaft und harter Arbeit fast nichts unmöglich ist. 

Frauen noch immer in der Unterzahl: „Ich wünsche mir mehr Gründerinnen an meiner Seite“ 

wmn: Was waren deine Hürden bei der Unternehmensgründung? Dachtest du manchmal es wäre einfacher, wenn du ein Mann wärst? 

Franziska Mesche: Die größte Hürde für mich war Tripulse in der Pandemiezeit auf den Markt zu bringen. Auf einmal konnte ich nicht mehr an Veranstaltungen wie Networking für Gründer:innen, Textilmessen oder anderen Events teilnehmen. Meine Arbeit bestand nur noch aus Homeoffice. Dadurch hatte sich vieles verlangsamt und es wurden einige Dinge erschwert.

Ich fühle mich sehr privilegiert, dass ich als Frau eine Firma in Schweden so leicht gründen konnte. Ich weiß aber auch, dass dies nicht überall auf der Welt der Fall ist und schätze mich daher als sehr glücklich. Es ist normal in Schweden, dass Frauen viel Verantwortung übernehmen, und man wird als Frau auch entsprechend wertgeschätzt.  

Allerdings scheint es mir, dass auch hier Frauen im Bereich Unternehmensgründung noch massiv in der Unterzahl sind. In vielen „Unternehmer-Pitching-Wettbewerben“, an denen ich selbst teilgenommen habe, sind ca. 90 % der Teilnehmer Männer. Es gibt leider noch viel zu wenige Frauen, die Firmen gründen. Dies hat viele Gründe und es muss an ihnen gearbeitet werden. Für die Zukunft wünsche ich mir mehr Frauen „an meiner Seite“.

Motivation ist keine Arbeitseinstellung, sondern eine Lebenseinstellung. In dieser Folge klären die drei Frauen auf,was es für sie bedeutet, motiviert zu sein und zu bleiben.

Tripulse: Eine Marke für nachhaltige Sportbekleidung 

wmn: Kommen wir zu deiner Firma. Was ist Tripulse und was können wir uns unter nachhaltiger Sportbekleidung vorstellen?

Franziska Mesche: Tripulse ist ein neues nachhaltiges Sportbekleidungslabel mit der Mission, wirklich nachhaltige, gesundheitsfreundliche, ethisch einwandfreie und funktionelle Sportbekleidung ohne schädliches Plastik zu kreieren. Die Tripulse– Sportbekleidung wird außerdem in der EU unter ethischen Bedingungen hergestellt. 

Tripulse
Die Marke „Tripulse“ steht für Nachhaltigkeit und körperliche Fitness. Credit: Privat/ Franziska Mesche

Die meiste Sportbekleidung besteht aus Synthetik bzw. Plastik und das schadet nicht nur unserer Umwelt, sondern auch der Gesundheit. Wir von Tripulse haben es uns zur Aufgabe gemacht, dies zu ändern und Sportmode „ohne Kompromisse“ und ohne schädliches Mikroplastik herzustellen.

Unsere erste Kollektion besteht aus TENCEL, einer Holzfaser aus vorwiegend Eukalyptusbasis, die aus nachhaltig bewirtschafteten und zertifizierten Wäldern stammt und kompostierbar ist. Für die Bäume bedarf es kaum Wasser und es werden auch keine Pestizide eingesetzt. Das Besondere an dieser Faser ist vor allem auch ihr Herstellungsprozess. Der findet in einem geschlossenen Kreislaufsystem ohne Schadstoffe statt und die dabei eingesetzten Mittel werden zu fast 100 % wiederverwendet.

TENCEL ist nicht nur nachhaltig, sondern hat auch sehr gute funktionelle Eigenschaften. So hat der Stoff nicht nur eine hohe Atmungsaktivität, hohen Komfort und Hautfreundlichkeit, sondern hemmt auch auf natürliche Weise die Bakterien- und Geruchsentwicklung. Perfekt für Sport und Freizeit. 

„Mehr Plastik als Fische in unseren Gewässern“

wmn: Warum braucht der Markt nachhaltige Sportbekleidung? 

Franziska Mesche: Die Ellen MacArthur Foundation sagt, dass es im Jahr 2050 mehr Plastik als Fische in unseren Gewässern geben wird. Der Großteil an herkömmlicher Sportbekleidung heutzutage besteht aus Polyester, einer Art Plastik, das gewöhnlich aus Rohöl gewonnen wird. Dieses verschmutzt nicht nur die Umwelt, sondern hat auch schädliche Auswirkungen auf unseren Körper. Bei der Produktion werden zudem hohe CO2 Emissionen ausgestoßen. 

Die Forschung hat gezeigt, dass Kunststoffe wie Polyester häufig Chemikalien enthalten, die von unserer Haut aufgenommen werden und gesundheitliche Probleme wie Allergien, Hautreizungen und andere schwerwiegende Auswirkungen verursachen können.

Es freut mich zu sehen, dass immer mehr Sportmarken recycelte Versionen von Polyester in Sportbekleidung verwenden. Allerdings bestehen die eben genannten umwelt- und gesundheitsbezogenen Probleme auch damit weiterhin. Das ist der Grund, warum ich mit Tripulse, Sportbekleidung aus naturbasierten Materialien herstelle, die nachhaltig, gesundheitsfreundlich und gleichzeitig eine gute oder noch bessere Funktionalität als synthetik-basierte Stoffe haben. 

wmn: Wofür steht die Marke Tripulse

Franziska Mesche:  Der Name Tripulse steht für körperliche und mentale Fitness, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft. Diese drei Grundwerte stehen für unsere Marke. „Pulse“ steht für Lebensenergie, diese möchten wir durch die drei Grundwerte wecken.

Mady Morrison Yoga
„Be better“ ist das Mantra von Franziska Mesches Firma. Foto: /

Unser Mantra ist „BE BETTER“, was bedeutet, besser zu uns selbst unserer Umwelt und zueinander zu sein. Die Vision, die wir haben, ist Fitness zu einem Motor für positive Veränderungen für unseren Planeten und die Menschheit zu machen.

wmn: Welche Ziele hast du für Tripulse

Franziska Mesche: Ich habe drei große Ziele: 
 
1. Ich möchte Menschen in Sportkleidung sehen, die wirklich nachhaltig, gesundheitsfreundlich und ethisch produziert ist. Ich möchte Menschen in Sportkleidung sehen, die kein Plastik enthält und unsere Umwelt, Gewässer und Gesundheit schützt. 
 
2. Ich möchte, dass wir uns alle „bewusster“ kleiden und „fast Fashion“ der Vergangenheit angehört und Qualität wieder in den Vordergrund rückt. Um den Klimawandel wirklich stoppen zu können, müssen wir auch unser Konsumverhalten ändern und uns für weniger, aber dafür hochwertiger und langlebiger entscheiden als für billig und kurzlebig. Und dazu gehört auch Sportbekleidung, an der man lange Freude haben kann und die einen fairen Preis hat. 
 
3. Ich möchte die Menschen dazu inspirieren, Freude an Bewegung zu haben und sie zu einer aktiven und nachhaltigen Lebensweise zu motivieren. Wie viel besser würde es uns und unserem Planeten gehen, wenn wir dies in die Tat umsetzen würden? Durch Tripulse möchte ich eine Gemeinschaft schaffen, die diese Mission teilt und sie in der Welt verbreitet. 

Starke Vision für die Zukunft

Franziska hat eine starke Vision und erhofft sich, dass die ein oder andere sich von ihr inspirieren lässt und sie in Sachen nachhaltige Sportbekleidung ein paar hilfreiche Denkanstöße mitliefern konnte.

Wir bedanken uns bei Franziska für das schöne Interview und wünschen ihr, dass ihr Label bald in aller Munde sein wird.

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