Nach dem Riesen-Erfolg des ZDF-Klassikers „Wetten, dass…?“ am Samstagabend hat das ZDF reagiert – und denkt über eine Fortsetzung nach. Das wäre auch schön, wenn die Show nicht in dem alten Weltbild feststecken würde. Warum ich finde, dass das Aus der Show gut war, erfährst du hier.

Eklige Altherrenwitze und ständiges Anfassen der weiblichen Gäste: Das hat dem Fernsehen gerade noch gefehlt

Viele von uns haben dieselbe Kindheitserinnerung. Samstags länger aufbleiben, Süßes essen dürfen und mit den Eltern „Wetten dass…“ schauen. Abende wie diese bringen uns zusammen. Das dachte sich auch das ZDF, als es die Sendung wieder zum Leben erweckt hat.

Die Quoten bei den jüngeren Zuschauer:innen sehen schließlich sonst nicht gut aus. Anscheinend hat es auch funktioniert: 13,8 Millionen Menschen haben am Samstagabend eingeschaltet. Es wird sogar überlegt, ob man die Sendung wiederbeleben soll.

So sehr auch ich mich über die wiederkehrenden Kindheitserinnerungen gefreut habe, hat der erste Schwall an ekligen Altherrenwitzen mich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt.

Wie auch bei alten Serien schwelgt mit demselben Moderator der bittersüße Geschmack von Nostalgie und Unaufgeklärtheit mit. Das merkt man nicht nur an den schlechten Gender-Witzen, sondern auch an dem Umgang mit Co-Moderatorin Michelle Hunziker.

Mit einem „Du bist ja nicht so eine“ und unter ständigem Anfassen wird der Italienerin von dem alten weißen Mann begrüßt. Ist das wirklich die Zukunft des Fernsehens oder ein Bedienen des Narratives „Früher war alles besser“?

Helene Fischer Wetten Dass
Karriere und Schwangerschaft: Thomas Gottschalk ging nur auf ein Thema ein. Credit: Future Image / Imago

Dieses ganze Schema zieht sich durch die Sendung wie Kaugummi. Helene Fischer, eine von Deutschlands erfolgreichsten Sänger:innen, wird anstatt zur Karriere und der aktuellen Single über ihre Schwangerschaft ausgefragt. Wie sie gedenkt, ihren After-Baby-Body zu formen, wird hier als wichtiger angesehen. Erst als sie nach ihrer Wette die Tour anspricht, wird nachgefragt.

Als Moderator Klaas Heufer-Umlauf darauf angesprochen wird, dass man ja als Mann heutzutage aufpassen muss was man sagt, begegnet er ihn mit deutlichen Konter. Erst nachdenken, bevor man was sagt war hier die Botschaft. Das hätte Gottschalk sich vielleicht auch nach dem Rassismus-Skandal in der Sendung „Die letzte Instanz“ zu Herzen nehmen sollen.

Spätestens als die Schauspieler:innen Svenja Jung und Heino Ferch aus der kommenden ZDF-Serie „Der Palast“ auf der Bühne waren, wurde deutlich, wie überholt die Sendung doch ist. Er wurde ständig ausgefragt und den Namen der Schauspielerin Svenja Jung hat Gottschalk glatt vergessen. Ist ja auch „nur“ die weibliche Hauptrolle.

Quoten statt Verantwortung: Deswegen wäre ein Reboot ohne Änderungen gefährlich

Es ist kein Geheimnis, dass die jüngeren Zielgruppen nur ungern die öffentlich rechtlichen Sendungen schauen. Dafür wurden schließlich die Funk-Formate kreiert. Trotzdem scheint es so, als wollte das ZDF noch mehr. „Wetten, dass…?“ war früher ein absoluter Quotengarant. Der Plan ist nun aufgegangen, die Jungen Zuschauer:innen haben laut Twitter eingeschaltet und die Alten sowieso. Wo liegt also das Problem?

Wie in jeder anderen Sendung, die ein wenig älter ist, wurde sich nicht kritisch mit den Inhalten auseinandergesetzt. Niemand scheint rübergeschaut zu haben, ob die Altherrenwitze immer noch angebracht sind oder ob die Gesprächsthemen wirklich so passen.

Vor jedem alten Disney-Film findet man heutzutage auf der entsprechenden Streaming-Plattformen Warnhinweise und die rebooteten Serien wie Gossip Girl und Co. versuchen mit ihren Charakteren eine bessere Darstellung unser eins zu zeigen. Das ist wichtig für den Fortschritt in unserer Gesellschaft.

Kennst du schon den Wein & Weiber-Podcast vom wmn-Magazin? In dieser Folge sprechen Mona & Lisa über die Rollenklischees bei Disney.

Es gibt auch Hoffnung: So könnte das „Wetten dass…“ von heute aussehen

Wie schon Carolin Kebekus in ihrer NDR-Show erwähnt hat: Dem ZDF fehlt es an Moderatorinnen. Abends schalten wir zu Markus Lanz, Klaus Kleber, Horst Lichter und Co. ein, gelegentlich mal eine Maybrit Illner. Ein frisches Gesicht könnte dort nicht schaden.

Wer neue und jüngere Zuschauer:innen anlocken will, der braucht auch Moderator:innen, die nicht danach aussehen, als könnten sie deren Opa sein. Wie wäre es also mit einem Duo wie Palina Rojinski und Steven Gätjen, liebes ZDF? So bleibt der Nostalgie-Gedanke mit dem Format und ein neuer frischer Wind ist vorhanden.

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