Du hast zuhause richtig gut gefrühstückt, doch kaum bist du im Büro, verspürst du ein kleines Hüngerchen? Du hast zum Lunch ordentlich reingehauen, willst aber trotzdem nicht auf den Nachtisch verzichten? Dein Dinner war köstlich und doch willst du danach was snacken? Dann gehörst du zu den Menschen, die ständig Hunger haben. 

Wie kann es sein, dass manche immer auf der Essensuche sind? Das haben wir Ernährungsexpertin Maren Zimmermann* gefragt. Ihre Erklärung ließ uns erst einmal ratlos zurück. Denn die Ökotrophologin sagt: „Das ist gar kein Hunger!“ Aber was ist dann? Und wie hört es wieder auf?

Ständiger Hunger ist oft nur Appetit

„Ganz oft ist das einfach nur Gewöhnung“, klärt uns die Expertin auf. „Man ist es gewohnt, nach der Mahlzeit noch einmal etwas zu essen. Das ist so in uns drin, weil wir uns das selbst so antrainiert haben.“

Bei ständigem Hunger, sei es zuallererst wichtig, Hunger von Appetit unterscheiden zu können. „Das können ganz viele Leute nicht. Essen ist für uns ja immer verfügbar. Also müssen wir nie Hunger haben und deswegen fällt es vielen schwer, den Unterschied auszumachen.“ Wer Hunger hat, wird es dem Körper anmerken. Der Magen zieht sich zusammen und knurrt, andere fangen sogar wegen des sinkenden Blutzuckerspiegels an zu zittern. Als Faustregel gilt: “ Wenn man auf was ganz bestimmtes Lust hat, ist das fast immer Appetit und kein Hunger.“ 

Wer eine halbe Stunde nach dem Essen Bock auf Chips, Schoki oder auch Müsli hat, hat nur Appetit. „Bei wirklichem Hunger geht es darum, satt zu werden. Der Körper braucht Nährstoffe. Was es genau ist spielt keine Rolle. Hauptsache man bekommt etwas zu essen.“ 

Hinter dem Dauerhunger steckt immer ein Grund

Für viele ist besonders die Couch zum Feierabend ein echter Trigger, noch mal etwas essen zu wollen. „Da fällt die Anspannung des Tages von einem ab und belohnt sich vor dem Fernseher dann gerne mit Essen.“ Aber auch Verärgerung, Wut oder Stress wird oft mit Essen kompensiert. „Man will sich dann einfach was Gutes tun“, so die Expertin. 

Doch wie kommst du aus der Spirale, ständig etwas essen zu wollen, wieder raus? „Der erste Schritt zur Veränderung ist, zu erkennen, dass ich mit dem Essen etwas kompensieren will“, erklärt uns Maren Zimmermann. „Man sollte hinterfragen: ‚Warum will ich das jetzt?‘ Ich rate meinen Klienten, aufzuschreiben, was sie essen wollen und ihre Gefühle dazu zu hinterfragen. Will ich mich eigentlich nur entspannen oder Ärger ausgleichen?“

Frau Wein Buch
Statt immer etwas auf der Couch zu snacken, kannst du auch einfach mal dein Lieblingsbuch rausholen.(Photo: istock.com/monkeybusinessimages)

Alternativen für ständige Snacks suchen

Wenn du die Gründe für deinen ständigen Hunger kennst, ist es leichter, nach einer Alternative zu suchen. „Es ist wichtig, neue Rituale zu entwickeln, die nichts mit Essen zu tun haben. Statt die Schokolade auf der Couch zu naschen, kann man zum Beispiel eine kurze Yoga-Einheit einlegen, eine Runde Fahrrad fahren, das Lieblingsbuch rausholen, um den Block gehen oder einfach eine Tasse Tee trinken.“ 

Außerdem ist Durchhaltevermögen gefragt. „Sowas braucht Zeit. Man muss etwas mindestens 3 Wochen machen, damit es zur Gewohnheit wird und der Körper es anerkennt.“ Wenn du jeden Abend eine Chipstüte auf der Couch gefuttert hast, wird es mindestens 21 Tage dauern, bis diese Gewohnheit durch das neue Ritual ersetzt wird. „Da darf man nicht frustriert sein und zu schnell aufgeben.“ 

Fazit: Ständigen Hunger kannst du loswerden

Wir wissen nun also: Ständiger Hunger ist also gar keiner, sondern eigentlich nur Appetit. Und den hast du deswegen, weil du etwas kompensieren möchtest. Um diesem Teufelskreis zu entkommen, hilft nur Willenskraft und Durchhaltevermögen. Wichtig sei es, dass dir das neue Ritual guttut, sonst wird der Erfolg nicht eintreten. Also suche dir etwas, dass dir Spaß bereitet!

Du willst mehr zum Thema Essen erfahren?

Erfahre hier, was Heißhunger ist und wie du ihn bändigen kannst! Oder lerne natürliche Appetitzügler kennen, die gleichzeitig supergesund sind. Außerdem: Diese gesunden Süßigkeiten eignen sich für die heißen Sommertage.

*Maren Zimmermann arbeitet als Ernährungsberaterin & Food-Journalistin. Hier gibt’s mehr Informationen: maren-zimmermann.com