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Tradwives: Darum wollen Frauen wieder kochen und putzen

Hast du schon mal von dem Begriff „Tradwive“ gehört? Sicher nach dem letzten AfD-Fauxpas schon. Wir haben uns das mal genauer angeschaut.

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"Tradwives" wollen sich zu Hause um den Haushalt kümmern. Foto: Westend61 via Getty

Hast du schon mal von dem Begriff „Tradwive“ gehört? Darunter kann man sich eine Frau vorstellen, die es vorzieht, eine traditionelle Rolle in der Ehe einzunehmen. In den sozialen Medien ist der Trend seit neustem wieder in aller Munde, und das nicht nur wegen des Bildes, was die AfD Sachsen vor kurzem gepostet hat, sondern weil es zu einer Anti-feministischen Bewegung geworden ist.

Was ist eine Tradwive?

Der Begriff baut sich aus den zwei englischen Wörtern „Traditional“ und „Wive“ zusammen. Man versteht darunter eine Subkultur die überzeugt ist, dass eine Frau nichts verliert, wenn sie sich dafür entscheidet, zu Hause zu bleiben. Auf diese Weise kann sie die Bedürfnisse ihrer Familie besser erfüllen. Menschen, vor allem Frauen, die sich als Tradwives sehen, sind oft negativ gegenüber dem Feminismus eingestellt.

Die Subkultur der „traditionellen“ Ehefrau besteht meistens aus heterosexuellen Frauen aus der ganzen Welt. Diese vertreten die traditionellen Werte der Vergangenheit. Sie schätzen es, Hausfrauen zu sein, während ihre Ehemänner arbeiten. Im Allgemeinen ist an dieser Einstellung nichts auszusetzen, solange die Frau diese Entscheidung selber getroffen hat und damit zufrieden ist. Für viele Frauen hat auch das Aussteigen aus dem Berufsleben, Ehefrau und Mutter zu werden, nichts mit politischen Agenden zu tun. Es geht für viele um persönliche Vorlieben und ein ausreichendes Maß an finanziellen Privilegien.

Dennoch wurde das Phänomen Tradwive unter anderem von dem politisch rechten Spektrum und der Alt-Right übernommen.

Was ist die Alt-Right?
Die Alt-Right ist eine aus den USA rechtsgerichtete ideologische Bewegung. Sie zeigt sich durch die Ablehnung der Mainstream-Politik und die Nutzung von Online-Medien zur Verbreitung provokativer Inhalte aus. Diese richten sich häufig gegen die Gleichberechtigung der Ethnien, Religionen oder Geschlechter.

Tradwives und der Extremismus

Auf den Sozialen Netzwerken tummeln sich junge Mädchen herum, die verkünden, dass Frauen nicht arbeiten müssen. Stattdessen sollten sie Tage damit verbringen, auf der Wiese zu liegen, Bücher zu lesen und Obst zu essen, während die Männer harte Arbeit verrichten. Laut dieser Frauen hat der Feminismus die „natürliche Ordnung“ der Dinge ruiniert. Die gute Zeit war diese, als Männer noch Männer und Frauen noch Frauen waren. Zu dieser Zeit hatten auch nur weiße, heterosexuelle Männer Rechte.

Neben dem Träumen von einem Leben ohne Arbeit ist in die Tradwive Bewegung in den USA auch eine Gruppe weißer nationalistischer Frauen. Diese propagieren die „Tugenden des Zuhause seins, der Unterordnung unter die männliche Führung und des Gebärens vieler Kinder“.

Laut Frontiersin behaupten diese Alt-Right-Frauen, der Feminismus habe weiße Frauen im Stich gelassen und der Möglichkeit beraubt, einen männlichen Versorger, eine glückliche Familie und ein schönes Zuhause zu haben. „Diesem Narrativ zufolge bestätigt die #MeToo-Bewegung nur die gefährliche Welt, die der Feminismus für Frauen geschaffen hat. Eine Welt, in der Männer uns nicht mehr für unsere Weiblichkeit und Fruchtbarkeit respektieren“, schreibt Laura Smith in The Cut.

Der AfD-Post der „modernen ‚befreiten‘ Feministin“ und der traditionellen Frau

Sicher kannst du dich an das bereits gelöscht Post der AfD erinnern? Diese wollten genau diese Unterschiede zwischen dem Feindbild, der Feministin, und der Tradwive verdeutlicht. Das Bild hat sich die Partei bei der Gruppe konservativer Frauen namens – wer hätte es gedacht – Tradwives, geklaut.

Auf dem originalen Bild ist die blauäugige, blondhaarige Frau, die traditionelle Ehefrau. Auf der anderen Seite wird eine Karikatur einer „befreiten Feministin“ dargestellt. Die Feministin wird verspottet, die Tradwife gefeiert. Der Tradwife werden Eigenschaften zugeschrieben, die in dieser Szene als besser angesehen sind als die der feministischen Karikatur. Darunter fällt, dass sie über ihre europäischen Wurzeln Bescheid weiß und ihre Familie, ihre Ethnie und ihr Land liebt.

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Nicht jede Tradwive ist politisch

Wie oben schon erwähnt, ist nicht jede Frau, die ein traditionelles Leben lebt, rechts. Auch hier ist die radikale Gruppe eine kleine Minderheit, die besonders laut ist. Der Sinn des Feminismus und der Gleichberechtigung ist ja schließlich, dass Frauen sich selber entscheiden können, ob sie ein traditionelles Leben Zuhause leben möchten, oder lieber Arbeiten gehen wollen.

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