Veröffentlicht inPsychologie

Versteckter Narzissmus: Narzissten lieben Hunde mehr als ihre Familie

Der Hund ist der beste Freund des Menschen, aber sollte das wirklich so sein? Erfahre hier, warum Narzissten ihre Hunde oft mehr lieben, als ihre Familie.

Hund Narzissmus
Lieben wir das Tier, oder lieben wir das menschliche in unseren Hunden? Foto: Getty Images Gandee Vasan

In den deutschen Haushalten lebten im Jahr 2021 rund 34,7 Millionen Haustiere unterschiedlichster Arten, 5 Millionen davon sind Hunde. Doch warum entscheiden sich so viele Menschen für einen tierischen Wegbegleiter und hat das eventuell etwas mit Narzissmus zu tun?

Corona-Katze, Goldfisch
Mit welcher Intention legen wir uns Haustiere zu? Foto: ahmed-hasan /

Warum haben wir Haustiere?

Obwohl diese Lebewesen Fell, Federn, Flossen oder Schuppen haben, sehen die meisten Menschen sie als Familienmitglieder an und bringen enorm viel Zeit und Geld für sie auf. 2015 setzte der deutsche Handel mit Heimtierbedarf 4,5 Milliarden Euro um.

Wenn wir Hundebesitzer:innen fragen, warum sie Hunde halten, kommen größtenteils ähnliche Antworten. Man ist nicht so allein, hat immer jemanden zu Hause, mit dem man reden und sich beschäftigen kann. Welche tieferen Gründe stecken dahinter?

Hund hasst dich
Narzisstische Hunde für narzisstische Menschen? Foto: Getty Images [M]

Welche Tiere lieben Narzissten?

Das „Säugetier Mensch“ liebt das, was ihm ähnlich ist. Die Anthrozoologie untersucht die Wechselwirkung zwischen Mensch und Tier, um so das menschliche Sozialverhalten zu ergründen und stellt fest, dass 95 % der Tierarten als Objekte der Tierliebe erst gar nicht infrage kommen, da sie kleiner als ein Hühnerei sind und damit zu weit vom Menschlichen entfernt sind.

Am liebsten haben wir es, wenn Tiere Attribute der Liebenswürdigkeit auf sich vereinen, also harmlos, niedlich und anhänglich sind und wir diese Eigenschaften durch die Vermenschlichung der Hunde auch noch verstärken können. Liebt der Mensch also wirklich das Tier, oder liebt der Mensch das Menschliche in den Tieren?

Warum lieben Narzissten ihre Hunde oft mehr als alles andere?

Die Tiere dienen uns als narzisstischer Spiegel. Und zum Narzissmus tritt klammheimlich der Egoismus hinzu: Man schafft sich ein Tier an, um es den eigenen, meist seelischen Bedürfnissen nutzbar zu machen. Mit einem Tier an der Seite geht es uns besser.

Narzisst:innen neigen dazu, Hunde einfühlsamer und aufmerksamer entgegenzutreten, als dem eigenen Partner. Doch auch wenn der Schein manchmal trügt, sind Narzisst:innen auch dem Hund gegenüber manipulativ.

Narzisst:innen fällt es leichter, liebevoll mit einem Haustier umzugehen als mit seinem Partner oder seinen Kindern. Einem Hund können gewünschte Verhaltensweisen antrainiert werden und bedingungslos angehimmelt und geliebt werden. Da das Tier von der Versorgung des Menschen abhängig ist, wird es zum Untertan des Narzissten gemacht, der jederzeit über den Gehorsam und die Anhänglichkeit des Tieres seine Macht gespiegelt bekommt.

gestresster Hund
Viel Liebe kann zwar niemanden schaden, aber gefährlich wird es, wenn es in das Gegenteil umschwenkt. Foto: Oleksii Boiko via canva

Wann wird es gefährlich?

Eine Narzisst:in sieht in einem Hund ein privates Spielzeug, mit dem man tun und lassen kann, was man will. Auf der einen Seite wird das Tier verwöhnt und verhätschelt, wie Narzist:innen es für keinen Menschen tun würden, auf der anderen Seite verhalten sie sich hochgradig verantwortungslos, indem er zuweilen seiner Aufsichtspflicht nicht nachkommt, die Pflege des Tieres vernachlässigt oder das Tier mit körperlicher Gewalt züchtigt oder bestraft.

Im Gegensatz zu eine:r Partner:in oder anderen Familienmitgliedern jammert ein Hund nicht, er beklagt sich nicht und stellt auch keine Forderungen. Er ist leicht zu händeln und kann wie ein Gebrauchsgegenstand benutzt werden. Da ein Narzisst zudem ein Problem mit Nähe hat, kann er sein Haustier zu sich zitieren, wenn er gerade etwas Zuneigung benötigt, und es sofort wieder wegjagen, wenn er sich anderen Interessen widmen will. Diese unkomplizierte Verfügbarkeit ist für ihn ein unschätzbarer Vorteil, mit dem sein Partner oder seine Kinder nicht aufwarten können und die von ihm daher weniger geschätzt werden.

Narzissmus und Partnerschaft, Frau, Fenster
Nicht jede:r Hundefreund:in ist narzisstisch veranlagt. Gefährlich kann es aber werden, wenn es so ist. Foto: Getty Images/ Westend61 /

Hunde und Narzissmus: eine Wechselwirkung?

Das bedeutet nicht, dass jede Person, die einen Hund hat und liebt ein:e Narzisst:in ist. Mary Oliver hat es gut auf den Punkt gebracht:  „Die überschwängliche Freude, die Hunde verbreiten, färbt direkt auf uns ab. Das ist kein kleines Geschenk.“ Ein Geschenk, welches uns helfen kann, mit Einsamkeit und Depressionen umzugehen. Ein Geschenk, welches uns zu mehr Bewegung und Sport bringt und im besten Falle unser Verantwortungsgefühl trainiert.