Habe ich das Licht in der Küche ausgemacht? Was, wenn ich kurz vor dem Urlaub krank werde? Erfülle ich auf der Arbeit die Erwartungen meiner Chefs? All diese Fragen und Sorgen wabern ständig in meinem Kopf. Manche von ihnen lassen mich nachts sogar wachliegen – und ich denke, nein, ich weiß sogar, dass ich damit nicht allein bin. Aus diesem Grund erkläre ich dir in diesem Artikel, warum wir uns ständig Sorgen machen, weshalb wir das abstellen sollten und wie das gelingen kann.

Ängste und Sorgen sind keine Seltenheit

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass wir am Tag bis zu 60.000 Gedanken haben. Davon sind allerdings nur drei Prozent positiv! Das geht schon damit los, wenn wir auf die Frage: „Hat es geschmeckt?“ nicht mit einem „Ja, gut“, sondern einem „Es war nicht schlecht“ reagieren. Unter den zahlreichen negativen Gedanken, die wir am Tag haben, befinden sich aber auch Sorgen und Ängste.

Besonders beliebt beim ständigen sich Sorgen sind die „Was-wäre-wenn“-Szenarien. Was wäre, wenn ich morgen meinen Job verliere? Was wäre, wenn mein Partner mich verlässt? Oder was wäre, wenn ich plötzlich aufgrund eines Wasserschadens umziehen müsste? Problematisch werden solche Sorgen, wenn aus ihnen waschechte Ängste erwachsen.

Expert:innen gehen davon aus, dass etwa zehn bis 14 Prozent der Menschen an einer Angststörung leiden, welche einer Therapie bedarf. Jede:r vierte wird in seinem Leben einmal an einer solchen Angststörung erkranken. Angststörung ist dabei der Oberbegriff für psychische Erkrankungen wie (spezifische) Phobien, soziale Phobie, Agoraphobie, Panikstörungen und der generalisierten Angststörung. Vor allem Letztere zeichnet sich dadurch aus, dass sich Betroffene in ständiger Sorge befinden und aus dem Grübeln nicht mehr herauskommen.

Sorgen sind eine Art Vorstufe zur Angst

Während Ängste oftmals sehr konkret sind und sich auf Situationen beziehen, sind Sorgen viel diffuser. Laut dem Psychologen Leon Windscheid können Sorgen als Art Vorstufe zur Angst verstanden werden. Sie schwirren uns ständig im Kopf umher und sind schwer zu fassen. Dabei sind sie laut dem Experten allerdings nicht nur nervig, sondern auch sinnvoll!

Windscheid schreibt in seinem Buch „Besser Fühlen – Eine Reise zur Gelassenheit“: „Menschen machen sich Sorgen, um sich vor größerer Angst zu ‚schützen‘. Wenn wir uns sorgen, reisen wir gedanklich in die Zukunft. Was könnte alles schiefgehen? Indem wir uns damit beschäftigen, geben wir uns selbst das Gefühl, etwas zu tun.“

Sich Sorgen zu machen, gibt uns also das Gefühl von Kontrolle und beruhigt uns. Wir denken auf die Art, wir wären auf das Schlimmste vorbereitet. So praktisch Sorgen auch sind, so können sie dennoch zum Problem werden – und zwar, wenn daraus eine Grundhaltung erwächst.

Frau Angst
Sich ständig zu sorgen, ist nervig, aber nachvollziehbar. Denn Sorgen geben uns ein Gefühl von Kontrolle. Foto: Екатерина Мясоед(wird in einer neuen Registerkarte oder einem neuen Fenster geöffnet) von Pexels

Warum wir Ängste und Sorgen abstellen sollten

Fakt ist, dass positives Denken wichtig für unsere mentale Gesundheit und Stabilität ist. Denn aus unseren Gedanken erwachsen Handlungen, Handlungen steuern unser Verhalten und dieses bestimmt zuletzt unsere Realität. Gedanken sind ein machtvolles Instrument, zum Glück aber auch eines, welches wir selbst steuern können.

Es ist an uns, Negatives und ständige Sorgen auszusperren. Wer sich immerzu sorgt, steht sich nämlich nur selbst im Weg. Sorgen hemmen und blockieren uns. Und sie machen uns unglücklich und verhindern, dass wir unsere volle Leistung abliefern. Das konnte sogar eine Studie beweisen. Dr. Leon Windscheid führt diese Studie in seinem Buch an und zeigt damit auf, wie wichtig die eigene Einstellung für den persönlichen Erfolg ist.

Durchgeführt wurde die Studie durch die Harvard Business School-Professorin Alison Brooks. Sie ließ ihre Proband:innen in einem Versuch das Lied „Don’t Stop Believin“ singen. Während sie der einen Gruppe auftrug, vor dem Singen zu sagen: „Ich bin ängstlich“, sollte die andere Gruppe behaupten: „Ich bin angeregt“.

Tatsächlich zeigte sich in der Computerauswertung, dass die angeregte Gruppe danach deutlich mehr Töne traf als die ängstliche Gruppe. Dass eine positive Affirmation Einfluss auf die Leistung hat, konnte die Wissenschaftlerin danach auch in Sprach- und Mathetests beweisen. Besonders interessant dabei ist, dass sich die Menschen, die sich als angeregt betiteln sollten, eigentlich genauso unsicher gefühlt haben, wie die „ängstliche“ Gruppe.

3 Tipps, um dir nicht ständig Sorgen zu machen

Eine positive Einstellung sowie die Wahl positiver Wörter sind demnach der Heilige Gral, um Ängste und Sorgen hinter sich zu lassen. Allerdings gibt es auch andere Möglichkeiten, um das Sorgenkarussell abzustellen. Drei davon stelle ich dir jetzt vor:

1. Stelle dich deinen Sorgen und Ängsten

Die beste Art, Sorgen und Ängste hinter sich zu lassen, ist, sich ihnen zu stellen. Mit diesem Ansatz wird auch in der Angsttherapie gearbeitet, etwa wenn Menschen, die von Höhenangst betroffen sind, sich großer Höhe aussetzen sollen.

Bezogen auf die eigenen Sorgen bedeutet das nach Windscheid, dass man sie zu konkreten Ängsten machen muss. Nur so kann man sich von ihnen befreien. Ein Beispiel: Du sorgst dich ständig, dass du gekündigt werden könntest? Treibe dieses Gedankenspiel weiter. Mache aus der diffusen Sorge eine konkrete Angst darum, dass du Arbeitslosengeld beantragen, deinen Lebensstil gravierend ändern und dich auf dem Jobmarkt umsehen müsstest. Je bildlicher man seine Sorge zur Angst erwachsen lässt, desto besser.

Einmal in dieser Angst angekommen, gilt es, sie zu durchleben. Brich diese Gedanken also nicht ab, sondern stelle dich ihnen und erfahre dadurch Selbstwirksamkeit. Dein Gehirn kann laut Windscheid gar nicht anders, als diese Sorge damit als abgehakt zu betrachten.

Frau Sorgen
Wer Sorgen abstellen möchte, sollte sie zu Ängsten erwachsen lassen und diese durchstehen. Foto: Imago Images/ Westend61

2. Finde nicht den Fehler, sondern den Erfolg

Wir tendieren dazu, ständig die Fehler bei anderen, vor allem aber bei uns selbst zu sehen. Das verwundert nicht, wenn man sich allein die Fehlerkultur ansieht, mit der wir in der Schule konfrontiert werden. Mit einem fetten Rotstift werden unsere Fehler angestrichen. All die Dinge, die wir richtig gerechnet oder geschrieben haben, werden dagegen höchstens mit einem „Prima!“ am Ende der Benotung ausgezeichnet.

Wer sich nicht länger Sorgen machen möchte, muss jedoch umdenken. Ständig mit dem Rotstift durchs Leben zu laufen, macht auf Dauer unglücklich und mitunter sogar krank. Konzentriere dich also häufiger mal auf alles Positive, was dir so passiert.

Statt dich zu sorgen, dass du gekündigt oder verlassen werden könntest, schaue also auf das letzte Projekt, welches auf der Arbeit super lief oder auf den letzten gemeinsamen Urlaub, in dem du verliebt mit deinem Partner in die Kamera strahlst. Am besten lässt sich Positives übrigens fokussieren und manifestieren, wenn du es in einem Dankbarkeitstagebuch aufschreibst.

3. Lenke dich ab

Du bist akut in einem Sorgenkarussell gefangen und weißt nicht, wie du da rauskommst? Neben der Konfrontation mit deinen Sorgen kann es manchmal auch das Beste sein, sich abzulenken und Sorgen einfach mal Sorgen sein zu lassen. Das kann gelingen, indem du eine Aufgabe in Angriff nimmst, die schon viel zu lange liegen geblieben ist. Die Bepflanzung des Balkons oder das Ausmisten des Kleiderschranks beispielsweise.

Aber auch Achtsamkeitsübungen sind ideal, um Sorgen loszulassen. Setze auf verschiedene Atemtechniken, mache Yoga, meditiere oder male Mandalas aus. Kommen Sorgen, lasse sie vorbeiziehen und denke immer daran, nicht so streng mit dir zu sein. Alles ist gut. Alles wird gut.

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