Gerade seit der Pandemie sind die Tendenzen von Angststörungen laut Expert:innen gestiegen. Allerdings sind Angststörungen in der Regel nicht sofort für jeden erkennbar. Es gibt viele versteckte Anzeichen einer Angststörung, die im Alltag auftreten können. Welche das sind, erfährst du hier. 

Anzeichen einer Angststörung 

Laut Dr. Alice Boyes auf Psychology Today gibt es fünf übergeordnete Kategorien, in denen sich Anzeichen einer Angststörung einordnen lassen. So gibt es körperliche Angstgefühle, dazu zählen beispielsweise Herzrasen oder Schwitzen. Die zweite Kategorie sind die kognitiven Symptome, also alles, was sich gedanklich abspielt. In der dritten Kategorie dreht sich alles um das Verhalten, vielleicht sagst du eine Party aus Angst ab.

Die vierte Kategorie bezieht sich auf die starken Emotionen, die Angst hervorrufen kann. Zuletzt gibt es die interpersonalen Symptome. Hierbei handelt es sich um ganz spezifische und individuelle Symptome, die sich bei jedem unterschiedlich äußern können, je nachdem wovor die Person am meisten Angst verspürt. 

Frau im Pulli
Angst äußert sich bei jedem anders. Foto: Pexels / Jefferson Palomique

Auf diese 5 Anzeichen, solltest du achten 

Die oben genannten Kategorien kannst du größtenteils gerade bei dir selbst gut erkennen. Aber wie sieht es bei versteckten Symptomen aus, die gerade in die dritte Kategorie des Verhaltens fallen? Die Psychologin Sophie Lauenroth gibt auf TikTok einige Impulse dazu. 

1. Anzeichen einer Angststörung: Extreme Angst, Dinge anzusprechen 

Zunächst sagt Lauenroth, haben Menschen mit einer Angststörung extreme Sorge davor, ein Problem anzusprechen. Sie können die Reaktion der anderen nicht voraussehen und wollen niemanden verletzen. 

2. Alles erklären, aus Angst, nicht verstanden zu werden 

Auch ein Übermaß an Erklärungen kann auf eine Angststörung hindeuten, denn die Menschen haben große Angst davor, entweder gar nicht oder missverstanden zu werden. 

3. Oversharing: Mit Fremden private Details teilen 

Gerade wenn du dich sehr stark erklärst, kann es dazu kommen, dass du zu viele private Details erklärst. In manchen Kontexten kann das für Überraschungen sorgen, da die anderen nicht damit gerechnet haben. 

4. Entschuldigen, obwohl du nichts falsch gemacht hast  

Sich übermäßig für etwas zu entschuldigen, was nicht der eigene Fehler war, ist ebenfalls ein Symptom. Betroffene nehmen lieber die Schuld auf sich, um andere zu entlasten. 

5. Jede Interaktion mehrmals durchdenken 

Erinnerst du dich noch an diese eine peinliche Sache, die du vor drei Jahren gesagt hast? Für Menschen mit einer Angststörung ist das Überdenken im Nachhinein meist Alltag. So wird jede Kleinigkeit mehrmals durchdacht. 

Frau hält Blume in der Hand
Immer einen Gegenstand in der Hand haben zu müssen ist ein Zeichen von Nervosität. Foto: Pexels / cottonbro

Laut Studie: Diese Faktoren beeinflussen Anzeichen von Angststörungen 

Aber wie kommt es überhaupt zu diesen Symptomen? Dafür gibt es viele individuelle Erklärungen. Eine Studie von Trusted Source aus dem Jahr 2015 ergab, dass Angststörungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in den Vereinigten Staaten und Europa gehören. Nach den jüngsten Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2015 leiden weltweit 3,6 % der Gesamtbevölkerung an einer Angststörung. Forschende evaluieren ständig die Faktoren, die zum Risiko einer Person, eine Angststörung zu entwickeln, beitragen könnten, und versuchen, Präventionsstrategien zu entwickeln. 

Dabei fanden die Forschenden interessante Faktoren heraus, die zu einer Angststörung beitragen können. „Bei denjenigen, die weniger als drei Obst- und Gemüsesorten pro Tag zu sich nahmen, war die Wahrscheinlichkeit, dass eine Angststörung diagnostiziert wurde, um mindestens 24 % höher“, so der Hauptautor. Außerdem sollen Frauen häufiger von Angststörungen betroffen sein als Männer. 

Nach den Erhebungen, die das Team analysierte, wiesen Personen, die nicht in Kanada geboren wurden, sondern dorthin eingewandert waren, eine geringere Prävalenz von Angstzuständen auf. Die Ergebnisse zeigten, dass 6,4 % der Eingewanderten an einer Angststörung litten, verglichen mit 9,3 % der in Kanada geborenen Befragten. 

„Einwanderer sehen sich mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert, die mit der Neuansiedlung in einem neuen Land verbunden sind, darunter Sprachbarrieren, Armut, Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Qualifikationen und begrenzte soziale Unterstützung, sodass sie eine geringere Wahrscheinlichkeit von Angststörungen haben sollten als in Kanada geborene Personen“, sagt die Hauptautorin der Studie, Prof. Esme Fuller-Thomson. So gibt es unterschiedliche äußere Faktoren, die Angststörungen begünstigen können. 

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