„Ich traue mich nicht.“ Denkst du dir das oft? Wir alle haben ab und zu vor etwas Angst und das ist völlig normal. Doch manchmal haben wir vor gewissen Situationen immer wieder vermehrt Angst. Die Techniker Krankenkasse berichtet beispielsweise von einer vermehrten Klimaangst bei jungen Menschen. Wie du Ängste am besten überwinden kannst, erfährst du hier. 

Ich traue mich nicht: Warum haben wir Angst?  

Angst ist laut Definition eine emotionale Reaktion auf eine bevorstehende Bedrohung. Indem sie uns bei Gefahr alarmiert und mobilisiert, erfüllt Angst eine wichtige Schutzfunktion. So überlebten von unseren Vorfahren jene am längsten, die eine brenzlige Situation (z. B. die Begegnung mit einem wilden Raubtier) frühzeitig erkennen und dadurch angemessen reagieren konnten. Der moderne Mensch lebt dagegen vergleichsweise sicher.

Aber auch in der heutigen Zeit sehen wir uns mit Situationen konfrontiert, die uns Angst machen können. Dazu gehört der Besuch beim Zahnarzt oder das Reden vor großen Menschenmengen. Finanzielle Sorgen und Zukunftsängste spielen ebenfalls eine große Rolle. 

Wie sieht Angst aus? 

Was als Bedrohung wahrgenommen wird oder nicht, entscheidet unser Unterbewusstsein in Sekundenschnelle. Im Falle einer Angstreaktion werden sofort verschiedene automatische Prozesse in Gang gesetzt. Der Körper schüttet Adrenalin aus, das Herz schlägt schneller, unsere Muskeln spannen sich an. 

Typische Symptome einer Angstreaktion sind: 

  • Schwitzen 
  • Zittern 
  • erhöhter Blutdruck 
  • weiche Knie 

Erst in einem zweiten Schritt kommt der bewusste (bewertende) Teil unseres Gehirns ins Spiel. Wir können überlegen, ob es sich um einen Fehlalarm handelt. Wenn ja, entspannt sich unser Körper wieder. Bei krankhafter Angst ist dieser Mechanismus jedoch gestört. Betroffene erleben oft regelrechte Angstanfälle, verbunden mit Erstickungsgefühlen, Herzrasen und intensiver Anspannung. Das Gefühl, die Angst überwinden zu können,rückt in weite Ferne.  

Frau auf einem Feld
Auch tägliche Rituale helfen bei Ängsten. Foto: Pexels / Игорь Лушницкий


 
Ich traue mich nicht: Wie kann ich meine Ängste überwinden? 

Viele Betroffene leiden unter leicht bis mäßig ausgeprägten Ängsten trauen sich viele Dinge nicht. In solchen Fällen reichen oft schon einfache Selbsthilfemaßnahmen, um sie dauerhaft in den Griff zu bekommen: 

1. Angst akzeptieren  

Einer der wichtigsten Schritte, um Ängste erfolgreich überwinden zu können, ist sie zuzulassen und die Gefühle, die in dem Moment aufkommen zu akzeptieren.  

2. Denkmuster hinterfragen 

Laut der Techniker Krankenkasse kann es gerade bei Ängsten, die mit Gedankenkreisen zusammenhängen häufig dazu kommen, helfen, wenn wir uns fragen, wieso wir eigentlich gerade darüber nachdenken. Gerade gehäufte negative Denkmuster können so erkannt und durchbrochen werden. 

3. Konfrontation suchen 

Das ist manchmal leichter gesagt als getan und dennoch: Ängste besiegen wir, auch indem wir uns ihnen stellen. So kannst du beispielsweise mit kleinen Schritten anfangen. Sobald ein Erfolgserlebnis erreicht wird, wird die Angst beim nächsten Mal weniger. 

4. Bewegung  

Wenn du regelmäßig Sport machst, wirkt es sich nicht nur positiv auf den Körper, sondern auch auf die Psyche aus. Sport und Bewegung können mentalen Erkrankungen wie Depressionen und Panikstörungen nachweislich entgegenwirken. Insbesondere Ausdauersport hat sich als hilfreich zur Angstbewältigung erwiesen. Laut Expert:innen lösen Bewegungen nicht nur körperliche Anspannungen, sondern können Angstreaktionen auch langfristig reduzieren. 

5. Gedanken festhalten 

Wenn du deine Ängste aufschreibst, wirst du dir mehr darüber klar, wo sie herkommen und wie sie eigentlich aussehen. Dies kannn dabei helfen Ängste loszuwerden, da wir sie benennen und erklären können. 

6. Entspannung & Atmung üben 

Ängste gehen häufig mit einer großen körperlichen Anspannung einher. Bei akuter Angst können Entspannungsverfahren typische Symptome wie Herzrasen und Schwitzen deutlich reduzieren.  

Hände mit Blumen in der Hand
Mit mehr Entspannung im Alltag überwinden wir Ängste. Foto: Pexels / Monstera

7. Stressmanagement  

Angst und Stress hängen eng miteinander zusammen. Viele Angstzustände werden durch eine zu hohe Stressbelastung ausgelöst. Ein effektives Stress- und Zeitmanagement ist daher gerade bei Angstproblemen wichtig. Mithilfe einer guten Tagesplanung können typische Stressauslöser (z. B. Zeitdruck) weitgehend vermieden werden.   

8. Psychotherapie 

Selbsthilfemaßnahmen reichen nicht immer aus, um Ängste zu überwinden. Gerade bei Angststörungen können gewisse Therapieansätze hilfreich sein. Mehr zu verschiedenen Therapieformen findest du hier

Ich traue mich nicht: So schaffst du es Ängste zu überwinden 

Halte dir immer vor Augen, dass es Zeit brauchen kann, bis du deine Ängste überwunden hast, gerade wenn sie seit langer Zeit festsitzen. Versuche dich Schritt für Schritt daran zu gewöhnen und die beste Methode für dich zu finden. Solltest du bemerken, dass deine Ängste stärker sind als gedacht, lohnt es sich therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

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