Wenn du dich auf die Suche nach einer Psychotherapie begibst, wirst du eines schnell feststellen: Therapie ist nicht gleich Therapie. Wenn du dich fragst, welche Form für dich die Richtige sein kann, solltest du dir zunächst anschauen, welche verschiedenen Arten es eigentlich gibt. Hier stellen wir dir die vier häufigsten Therapieformen vor. 

Welche Therapieform gibt es?  

Generell gibt es vier verschiedene Therapieformen, die am häufigsten in Deutschland angewandt werden. In der Regel übernimmt deine Krankenkasse die Kosten dafür, gerade wenn es sich um eine Ersttherapie handelt. Dabei kommt es stark auf die Form der Therapie an, manche Verfahren, wie beispielsweise eine Paartherapie, müssen selbst gezahlt werden. Andere, wie beispielsweise eine Familientherapie, können in einigen Fällen vom Jugendamt übernommen werden. 

Die vier häufigsten Therapieformen sind die folgenden: die Psychoanalyse, die Tiefen­psychologisch fundierte Psycho­therapie, die Kognitive Verhaltens­therapie und die Systemische Therapie. Sie unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Behandlungstechnik, Frequenz und Dauer. Die Unterscheidung entsteht vor allem durch einen unterschiedlichen Behandlungsfokus sowie das Verständnis über die Ursachen und Entstehungen der psychischen Erkrankungen. Nun aber zum kleinen 1×1 der Therapieformen: 

Zwei Frauen unterhalten sich
„Die Chemie muss stimmen“ gilt definitiv auch bei der Auswahl eines Therapeuten / einer Therapeutin. Foto: IMAGO Images / Westend61

Psychoanalyse 

Die klassische Form der Psychotherapie geht auf den Mann zurück, der den Grundstein dafür gelegt hat: Sigmund Freud. Somit ist die Psychoanalyse die älteste Form. Der Fokus einer Psychotherapie liegt auf unbewussten inneren Konflikten, die aus der Vergangenheit verdrängt wurden. Bei einer Psychotherapie sind zwei bis drei Sitzungen pro Woche erforderlich, die meisten Formen dauern jeweils 50 Minuten lang an.

Das Setting kannst du dir ganz klassisch wie im Film vorstellen: Du liegst dabei tatsächlich auf einer Couch. Therapeut:innen nehmen dabei meist eine zurückhaltende Rolle ein und sprechen eher wenig. Auch befinden sie sich meist außerhalb deines Sichtfeldes, denn du sollst deinen Gedanken freien Lauf lassen und so wenig wie möglich beeinflusst werden, weder vom Gesagten noch von den Gesichtsausdrücken deines Therapeuten oder deiner Therapeutin.   

Tiefenpsychologische Therapie  

Die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ähnelt der Psychoanalyse und kann als Weiterentwicklung dieser gesehen werden. Auch hier liegt der Fokus auf ungelösten inneren Konflikten aus der Vergangenheit. Anders als in der Psychoanalyse wird allerdings ein konkretes Konfliktthema ermittelt. Die Tiefenpsychologische Therapie findet ein bis zweimal pro Woche statt. Bei dieser Form der Therapie sitzt du und bist deutlicher im Gespräch mit deinem Gegenüber. 

Kognitive Verhaltenstherapie  

Die kognitive Verhaltenstherapie ist die Form, die in Deutschland am meisten angewandt wird. Diese Form der Therapie ist im Gegensatz zu den anderen beiden Formen gegenwartsorientiert und befasst sich vor allem mit drei Kategorien: Gedanken, Gefühle und Verhalten. Deine Therapeutin oder dein Therapeut stellen dir bei dieser Form hauptsächlich Fragen und suchen mit dir gemeinsam nach Lösungen. Die Form findet in der Regel ein Mal pro Woche im Sitzen statt. 

Systematische Therapie  

Die systematische Therapie gibt es im Gegensatz zu den anderen Formen noch nicht lange. Sie bezieht sich hauptsächlich auf die Interaktion des sozialen Umfeldes. Im Fokus stehst hierbei also nicht du allein, sondern das gesamte “System”. Mit “System” ist hier der soziale Kontext gemeint, also beispielsweise deine Familie oder andere wichtige Bezugspersonen in deinem Leben. 

Frau steht bei der Anmeldung beim Arzt
Am Anfang helfen dir probatorische Sitzungen. Foto: IMAGO Images / Westend61

Welche Therapieform passt zu mir?  

Nun hast du einen Einblick in die verschiedenen Therapieformen bekommen. Allerdings stellt sich dir wahrscheinlich immer noch die Frage: Welche Form passt am besten zu mir? Die Entscheidung kann insofern wichtig sein, als nicht jeder Therapeut oder jede Therapeutin alle Formen anbieten. Deshalb kann es sinnvoll sein, sich im Vorhinein etwas Gedanken dazu zu machen. Am besten stellst du dir diese Fragen: 

  • Wie tief will ich gehen und möchte ich lieber die Vergangenheit oder Gegenwart thematisieren?
  • Geht es dabei eher um mein Umfeld oder ausschließlich um mich und mein persönliches Empfinden? 
  • Was sagt mir mein Bauchgefühl? 

Die Entscheidung ist sehr individuell und du musst keine Angst haben, darauf festgenagelt zu werden. Zunächst wirst du sowieso zwei bis vier probatorische Sitzungen haben, in denen du deine Therapeutin oder deinen Therapeuten kennenlernst und entscheiden kannst, ob dieser der richtige Ansprechpartner für dich ist.

Die Sitzungen dienen außerdem dazu, gemeinsam zu entscheiden, welche Form die Richtige für dich ist. Falls du also erst mal nur auf dein Bauchgefühl hörst, reicht dieses völlig aus. 

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