Er erlitt einen Herzinfarkt sowie mehrere Schlaganfälle, rauchte Kette und trank Unmengen Alkohol. Dass Winston Churchill den so oft zitierten Satz „Sport ist Mord“ gesagt haben soll, verwundert da wohl niemanden. Allerdings ist diese berühmte Aussage des ehemaligen Premierministers Großbritanniens nirgendwo belegt. Zudem haben etliche Untersuchungen längst bewiesen, dass Sport gesund und nicht mörderisch ist. Allerdings zeigt nun eine neue Studie, dass es wie so oft auf die Dosierung ankommt. Demnach kann zu viel Sport zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen …

So viel gefährlicher leben Athlet:innen

In einer britischen Studie, die im British Journal of Sports Medicine erschien, wurde die gesundheitliche Verfassung von über 70.000 Menschen untersucht. Ein Zehntel von ihnen nahm an sportlichen Wettkämpfen teil. Das Unglaubliche: Athlet:innen haben laut der Forscher:innen eine 2,5 Mal höhere Wahrscheinlichkeit, an Herzrhythmusstörungen oder Vorhofflimmern zu leiden – beides Erkrankungen, die häufig zu Schlaganfällen oder Herzschwäche führen können.

Besonders schockierend: Die Gefahr, an Vorhofflimmern zu erkranken, war bei jüngeren Athlet:innen unter 55 Jahren 3,6 Mal höher als bei Nicht-Sportler:innen. Und auch die Sportart spielt eine Rolle. So hatten die Personen, die Mannschaftssportarten wie Fußball oder Rugby betreiben, ein höheres Gesundheitsrisiko als diejenigen, die Ausdauersport wie Rudern, Laufen oder Radfahren ausüben.

Intervalltraining
Sport kann richtig Spaß machen und hält ganz nebenbei gesund. Credit: BartekSzewczyk/ istock / BartekSzewczyk/ istock

Zu viel Sport: Wie viel ist zu viel?

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass Sport zwar gesund ist, aber eben nur bis zu einem bestimmten Punkt. Dann kann das Blatt sich plötzlich wenden und das eigentlich so wichtige Workout wird zum Problem. „Das Risiko für Vorhofflimmern ist bei Athlet:innen deutlich höher als bei denjenigen, die nicht regelmäßig Sport treiben“, erklärt Hauptautor Dr. Jamie O’Driscoll von der Canterbury Christ Church University laut der Zeitung Daily Mail.

Doch wie viel Sport ist zu viel? Aufschluss geben zum Beispiel die „Physical Activity Guidelines“ aus den USA. Demnach sollen sich Erwachsene mindestens 2,5 bis 5 Stunden wöchentlich bei „mäßiger Intensität“ aktiv bewegen. Wer sich mehr auspowern möchte, sollte mindestens eine bis zwei Stunden intensives Training oder eine „äquivalente Kombination aus aeroben Aktivitäten mittlerer und intensiver Intensität“ pro Woche durchführen. Dabei sollten die Einheiten auf mehrere Tage verteilt werden.

Zusätzliche gesundheitliche Vorteile würden laut der Empfehlung erzielt, wenn man sich über die fünf Stunden hinaus in moderater Intensität bewege. Heißt im Klartext: Die Bewegung ist wichtig, nicht die Intensität.

Zu viel Sport ist schädlich, gar kein Sport aber auch

Wenn du also das nächste Mal dein Training startest, achte darauf, dass du es keinesfalls übertreibst. Andernfalls drohen ernsthafte gesundheitliche Probleme, die du mit Bewegung eigentlich vermeiden wolltest. Und wir wollen doch nicht, dass Winston Churchill mit seinem Zitat letztlich doch recht behält.

Übrigens: Der ehemalige Premier wurde trotz seines ungesunden Lebensstils 91 Jahre alt. Allerdings hat er sehr wohl in seinen jungen Jahren Sport getrieben. Vielleicht ist „Sport ist Mord“ also nur von Bewegungsmuffeln in die Welt gesetzt worden. Richtig ist der Ausruf trotz der neuen Studie jedenfalls nicht …

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crlnmyr