Zu Uni-Zeiten gehörte es zu meiner Tagesroutine, nachmittags ein Nickerchen zu halten. Früh aufstehen, um rechtzeitig zur Vorlesung zu kommen, und abends erst spät ins Bett gehen – das passte nicht zusammen. Ein Mittagsschlaf musste einfach sein! Das Problem: Aus dem Power Nap wurde oftmals ein Dornröschenschlaf, aus dem ich erst viele Stunden später wieder hochschrak. Leider ist das alles andere als gesund, wie ich heute weiß.

Warum Mittagsschlaf gefährlich sein kann
Wenn die Energie fehlt, hilft nur noch ein Mittagsschlaf. Foto: Shutterstock/silverkblackstock / Shutterstock/silverkblackstock

Laut Studie kann Nickerchen halten unserem Körper schaden

Wie eine Studie aus China zeigt, wird Nickerchen halten mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck und Schlaganfall in Verbindung gebracht. Laut den Wissenschaftler:innen hätten Personen, die häufig oder regelmäßig Nickerchen halten, ein um 12 Prozent höheres Risiko für die Entwicklung von Bluthochdruck. Das Risiko, einen Schlaganfall zu kriegen, sei sogar um 24 Prozent höher als bei Personen, die tagsüber kein Nickerchen halten.

Das Problem: Für die im Fachmagazin „Hypertension“ veröffentlichte Studie wurden die Daten von hauptsächlich männlichen Proband:innen aus Großbritannien genutzt. Viele von ihnen pflegten einen ungesunden Lebensstil, rauchten, tranken Alkohol und litten unter Schlaflosigkeit.

Man kann also nicht davon ausgehen, dass der Mittagsschlaf allein für den schlechteren Gesundheitszustand verantwortlich ist. Das Ergebnis lässt sich somit nicht auf die Allgemeinheit übertragen.

Warum ein Mittagsschlaf den Nachtschlaf nicht ersetzen kann

Viele nutzen den Mittagsschlaf nicht als zusätzlichen Energiebooster, sondern um eine kurze Nacht auszugleichen. Doch Nickerchen halten kann den nächtlichen Schlaf nicht ersetzen. Der Grund: Ein Mittagsschlaf ist zu kurz, um in eine Tiefschlafphase zu kommen.

Diese ist aber wichtig, um Eindrücke zu verarbeiten und das Gedächtnis zu bilden, wie der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Jan Born vom Universitätsklinikum Tübingen gegenüber den Stuttgarter Nachrichten erklärt: „So zeigt sich eine Verschlechterung der Gedächtnisleistung, wenn der Tiefschlaf unterdrückt wird, aber auch wenn die Schlafdauer über längere Zeit hin verkürzt wird. Oder aber die Schlafenszeit wird ständig um mehr als zwei, drei Stunden nach vorn oder hinten verschoben.“

Noch dazu sind in der Nacht ganz andere Hormone in unserem Körper aktiv, als tagsüber. Wenn wir nachts schlafen, wird das Stresshormon Cortisol unterdrückt. Am Tag ist es jedoch aktiv – selbst, wenn man sich in einer Tiefschlafphase befindet. „Und das tötet auf Dauer jeden Gedächtniseffekt“, so der Forscher.

Nickerchen halten: Zu lange sollte es nicht sein

Dennoch kann ein Power Nap auch Vorteile haben: Das bekannte Leistungstief am Nachmittag bleibt aus, wenn man sich davor kurz hingelegt hat. Ein Mittagsschlaf wirkt entspannend und hilft dabei, Stress abzubauen. Noch dazu verbessert er unsere Laune und fördert die Kreativität.

Länger als 30 Minuten sollte das Nickerchen laut Schlafforscher:innen aber nicht dauern. Sonst gleitet man in den sogenannten REM- oder Traumschlaf ab – und ist nach dem Aufwachen müder, als zuvor.

Zwar ist meine Studienzeit schon lange vorbei – doch die Vorliebe für Mittagsschläfchen habe ich beibehalten. Mit einem entscheidenden Unterschied: Ich stelle mir jetzt immer einen Wecker, der mich nach spätestens 30 Minuten wieder aufweckt.