Viele Sportler:innen trinken Natron, um beim Sport länger durchzuhalten. Hier erfährst du, was das angepriesene Wundermittel wirklich kann.

Natron ist ein Alleskönner. Beim Backen sorgt das weiße Pulver für einen luftigen Teig. Wer damit putzt, entfernt hartnäckigen Kalk. Und aufgetragen auf der Haut soll es gegen Pickel helfen. Doch damit nicht genug! Viele Sportler:innen trinken Natron, um noch bessere Leistungen zu erzielen.

Aber: Ist das wirklich eine gute Idee? wmn hat bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nachgefragt, wie Natron in unserem Körper wirkt.

Natron: Was ist Natriumhydrogencarbonat überhaupt?

Der chemische Name von Natron ist Natriumhydrogencarbonat (NaHCO3). Dabei handelt es sich um ein farb- und geruchsloses Salz, das du perfekt in Wasser auflösen kannst und das als Mineral in der Natur vorkommt. Aber: Heute wird es meistens industriell hergestellt.

Natron trinken
Natron wird vor allem zum Backen verwendet. Foto: IMAGO / Westend61 Credit: Gettyimages

Natron trinken: Um beim Sport besser zu performen

Natron wird bereits seit Mitte der 30-er Jahre eingenommen, um besser beim Sport zu performen. Denn während der Belastung sinkt normalerweise der ph-Wert, es bildet sich Laktat, die Muskulatur übersäuert und wird müde. Und genau hier kommt Natron ins Spiel. Denn die Einnahme von Natron soll den ph-Wert im Blut kurzfristig erhöhen. Das Ergebnis: Die Muskulatur soll leistungsfähiger werden und Sportler:innen besser performen.

Und auch der Deutsche Olympische Sportbund weiß, dass viele Sportler:innen auf Natron setzen und erklärt in einer Broschüre, dass das Salz vor allem vor ein- bis sieben minütigen, hochintensiven Belastungen eingenommen wird, um leistungsfähiger zu werden.

Doch wie wirksam ist es für Sportler:innen wirklich, Natron zu trinken? Elvira Schwörer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erklärt gegenüber wmn: „Theoretisch kann man sich vorstellen, dass Natron die Milchsäure, also das Laktat neutralisiert und daher die Ermüdung verzögert. Inwieweit das bei einem Freizeitsportler tatsächlich funktioniert und ob eine bessere Leistung überhaupt messbar ist, ist eher fraglich.“

Anstatt Natron zu trinken, setzt sie deshalb auf das, was nachgewiesenermaßen wirklich hilft: Ein regelmäßiges Training. Und eine ausgewogene und vielseitige Ernährung. Und zwar mit viel Gemüse und Obst sowie Vollkornprodukten – dafür seltener fettreiche und gezuckerte Lebensmittel. „Das verbessert die Performance und die Gesundheit insgesamt“, weiß Elvira Schwörer.

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Natron trinken gegen Sodbrennen

Wer zu viel, zu schnell und zu fettig isst, bekommt häufig Sodbrennen. Dabei passiert Folgendes: Der Magen ist übersäuert und die Magensäure steigt nach oben. Da das Natriumhydrogencarbonat die Säure neutralisieren soll, wird Natron auch gegen Sodbrennen eingesetzt.

Aber: „Natron wirkt stark basisch. Zu viel kann dazu führen, dass das Milieu im Magen zu basisch wird, was den Magen wiederum dazu veranlasst mehr Säure zu produzieren. Das wäre kontraproduktiv“, warnt Elvira Schwörer. Ihr Tipp deshalb: Lieber in die Apotheke oder zum Arzt gehen und sich dort von Expert:innen beraten lassen.

Natron trinken, um abzunehmen

Es gibt zahlreiche Tricks und Tipps, die angeblich beim Abnehmen helfen sollen. Einer davon? Natron trinken! Denn es soll das Sättigungsgefühl fördern und die Fettverbrennung ankurbeln. Aber: Wissenschaftlich bewiesen ist das nicht.

„Wer abnehmen will, sollte bereit sein, sein Essverhalten zu ändern und sich Unterstützung suchen. Zum Beispiel von einer qualifizierten Ernährungsberatung. Außerdem vermitteln die Krankenkassen qualifizierte Fachkräfte“, rät Schwörer, um wirkliche Erfolge zu erzielen.

Dosierung von Natron

Die meisten Anwender:innen lösen jeweils ein- bis dreimal pro Tag einen Teelöffel Natron in Wasser auf und trinken die Mischung dann langsam. Auf eine zweiwöchige Einnahme folgt eine mehrwöchige Pause.

Warum ihr dennoch kein Natron trinken solltet

Aber Achtung! Das Trinken von Natron kann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen, wie etwa:

  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Erbrechen
  • Durchfall

Elvira Schwörer nennt aber auch langfristige Nebenwirkungen, die viele nicht auf dem Schirm haben: „Es kann zu Bluthochdruck oder Wadenkrämpfen kommen. Von der Einnahme rate ich deshalb ab!“

Auf keinen Fall sollten Personen mit Bluthochdruck, Gastritis, Nieren- und Herzkrankheiten, Schwangere oder Kinder Natron trinken.

Natron trinken: Das Fazit

Natron wird vor allem in Back- und Brausepulvern eingesetzt. Oder als Hausmittel zum Putzen. Und bei diesen Anwendungsmöglichkeiten sollte es auch bleiben. Denn die gesundheitlichen Vorteile von Natron sind nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Wohingegen die Nebenwirkungen einer Einnahme umso gefährlicher sind.

Wer sich und seiner Gesundheit wirklich etwas Gutes tun oder besser im Sport performen will, sollte deshalb lieber auf altbewährte und praxistaugliche Tipps setzen. Und da haben wir einige in petto, wie zum Beispiel: Wenn du diese 7 Trainingsfehler vermeidest, wirst du deine Performance im Sport verbessern. Und das gänzlich ohne Natron trinken.