Wusstest du, dass das Zähneputzen erst seit recht kurzer Zeit Gewohnheit in unserer Gesellschaft ist? Noch vor wenigen Jahrzehnten sahen die Menschen keine wirkliche Begründung dafür, sich die Zähne zu putzen. Zu Beginn des 19ten Jahrhunderts war die industrielle Revolution allerdings bereits so weit fortgeschritten, dass es nicht mehr anders ging. Unsere Informationen zu diesem Artikel stammen vorranging aus dem Buch Die Macht der Gewohnheit von Charles Duhigg (Werbung).

Die industrielle Revolution & die Zahnpasta

Mit wachsendem Wohl stand in den USA hatten die Leute damit begonnen, zuckerhaltige und industriell verarbeitete Lebensmittel zu konsumieren. Da sie aber gleichzeitig nicht damit begonnen, sich besser um ihre Zahnhygiene zu kümmern, bekamen sie unfassbar schlechte Zähne.

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Als nach dem ersten Weltkrieg die Rekruten wieder nach Hause zurückkehrten, hatten so viele von ihnen schlechte Zähne, dass man in den USA hygienische Missstände bei der Zahnpflege offiziell als „nationale Gefahr“ betrachtete.

Woran lag es, dass man Zahnpasta nicht nutzte?

Zahnpasta gab es zwar, aber die Bevölkerung sah keinen Sinn darin, sich regelmäßig die Zähne zu putzen. Es hatte ja auch immer so irgendwie geklappt. Der Zahncremehersteller Pepsodent befragte den Werbefachmann Claude Hopkins, sich einen Werbeslogan für ihre Zahnpasta herzustellen, der die Menschen zum Kauf überredete.

Pepsodent Zahnpasta Werbung Credit: IMAGO / Prod.DB

Der Zahnfilm & was er bewirkt

Claude Hopkins erreichte die Menschen mit einer einfachen Gefühlsbeschreibung: Er ertastete den sogannenten Zahnfilm auf deinen eigenen Zähnen.

Lassen Sie Ihre Zunge über Ihre Zähne gleiten. Sie spüren einen Film – dieser lässt Ihre Zähne ungesund erscheinen und fördert die Fäulnis.

Claude Hopkins

Dieser Zahnfilm war schon immer auf den Zähnen der Menschen gewesen. Er entsteht einfach, wenn wir den Tag über mit Speichel, Nahrung und Getränken konfrontiert sind. Mit der Werbekampagne von Hopkins sollte dieser Zahnfilm endlich verschwinden. Nochmal: Dieser Film hat Jahrtausende lang niemanden gestört und auf einmal konnten die Menschen damit nicht mehr leben.

Der Minzgeschmack in der Zahnpasta

Der Werbefachmann Claude Hopkins setzte außerdem der Zahnpasta von Pepsodent einen leckeren und scharfen Minzgeschmack bei. So wurde der Zahnpasta ein Reiz beigefügt, den die Konsument:innen während des Putzens spürten: den prickelnden Geschmack der Minze.

Nach einer Weile, in der die Menschen Zahncreme mit leicht scharfer und kribbelnder Minze genutzt hatten, erwarteten sie es von einer Zahncreme. Ihr Mund fühlte sich sonst nicht sauber an. So band Hopkins die Kund:innen an die Zahnpasta von Pepsodent.

pepsodent zähne zahnpasta
Pepsodent Zahnpasta Werbung Credit: IMAGO / Prod.DB

Schäumende Münder sind saubere Münder

Der Schaum in der Zahnpasta hat einen ähnlichen Sinn wie der kribbelnde und scharfe Minzgeschmack. Hopkins setzte der Zahnpasta Schäumungsmittelchen zu. Auch daran gewöhnten sich die Menschen und sahen nach einer Zeit nur eine schäumende Zahnpasta als eine wirksame an.

Noch heute gibt es kaum eine Zahnpasta, die nicht schäumt. Es gibt allerdings auch ein paar positive Eigenschaften den Zahnpasta-Schaums. Das Portal der Zahnmedizin erklärt, dass die schäumenden Stoffe wie das Natriumlaurylsulfat für eine einheitliche Verteilung der Zahnpasta sorgt.

Zahnpasta: Wir werden manipuliert

Am Beispiel der Zahnpasta sehen wir, dass wir von der Werbung manipuliert werden. Manchmal aber auch zu unserem Besten. Claude Hopkins schaffte es, dass wir heute gewohnheitsmäßig Zahnpasta nutzen. Der Zahnfilm, den Hopkins beschrieb, war der Auslöser dafür, Zahnpasta überhaupt zu nutzen. Danach wurden der Zahnpasta einige Reize (Minzgeschmack und Schaum) beigefügt, ohne die wir uns heute nicht mehr sauber fühlen.

Deswegen enthalten noch heute fast alle Zahnpasten Zusatzstoffe, die eigentlich keine Funktion haben, aber uns das Gefühl geben eine Funktion zu haben.

Menschen brauchen das Gefühl, dass ein Produkt irgendetwas bewirkt. Das Prickeln verstärkt in keiner Weise die Wirksamkeit der Zahnpasta.

Tracy Sinclair, Oral B

Wie entsteht eine Gewohnheit und wie kann man sie ändern? Das Beispiel der Zahnpasta zeigt, was eine Gewohnheit in einer Gesellschaft bewirken kann. So kannst du es aber auch selbst steuern.

Zahnpasta: Diese 8 Anwendungen werden dich überraschen.