Und noch einen! Vielleicht hast du es auch schon erlebt: Eigentlich hast du genug Alkohol gebechert, aber irgendwie kannst du doch nicht aufhören zu trinken. Grund dafür ist nicht etwa fehlende Selbstbeherrschung oder gesellschaftlicher Druck. Nein, es ist ein Schalter im Gehirn, der umgelegt wird. Das fanden jetzt Forschende in Schweden heraus. Was genau für ein Prozess im Rausch stattfindet, liest du hier.

Aufhören zu trinken ist für die einen schwerer als für die anderen

Die Zahlen aus Deutschland machen nachdenklich: 6,7 Millionen Menschen der 18- bis 64-Jährigen konsumieren Alkohol laut Bundesgesundheitsministerium in gesundheitlich riskanter Form. Etwa 1,6 Millionen Menschen dieser Altersgruppe gelten als sogar alkoholabhängig.

Doch warum verfallen so viele dem Hochprozentigen? Eine neue Studie der Universität Linköping gibt jetzt Aufschluss darüber. Denn: Die Wissenschaftler:innen fanden heraus, dass es einen ganz bestimmten Auslöser im Gehirn gibt, der einige Menschen daran hindert, mit dem Trinken aufzuhören.

Wein Weingläser Gruppe
Hoch die Gläser! Gerade in Gesellschaft fällt es schwer mit dem Trinken aufzuhören. Foto: shutterstock/Dragon Images / shutterstock/Dragon Images

Studienleiter Professor Markus Heilig und sein Team haben durch Versuchsreihen an Ratten Nervenzellen in einer Region des Gehirns entdeckt, die „bestimmen“, ob du nach ein paar Gläsern aufhörst oder einfach nachkippst.

Diese sogenannten PKC-delta-positive Nervenzellen“…sind der Unterschied zwischen der Fähigkeit, sich auf normale Weise zu bremsen […] und der Unfähigkeit, sich selbst aufzuhalten,“ so der Psychologe in einer Pressemitteilung.

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It’s not me it’s my brain!

Prof. Heilig weiter: „Ich hätte nicht erwartet, dass eine so kleine Gruppe von Nervenzellen für dieses komplexe Verhalten so entscheidend sein würde.“ Die schwedischen Forschenden identifizierten einen Mechanismus in der Gehirnregion der Amygdala.

Sie spielt laut Netdoktor „eine entscheidende Rolle bei emotionalen Reaktionen, der Entscheidungsfindung und der Assoziation von Ereignissen zum Beispiel mit Angst oder Freude.“ Denn die Nervenzellen der Amygdala verbinden Nahrungsaufnahme mit Belohnung.

Im Video: Wirkung von Alkohol: Das passiert im Gehirn

Und so sorgt sie auch dafür, dass Essen, Sex oder eben Alkohol als Genuss empfunden werden und dazu verleiten, mehr zu wollen. Eigentlich hat das Gehirn eine eingebaute Bremse, um zu erkennen, dass irgendwann auch mal Schluss ist. Bei Menschen mit PKC-delta-positiven Nervenzellen ist dieser Vorgang aber kaum oder gar nicht möglich. Die Folge: Sie können nicht aufhören zu trinken.

Prof. Heilig fordert deswegen weitere Untersuchungen zu klinischen Markern, die aufzeigen können, ob eine Person eine individuelle Anfälligkeit für eine Sucht hat. Denn: Eine frühzeitige Entdeckung kann präventive Maßnahmen ermöglichen. „Wir müssen verstehen, dass die Unfähigkeit, schädlich werdendes Verhalten zu brechen, ein wichtiger Risikofaktor ist und auch die Sucht aufrechterhält, wenn sie sich entwickelt hat.“

Wichtig sei es, die Alkoholsucht bei Menschen mit erhöhtem Suchtrisiko zu bremsen. „Nicht nur durch die Arbeit mit ihrem Verhalten, sondern auch durch die Entwicklung von Medikamenten, die auf die molekularen Mechanismen des Verhaltens abzielen.“

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