Als das „Raumschiff Enterprise“ 1966 erstmals in Galaxien vordrang, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat, ahnte noch niemand, dass die Rolle als Captain James T. Kirk Williams Shatner zu einer unsterblichen Kultfigur des Sci-Fis machen würde. Doch der gebürtige Kanadier, der am 22. März 2021 sein 90. Lebensjahr feiert, kann noch weit mehr, als „Khaaaan!“ zu rufen, sein Föderationsleibchen zu zerreißen und/oder Aliendamen zu umgarnen.

Früh übt sich

Schon mit sechs Jahren soll der kleine William erkannt haben, dass das Schauspielerfach etwas für ihn sein könnte. Nur zwei Jahre später trat er bereits in seiner ersten Hauptrolle als „Tom Sawyer“ im Montrealer Kindertheater auf. Zu einem Schauspielstudium konnte er sich dennoch nicht durchringen: Shatner studierte Wirtschaftswissenschaften, blieb der Bühne aber nebenbei in mehreren Shakespeare-Aufführungen treu.

Erfolg dank Neil Armstrong

Zwar startete Mitte der 1960er Jahre Gene Roddenberrys Weltraum-Saga „Star Trek: Raumschiff Enterprise“, weltweit bekannt wurde Shatner aber erst später. Denn zu Beginn der heutigen Kultserie hielt sich die Begeisterung noch in Grenzen und blieb einer verhältnismäßig kleinen Gruppe an Zuschauern vorbehalten. Und so war nach lediglich drei Staffeln Schluss, „Enterprise“ wurde abgesetzt.

Dass Shatner dann doch noch zu spätem Ruhm für seinen Part gelangte, hat er einem Stück weit einem gewissen Neil Armstrong (1930-2012) zu verdanken. Denn nach der ersten Mondlandung begannen sich viele Menschen plötzlich für die Raumfahrt zu interessieren, Wiederholungen der Serie wurden zum Quotenrenner. Da wundert es auch nicht, dass Shatner trotz des Serienendes noch in insgesamt sieben Kinofilmen seine ikonische Rolle spielen durfte, bei Teil fünf gar die Regie übernahm.

Ein Skandalkuss

Sogar für einen damals handfesten Skandal sorgte Shatner: In einer Folge der dritten Staffel von „Raumschiff Enterprise“ küsst er das Crewmitglied Uhura. Es war der erste TV-Schmatzer eines weißen Schauspielers mit einer schwarzen Frau und sorgte für helles Aufsehen in den USA. Sender in den Südstaaten weigerten sich gar, die Folge auszustrahlen. Auch im wahren Leben ist Shatner übrigens als Womanizer bekannt, viermal ging er den Bund der Ehe ein. Die letzte davon wurde erst im Januar 2020 geschieden – Kirk ist also wieder zu haben.

Nie wieder Kirk?

Mit der Rückkehr von Sir Patrick Stewart (80) als Jean-Luc Picard in der gleichnamigen Amazon-Serie „Picard“ von 2020 erhofften sich viele Trekkies auch ein Comeback von Kirk. Dem schob Shatner aber vor ziemlich genau einem Jahr vehement einen Riegel vor. „Kirk ist in ‚Treffen der Generationen‘ gestorben. Was soll da noch kommen?“, fragte er nicht ganz zu Unrecht via Twitter.

Und was gibt es außer „Star Trek“?

Gerne wird Shatner vorgeworfen, eine viel zu theatralische Art des Schauspiels zu pflegen. Vielleicht auch deshalb gab es für ihn außerhalb des „Star Trek“-Universums meist nur kleine Nebenrollen in Filmen und Serien. Eine Ausnahme stellt seine bitterböse Rolle als Anwalt Danny Crane an der Seite von James Spader in „Boston Legal“ dar. In insgesamt 101 Folgen der Justizserie von 2004 bis 2008 bewies der Schauspieler, dass es auch ein Leben nach Kirk gab.

In der kurzlebigen Serie „Shit! My Dad Says“ durfte er von 2010 bis 2011 als titelgebender Dad den titelgebenden Shit sagen, ein Jahr länger und in insgesamt 30 Folgen übernahm er die Moderation der Sendung „Einfach überirdisch!“, in der es, wie der Name schon sagt, um vermeintlich übernatürliche Vorkommnisse ging. Nach Jonathan Frakes (68) alias William T. Riker und „X-Faktor: Das Unfassbare“ hatte nun also eine weitere „Star Trek“-Größe ihre Mystery-TV-Serie bekommen.

Shatner redet Gesang

Der Musik ist William Shatner ebenfalls nicht abgeneigt, auch wenn er bei dieser Karriere den Begriff Sprechgesang ein ums andere Mal falsch verstanden zu haben scheint. Bei seinem „Spoken Word“-Stil rezitiert er vielmehr berühmte Songtexte wie David Bowies „Space Oddity“ oder Elton Johns „Rocket Man“ zu musikalischer Untermalung. Logisch, dass seine extravagante Auffassung von Musik in den unterschiedlichsten Sendungen, etwa bei den „Simpsons“, aufgegriffen wurde, um sich über den Schauspieler lustig zu machen.

Allen Spöttern zum Trotz bringt William Shatner es dennoch auf insgesamt acht Platten. Die letzten beiden davon, „Shatner Clause“ und „The Blues“, erschienen erst 2018 und 2020.

(stk/spot)