Jahrezehntelang war es immer die gleiche Szenerie. Der Sieger der Tour de France ließ sich auf dem Podium feiern, neben ihm lächelten die hübschen Hostessen und verteilten sogar noch Küsschen.

Dieses Überbleibsel aus einer längst vergangenen Zeit gehört nun der Vergangenheit an. Ab sofort soll es nicht nur auschließlich weibliche Hostessen bei der Tour de France geben. Mit dem Start der kommenden Tour am 29. August in Nizza soll das neue Konzept bereits umgesetzt werden.

Hostessen bei der Tour de France wurden stark kritisiert

Damit haben die Veranstalter der Tour de France auf die fortwährende Kritik an den Hostessen reagiert. Nahezu 38.000 Menschen hatten eine Petition mit Namen „Frauen sind keine Objekte und keine Preise“ unterzeichnet.

Damit wollten sie die Abschaffung der Podiums-Hostessen durchsetzen. Ihrer Meinung nach würden die Frauen in der Rolle der Hostessen auf dem Siegertreppchen als „hübsches Beiwerk“ nur auf ihr Aussehen reduziert

Das ist nicht mehr zeitgemäß. „Soll das wirklich zur Siegerehrung dazugehören?“, fragten die Initiatoren in der Petition. „Fotos, die gerne auf der Titelseite diverser Zeitungen verbreitet werden, unterstützen ganz subtil Sexismus.“

Tour der France Kuss
Etappen-Gewinner Thibaut Pinot lässt sich von den Hostessen 2015 zum Sieg noch küssen.(Photo: imago/Geisser)

Küssen jetzt auch die Hosts die Sieger?

„Bisher war der Sieger von zwei Hostessen umgeben […]. Das wird sich nun ändern. […] Zum ersten Mal wird es eine Hostess und einen Host geben“, verkündete Tour de France-Chef Christian Prudhomme auf einer Pressekonferenz. „Das ist neu, aber wir haben das schon bei anderen Rennen gemacht.“

Ob die männlichen Hosts wie die einst die Hostessen Küsschen an die Sieger verteilen werden, bleibt zu bezweifeln. Auch allein deswegen, weil die Corona-Bestimmungen so viel Nähe nicht zulassen

Sexismus ist im Sport noch immer verbreitet

In den vergangenen Jahren gab es gerade im Sport viele Sexismus-Proteste, die alte Rollenbilder von Frauen aufdecken sollten. 2018 strich beispielsweise die Formel 1 ihre „Grid Girls“. Auch der Berliner Basketballverein Alba Berlin kündigte im letzten Jahr an, im Zuge der #meetoo-Debatte auf seine Cheerleader zu verzichten.

Noch mehr Infos in Sachen Sexismus?

Im Alltag begegnet uns leider immer noch Sexismus. wmn-Redakteurin Lisa Dittrich zeigt dir, welche das sind und wie du dich dagegen wehren kannst. 

Und unsere Kollegin Mona Schäffer erklärt dir, was ist eine Feministin überhaupt ist. Und Redakteurin Franzi Wolff erzählt dir, wie sexuelle Belästigung auf Tiktok thematisiert wird.