Unter einigen europäischen Städten verbirgt sich eine düstere Welt. In Katakomben fanden Tausende ihre letzte Ruhe. Hier gibt es eine schaurig-schöne Reise durch die Unterwelt dreier Metropolen.

Unter einigen europäischen Metropolen schlummert im Verborgenen ein schauriger Rest der Vergangenheit. In Katakomben haben zum Teil Millionen von Menschen ihre letzte Ruhestätte gefunden. Heute locken die unterirdischen Gewölbekomplexe jährlich Tausende Touristen an. Ein Streifzug durch das Reich der Toten dreier Städte.

Die dunkle Seite von Paris

„Halt! Hier beginnt das Reich der Toten!“, ist am Eingang der Katakomben in Paris zu lesen. Circa 20 Meter unter der Stadt der Liebe liegen die sterblichen Überreste von etwa sechs Millionen Menschen. Über 350 Kilometer erstrecken sich die Katakombengänge, die man über 136 Stufen an der Place Denfert-Rochereau erreicht. Für Besucher sind lediglich zwei Kilometer davon zugänglich. Das Areal diente vor dem 18. Jahrhundert noch als Steinbruch. Doch als auf den Friedhöfen der Platz knapp wurde, hat der Steinbuch eine neue Funktion erhalten.

Die Toten fanden in den Katakomben eine neue Ruhestätte. Wer die unterirdische Grabstätte nach der Corona-Pandemie einmal besuchen möchte, sollte sich warm anziehen. Denn hier unten herrscht, egal ob Dezember oder August, eine Temperatur von rund 14 Grad Celsius.

Mumien in Sizilien

In der Hauptstadt Siziliens, Palermo, gibt es ebenfalls eine weitläufige Gruftanlage zu bestaunen. In den Katakomben der Klosterkirche Santa Maria della Pace sind es allerdings keine Knochen wie in Paris, sondern rund 8.000 Mumien. 1599 entschlossen sich die Mönche ein neues Grabgewölbe auszuheben, um mehr Platz für die Toten zu schaffen. Als sie Leichname in die neuen Grabkammern umbetten wollten, machten sie eine Entdeckung: Viele der Toten waren kaum verwest. Kurz darauf begannen die Mönche, die Mumien auszustellen – bis heute können Besucher sie betrachten.

Besonders die Leiche der zweijährigen Rosalia Lombardo, die 1920 verstarb, ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Viele bezeichnen sie als die „schönste Mumie der Welt“. Und tatsächlich sieht das Mädchen so aus, als würde sie lediglich schlafen. Dass sie so gut erhalten ist, hat einen Grund: Der Vater des Mädchens beauftragte einen Balsamierer, der sein Handwerk offenbar sehr gut verstand.

Rom und seine 60 Katakomben

Mehr als 60 Katakomben gibt es in Rom. Nur wenige sind für Besucher geöffnet – zum Beispiel die Sebastian-Katakombe im Süden der italienischen Hauptstadt. Die ersten Gänge wurden bereits Ende des ersten Jahrhunderts angelegt, um sowohl Heiden als auch Christen zu beerdigen. Nachdem der christliche Märtyrer Sebastian dort um 288 begraben wurde, erhielt sie den Namen „Catacombe San Sebastiano“.

Mit der Zeit wuchs die Welt unter der Oberfläche – auf vier Stockwerken gab es Mausoleen und Gedächtnisstätten. Leider ist nicht mehr viel erhalten, einige Wandmalereien sind aber noch zu sehen. Weitere unterirdische Grabstätten in Rom, die Besucher betreten können, sind die Calixtus- und Domitilla-Katakomben.

(amw/spot)