Die Weihnachtszeit eignet sich wie keine andere so gut, um nach Herzenslust zu schlemmen. Doch viele packt da schnell das schlechte Gewissen. Spätestens dann, wenn nach den Festtagen die Kleidung zwickt.

Doch das muss nicht sein: „Denn gesunde Ernährung und Weihnachten schließen sich nicht aus“, weiß Ernährungswissenschaftlerin und TV-Moderatorin Dr. Alexa Iwan. Die Expertin hat bereits mehrere Bücher auf den Markt gebracht, wie „Jede Frau kann schlanker werden, Das Anti-Diät-Buch“ oder zuletzt „Ernährung für Golfer: Clever essen für ein besseres Handicap“. Wie wir bei klassischen Weihnachtsrezepten ganz einfach Kalorien sparen können, erklärt Dr. Iwan im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Warum werfen so viele an Weihnachten alle guten Vorsätze, sich gesund zu ernähren, über Bord?

Dr. Alexa Iwan: Ich denke, dafür gibt es die unterschiedlichsten Gründe. Manch einer nimmt sich vielleicht bewusst eine Auszeit vom ansonsten disziplinierten Ernährungsverhalten. Ein anderer kann vielleicht wirklich nicht widerstehen, wenn’s überall so verführerisch durftet. Die Weihnachtszeit ist für uns alle eine besondere Zeit, die viel mit Gefühlen zu tun hat. Und eben auch mit Essen, das es im restlichen Jahr nicht gibt. Niemand sollte sich das komplett versagen. Man muss deshalb aber auch nicht gleich völlig über die Stränge schlagen. Denn gesunde Ernährung und Weihnachten schließen sich ja nicht aus.

Wie lassen sich klassische Weihnachtsrezepte (ob Plätzchen oder Festgans) gesünder und ausgewogener abändern?

Dr. Iwan: Bei den klassischen Plätzchenrezepten können Sie locker ¼ des im Rezept angegebenen Zuckers weglassen, ohne dass irgendjemand einen Unterschied schmecken würde. Alternativ können Sie auch einen Teil des Zuckers durch Xylit oder Erythrit ersetzen. Auf diese Weise sparen Sie eine Menge Kalorien ein, allerdings schmecken die Plätzchen etwas anders, weil beide Zuckeralternativen ein leicht kühlendes Gefühl im Mund hervorrufen. Ich persönlich gehöre ja ins „Team Vollkorn“ und ersetze zudem einen Teil des Mehls durch Vollkornmehl. Was die Gans angeht, so ist nicht die Gans selbst, sondern in der Regel die Sauce das Problem. Denn hier sammelt sich das meiste Fett. Ich würde den Gänsefond, aus dem später die Sauce gekocht wird, vor der Weiterverarbeitung im Kühlschrank komplett kalt werden lassen. Dadurch setzt sich das Fett oben an. Sie können es dann mit einem Pfannenwender abheben und selbst entscheiden, wie viel Fett Sie in der Sauce belassen möchten.

Was sind wirklich gute Zucker-Alternativen?

Dr. Iwan: Das, finde ich, ist eine schwierige Frage. Denn grundsätzlich ist Zucker ja der Problemnährstoff Nr. 1. Insofern kann man zwar nach Alternativen suchen, aber das löst nicht das Grundproblem: nämlich, dass wir alle viel zu viel und zu oft süß essen und daran sehr gewöhnt sind. Eigentlich sollten wir versuchen insgesamt weniger Süß-Geschmack ins Essen zu bringen. Bei den Zuckeralternativen kommt es darauf an, was das Ziel ist. Möchten Sie mehr natürliche Zutaten in Ihrem Gebäck? Dann wären Honig, Ahorn-Sirup, Reissirup, Vollrohrzucker oder Dattelmus gute Alternativen. Von Agavensirup würde ich abraten, denn der enthält zu viel Fruchtzucker. Möchten Sie hingegen in erster Linie Kalorien einsparen? Dann probieren Sie Birkenzucker (Xylit), Erythrit oder Stevia aus. Mit Stevia können Sie allerdings nicht wirklich gut backen.

Was können wir gegen den weihnachtlichen Heißhunger tun?

Dr. Iwan: Heißhunger entsteht immer dann, wenn der Blutzucker Achterbahn fährt. Das passiert, wenn man ständig zwischendurch kleine kohlenhydrathaltige Leckereien in den Mund steckt. Deshalb (auch wenn es schwer fällt): nicht so viel snacken und zwischendurch naschen. Dominosteine und Plätzchen lieber direkt nach einer Mahlzeit genießen und nicht erst 1,5 Stunden später. Essenspausen sind wirklich das A und O.

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