Schmerzen in der Hüfte, den Knien oder in der Schulter? Eine Arthrose kann die Ursache sein. Von der Gelenkerkrankung betroffen sind nicht nur Menschen im hohen Alter. Dr. Bastian Marquaß, leitender Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin der Gelenk-Klinik-Gundelfingen, betont im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news: „Häufig sind auch Menschen mittleren Alters betroffen.“ Weiter klärt der Experte über die Symptome sowie die Behandlung der Krankheit auf und verrät, wie Betroffene ihren Alltag dennoch problemlos bewältigen können.

Was sind typische Symptome bei einer Arthrose?

Dr. Bastian Marquaß: Arthrose tritt besonders häufig an den großen Gelenken wie Hüfte, Knie, Schulter auf. Aber auch die Wirbelsäule oder Ellenbogengelenke sind regelmäßig betroffen.

In der Anfangsphase ist eine Arthrose oft vollkommen beschwerdefrei. Vor allem in der mittleren Phase des Gelenkverschleißes, also bevor eine irreparable Zerstörung des Knorpels vorliegt, kann es immer wieder zur Aktivierung der Arthrose kommen.

In dieser Situation hat die Arthrose bereits zu einem Aufbrechen der Knorpelfläche geführt. Die gelösten Knorpelfragmente bewegen sich frei in der Gelenkkapsel und tragen zur Reizung des Gelenks bei. Eine entzündlich aktivierte Arthrose deutet also stets auf eine bereits fortgeschrittene Schädigung des Knorpels hin. Der Patient spürt in diesem Fall eine zunehmende Überwärmung, beispielsweise der besonders oft betroffenen Kniegelenke. Diese Wärme ist auch von außen auf der Haut fühlbar und ein wichtiges diagnostisches Arthrose-Zeichen für den Kniespezialisten. Manchmal zeigt sich diese Erwärmung in Verbindung mit einer Schwellung, einem sogenannten Gelenkerguss.

Welche Menschen sind davon am häufigsten betroffen?

Marquaß: Als typische Ursachen gelten Fehlstellungen, Überlastungen (etwa durch Arbeit oder Sport) und Verletzungen der Gelenke sowie Übergewicht. Aber auch Bewegungsmangel und erbliche Veranlagung tragen erheblich zum Gelenkverschleiß bei. Altersbedingte Abnutzung spielt dabei eine wesentliche Rolle. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die überwiegende Mehrzahl der Betroffenen mit durchschnittlich 68 Jahren bereits im Rentenalter ist. Dennoch ist Gelenk-Arthrose keineswegs ein reines Senioren-Problem. Häufig sind auch Menschen mittleren Alters betroffen. So bekommen beispielsweise jährlich über 30.000 Menschen unter 60 Jahren ein künstliches Knie-Gelenk.

Wie wird Arthrose behandelt?

Marquaß: Neben Bewegung ist eine frühzeitige Behandlung wichtig bei Arthrose – egal in welchem Alter die Beschwerden eintreten. Denn im Anfangsstadium einer Knorpel-Schädigung helfen Physiotherapie, Muskeltraining und orthopädische Hilfsmittel (Orthesen), den Bewegungsablauf zu korrigieren und das Gelenk zu entlasten. Mechanische Einklemmungen, die mit Blockaden des Gelenkes einhergehen, lassen sich oft durch die minimalinvasive Arthroskopie (Gelenkspiegelung) erkennen und beseitigen.

Vor allem im Anfangsstadium sind auch Arzneimittel pflanzlicher Herkunft eine gute, aber leider oft vernachlässigte Alternative bei der Schmerzbehandlung: Dass beispielsweise Extrakte der durchblutungssteigernden Brennnessel die entzündungsfördernden Botenstoffe in den Gelenkkapseln (Zytokine) beeinflussen, belegen Laborversuche. Empfehlenswert sind zudem eine Arthrose-gerechte Ernährung sowie gegebenenfalls eine Gewichtsreduktion. Denn eine Entlastung der Gelenke und des Stoffwechsels senkt die Wahrscheinlichkeit für einen entzündlichen Abbau des Gelenkknorpels.

Knorpelverlust an sich muss nicht immer gleich mit einer Prothese behandelt werden. In vielen Fällen eines örtlich begrenzten Knorpelschadens lässt sich der künstliche Gelenkersatz bei frühzeitiger Diagnose etwa durch eine biologische Knorpeltransplantation wieder regenerieren und der vorzeitige Verschleiß therapieren – insbesondere bei Knorpelschäden des Kniegelenks.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten will die moderne Arthrose-Therapie heute nicht mehr nur Schmerzen lindern und Entzündungen hemmen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr eine gelenkerhaltende Behandlungsstrategie und eine zufriedenstellende Gelenkfunktion für die Patientin/den Patienten.

Wie können Betroffene ihren Alltag mit der Krankheit trotzdem gut bewältigen?

Marquaß: Verständlicherweise neigen viele Arthrose-Patienten dazu, das betroffene Gelenk zu schonen. Doch ausreichende Bewegung ist für unsere Gelenke unerlässlich, sozusagen ein Lebenselixier: Da der Gelenkknorpel nicht direkt durchblutet wird, ist ein Mindestmaß an Bewegung erforderlich, um ihn über die Gelenkflüssigkeit mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen – und somit am Leben zu erhalten. Empfehlenswert ist ein maßvoller Sport, der die Gelenke schont. Ein sportmedizinischer Check klärt, welche Aktivitäten der Gesundheitszustand zulässt und welche Sportart am geeignetsten ist. Tabu bei Arthrose sind Handball, Squash, Fußball sowie andere verletzungsintensive Sportarten mit schnellem Richtungswechsel.

Paradebeispiele für gelenkschonenden Sport sind Radfahren und Schwimmen. Ein besonders schonender Ausdauersport ist das Wandern. Selbst im fortgeschrittenen Alter ist es problemlos möglich. Bei erheblichen Gelenkproblemen oder akuten Entzündungen, aber auch bei Erkältungen oder starken Schmerzen (etwa in Rücken oder Knien) sollte darauf jedoch verzichtet werden. Außerdem sollten Patienten mit Arthrose steile Wege und Gewaltmärsche unbedingt vermeiden.

Gartenarbeit ist grundsätzlich ein gesunder Ausgleich zum stundenlangen Sitzen vor PC oder Fernseher. Doch auch dabei sollte man es nicht übertreiben und einige rückenfreundliche Regeln beachten. Das orthopädische „Schon-Programm“ für Hobby-Gärtner beginnt mit Dehnungs- und Streckübungen zum Aufwärmen des Körpers vorab. Danach ist Maßhalten vor allem bei schweren Tätigkeiten ratsam.

Privatdozent Dr. Bastian Marquaß ist Chefarzt der Schulter- und Ellenbogenabteilung sowie stellvertretender Leiter der Knieabteilung der Gelenk-Klinik-Gundelfingen. Seine Behandlungsschwerpunkte sind Sportmedizin und Endoprothetik bei Knie-, Schulter- sowie Ellenbogenschmerzen.

(eee/spot)