2011 sollte der neue Flughafen Berlin Brandenburg (kurz BER) mit der bescheidenen Summe von zwei Milliarden Euro fertiggestellt werden. Stattdessen kostete das Großprojekt dreimal so viel und der BER wurde zum Running Gag für viele, die gar bezweifelten, jemals von dem Flughafen abzuheben.

BER Flughafen: Das waren die Pannen

Mangelnde Brandschutzvorrichtungen, zu kleine Kabelschächte, fehlerhafte Türen und zahlreiche weitere Pannen verschoben die Eröffnung des BER immer weiter und ließen die Kosten astronomisch steigen. Am Samstag fand dann doch das statt, an was viele nicht mehr glauben wollten: Der BER startete seinen Betrieb. Hat auch nur neun Jahre länger gedauert und schließlich sechs Milliarden Euro gekostet. Und wie sollte es anders sein beim Pech- und Pleitenflughafen gelang auch dieser Start nicht ganz pannenfrei…

Was wäre die Eröffnung des BER ohne Pannen

Der BER hat zahlreiche Bauherren kommen und gehen gesehen, war Opfer massiver Fehlplanung und zeigt anschaulich, wie sich das Versagen der Aufsicht bei Großbauprojekten niederschlagen kann. Nun kann man das Ganze natürlich verteufeln. Oder aber man nimmt es mit Humor, indem man zum Beispiel eine Runde des BER-Pannen Spielequartett spielt.

Kein Witz: Das BER Pannenquartett gibt es wirklich und man kann es hier kaufen.

Ob die drei weiteren Pannen, die sich bei der Eröffnung des BER abgespielt haben, wohl mit in das Quartett aufgenommen werden?

BER
Der BER soll zum neuen Prachtflughafen Deutschlands werden, leider ist er eher durch seine Pannen bekannt…(Photo: imago/Westend61)

Panne 1: Gesuchte Passagierin festgenommen

Einen Tag nach der Eröffnung landete eine 30-jährige russische Staatsbürgerin mit einer Maschine aus Istanbul am Terminal 1 des neuen Flughafens BER. Doof nur, dass bei der Passkontrolle festgestellt wurde, dass nach der Frau gefahndet wird, nachdem sie in Mecklenburg-Vorpommern verurteilt wurde.

Der offene Haftbefehl folgte auf den Fuß, konnte jedoch durch eine Geldbuße in Höhe von 2.500 € getilgt werden. Immer noch besser, als die 120 Tage in der Justizvollzugsanstalt abzusitzen … Um welche Straftat es sich handelte, ließ die Bundespolizei allerdings offen.

Panne 2: Verpatzter Touchdown

Nach neun Jahren Pannen war man sich einig, dass die Eröffnung des BER ohne großes Spektakel stattfinden sollte. Dennoch sollte es natürlich nicht an medienwirksamen Eröffnungsbildern mangeln. So war geplant, die ersten beiden landenden Maschinen zeitgleich und parallel landen zu lassen. Aufgrund des Wetters und schlechter Sichtverhältnisse mussten die Easyjet-Maschine und die Lufthansa-Maschine jedoch nacheinander auf der nördlichen Bahn landen.

Panne 3: Pinguine wollen die Eröffnung stören

Natürlich keine richtigen Pinguine, sondern AktivistInnen in Pinguinkostümen, die sich vor und im Flughafen protestierend niederließen. Die Initiative Am Boden bleiben wollte so die Eröffnung des BER blockieren. Nach Lena Tucnak, die der Bewegung angehört, wäre ein neuer Flughafen „in Zeiten der Klimakrise absoluter Wahnsinn“.

Und auch Extinction Rebellion, Fridays for Future und BUND der Jugend schlossen sich dem Protest an, der auch mit einem Protestmarsch ab dem S-Bahnhof Schönefeld und einer Fahrraddemo ab dem Platz der Luftbrücke begleitet wurde. 

Wir fordern eine drastische Reduktion der Luftfahrt, die Einstellung von Inlandsflügen, ein Ende der Subventionen für die Flugindustrie sowie den Ausbau von klimagerechten Alternativen.

– Clara Dilger von Extinction Rebellion 

In der Hoffnung auf eine pannenfreie Zukunft des BER

Es bleibt zu hoffen, dass der BER nach seiner Eröffnung eine pannenfreie Zukunft erleben und bald durch einwandfreie Abläufe alle Missgeschicke der Vergangenheit in Vergessenheit geraten lassen wird. Und das trotz des holprigen Starts, der vor allem deswegen zustande kam, weil versucht wurde, die Kosten möglichst gering zu halten. 

Übrigens: Die knappen sechs Milliarden Euro (5,98 Mrd.) sind nur die reinen Baukosten. Hinzu kommen noch die Kosten für Zinsen und Kredite von ca. 1,1 Milliarden Euro. Die Gesamtkosten liegen demnach bei stolzen 7,08 Milliarden Euro, mal davon abgesehen, dass die Corona Krise die Kosten noch weiter steigen lassen wird.

So sind zusätzliche Kosten von über zwei Milliarden Euro geplant, um den Flughafen größenmäßig an sein Passagieraufkommen anzupassen. Inwieweit die Corona-Pandemie sich auf diese Anpassungen auswirken wird, bleibt abzuwarten. Zudem sollte es nicht allzu lange dauern, bis erste optische Anpassungen nötig werden, immerhin sorgten die Bauverzögerungen auch dafür, dass der BER an manchen Stellen etwas aus der Zeit gefallen wirkt

Apropos Corona: Obwohl der Lockdown bald kommt, sollten wir darauf achten, dass wir die AHACL-Regeln einhalten. Dieses vergessene Symptom ist wieder da und 85 % der Betroffenen sind coronafrei