Leute, wir müssen reden: Nach einer ganzen Woche des Hasses gegen zwei Gründer, die versuchten sich mit dem Verstecken von Periodenblut ein goldenes Näschen zu verdienen, gehen wir nun über in den Hass gegen verzweifelte Schauspieler:innen. Kommando zurück und erstmal durchatmen bitte! Eine Meinung zum #allesdichtmachen-Gate.

#allesdichtmachen: Was soll das eigentlich?

#allesdichtmachen ist ein Hashtag, der gerade für viel Empörung in der Twitter– und YouTube-Welt sorgt. Warum? Deutsche Schauspieler:innen haben sich satirisch zu die Lockdown-Regeln geäußert. In 53 verschiedenen Videos bereiteten Stars wie Heike Makatsch und Jan-Joseph Liefers ihre persönliche Meinung zur ständig wechselnden Corona-Politik auf.

#allesdichtmachen: Ironie Detektor on

Tatort-Star Jan-Joseph Liefers bedankt sich in seinem Video bei den Medien, dafür, dass sie die Regierungsmaßnahmen immer ruhig und informationskonform weitergetragen hätten. Er rät den Menschen allem zuzustimmen, was man ihnen sagt und auf keinen Fall selbst zu denken.

Schauspieler Kostja Ullmann rät den Menschen dazu, sich bei niemandem mehr zu melden. Denn wenn man sich auf dem Telefon hört, dann wolle man sich auch sehen. Seine Konsequenz: Lieber alle Kontakte löschen, damit man sich nicht anstecken kann.

Viele der Aussagen der Schauspieler:innen drehen sich um die Freiheitsrechte der Menschen und die Verzweiflung der verkopften Corona-Zahlen. Die Schauspieler:innen berichten davon, wie sehr die Statistiken und die Regelungen die Menschen verwirren. Niemand blicke mehr durch, so die #allesmachtdicht-Vereinigung.

Bei #allesdichtmachen geht es darum, dem eigenen Schmerz Ausdruck zu verleihen. Der trendender Hashtag kommt vielleicht nicht besonders seriös daher, doch diese 53 Schauspieler:innen scheinen ein echtes Problem zu haben. Das Problem, das wir alle haben: Corona.

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Warum die Pinky Gloves aus „Höhle der Löwen“ eine Unverschämtheit sind? Lies es unten nach. Credit: VNOW, Frank W. Hempel /lastspark via Canva [M]

Von #pinkygate zu #allesdichtmachen-Gate?

Die Aufregung und der Shitstorm zu #allesdichtmachen ist durchaus gerechtfertigt. An vielen Stellen. Aber nur bis zu einem gewissen Grad. Es ist gerade nicht an der Zeit, einen „Lockdown für immer“ zu fordern und sich sarkastisch gegen die Corona-Regeln zu wehren, obwohl überall in Deutschland noch immer Menschen sterben.

Aber bitte, liebes Internet! Lasst uns auf dem Teppich bleiben. Wir sitzen hier alle im selben Boot. 53 Schauspieler:innen haben ihrer Wut Luft gemacht. Das war scheiße. Was solls. Kopf hoch und weiter gehts.

Letzte Woche bei „Die Höhle der Löwen“ traten zwei Erfinder auf, die einen Handschuh entwickelt hatten, der Tampons „diskret“ entsorgen kann. Die Unnötigkeit dieses Produkts ist fast nicht in Worte zu fassen. Die Erfinder des Tampon-Entsorgungs-Tools hatte für so viel Shitstorm gesorgt, dass die Erfinder sogar Morddrohungen bekommen hatten.

Wir wollen nicht, dass es endet wie beim #pinkygate. Wir brauchen selbst in einem Corona- und Einsamkeits-verseuchten Deutschland ein bisschen mehr Verständnis, ein bisschen weniger Shitstorm und ein bisschen mehr Gnade. Auch dann, wenn jemand Mist gebaut hat. Meine Meinung.