Bisher gelten im Supermarkt nach wie vor die gängigen Corona-Maßnahmen. Demnach muss die Kundschaft immer noch Abstand halten und zum Schutz einer Infektion eine Maske tragen. Doch schon bald könnte das der Vergangenheit angehören, zumindest für geimpfte und genesene Personen. Was vor ein paar Monaten noch als verfassungswidrig angesehen wurde, könnte in einem Bundesland Realität werden. Wo Ungeimpfte bald nicht mehr Einkaufen können und was 2G im Supermarkt wirklich bedeutet, erfährst du hier.

Hessen möchte 2G-Regel im Supermarkt

Hessen hat keine Lust mehr auf weitere Beschränkungen im Einzelhandel und hält als erstes Bundesland die 2G-Regel im Supermarkt für eine Option. So verkündete der hessische Ministerpräsident bereits am Dienstag eine Neuerung, die besonders für Ungeimpfte zum Nachteil ausfallen wird.

Ab jetzt haben die hessischen Betriebe nämlich selbst die Wahl, ob sie ihre Türen ausschließlich für Geimpfte und Genesene öffnen wollen. Nur so dürfen in den Geschäften Masken und Abstandsregeln wegfallen. Das Gleiche gilt dann auch für den Supermarkt und Discounter wie Aldi, Lidl und Co.

Die Entscheidung, ob in den Läden des täglichen Gebrauchs Ungeimpfte nun der Zutritt verwehrt wird, obliegt demnach der Supermarkt-Leitung. Und auch gesetzlich scheint das Bundesland damit auf der sicheren Seite zu sein, was ein Gerichtsurteil im letzten Monat zeigt. Im September 2021 klagte eine Händlerin von Grillzubehör gegen das Verbot, nur noch Genesene oder Geimpfte in ihren Laden zu lassen und bekam vom Verwaltungsgericht Recht.

Das ist das Gute am 2G-Modell

Während viele Menschen über das 2G-Modell schimpfen, hat es auch seine guten Seiten. Denn sollte es bei einer Veranstaltung dieses Modell geben, fallen die anderen Regeln, an die wir uns während der Coronazeit nur schwerlich gewöhnt haben, komplett weg. Somit müssen wir keine Abstandsregeln mehr einhalten und auch keine Masken mehr tragen. Auch müssen keine Kapazitätsbnegrenzungen mehr eingehalten werden.

Sollten sich Veranstaltende dazu entschließen, das Modell bei sich einzuführen, müssen sie dies mindestens drei Tage zunächst beim Gesundheitsamt anmelden.

2G-Regel im Supermarkt verfassungswidrig?

Wie zu erwarten sind nicht alle mit der Entscheidung Hessens einverstanden. Sollte die 2G-Regel wirklich durchgesetzt werden, hätten rund 35 Prozent der deutschen Bevölkerung keinen Zugang mehr zu Aldi, Lidl und Co. Dementsprechend ist es auch relativ unwahrscheinlich, dass bald in ganz Deutschland Ungeimpften der Zutritt in Supermärkte verwehrt wird.

Doch kann das Bundesland diese Regelung wirklich umsetzen? Schließlich gehören Supermärkte zum Bedarf des täglichen Lebens dazu und müssten eigentlich uneingeschränkt möglich bleiben. Ob die Entscheidung Hessens wirklich Bestand hat oder ein Eingriff in ein wichtiges Grundrecht ist, wird sich zeigen.

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Keine Handschuhe an: So verhalten sich die meisten im Supermarkt. Credit: IMAGO / ANP

2G-Modell auch im Bus?

Bisher galt das 2G-Modell als indiskutabel in allen Bundesländern – Sachsen zieht es aber nun ernsthaft in Betracht. Die sächsische CDU hatte den Vorschlag, nur noch Geimpfte und Genesene im Einzelhandel zuzulassen, ins Gespräch gebracht, so berichtete es die Leipziger Volkszeitung. Dieser wurde sehr schnell von aufgeregten Wählenden kritisiert worden. Das Sozialministerium hatte daraufhin eine Meldung herausgebracht, dass es zunächst keine Veränderung der Abstands- und Maskenregelungen geben werde.

Besonders heikel werden die Gespräche um das 2G-Modell natürlich, wenn es um die Grundrechte der Menschen geht. Dazu gehören Einrichtungen wie Supermärkte oder auch der öffentliche Personennahverkehr. Die Frage, ob ein 2G-Modell also auch in Bussen und Bahnen greifen kann, ist dabei durchaus gerechtfertigt.

Allerdings ist dies nicht so einfach durchzusetzen. Da das 2G-Modell als Optionsmodell eingeführt wurde, müssen die Betreibenden sich aktiv dafür entscheiden. Im öffentlichen Personennahverkehr ist eine solche Vorschrift (noch) nicht möglich. Allerdings ist es für Privatunternehmen durchaus möglich, sich für dieses Modell zu entscheiden. Es würde Bus- und Bahnunternehmen sogar einen gewissen finanziellen Vorteil bringen, da sie dann nicht mehr auf die Kapazitätsgrenzen im Bus aufpassen müssen.

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Streik der Lokführer. Infotafel im Hauptbahnhof Stuttgart. Credit: IMAGO / Arnulf Hettrich

Sachsen und welche Bundesländer noch?

Bis auf Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Bayern, Nordrhein-Westfalen sowie Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein wollen die anderen Bundesländer 2G als Optionsmodell einführen. Dabei obliegt die Entscheidung in vielen Bereichen wie der Gastronomie oder anderen Veranstaltungen beim jeweiligen Betreiber.

Dieser entscheidet dann, ob der Zutritt zu den Innenräumen nur für Geimpfte oder Genesene (2G) erlaubt ist, oder auch für Getestete (3G). Sollte das 2G-Modell greifen, fallen Corona-Einschränkungen wie Abstandsregeln oder die Maskenpflicht weg.

Was ist nochmal 3G und 2G? Die drei großen Gs in der Coronakrise sind: Getestet, Geimpft oder Genesen. Nur wenn eines dieser Kriterien erfüllt ist, können wir in öffentlichen Räumen verweilen. Söder und andere Politiker:innen wollen aber 2G einführen, also nur noch Geimpfte und Genesene zulassen.

2G oder 3G? Hamburg setzte ein Beispiel

Hamburg ist derzeit Vorreiter für das neue 2G-Konzept der Bundesregierung und viele sind bereits auf diesen Zug aufgesprungen. Der Bürgermeister Hamburgs entschied sich dazu, nicht mehr allen Menschen in öffentlichen Gebäuden Zutritt ermöglichen. So wird es ab jetzt beispielweise in der Hamburger Gastronomie ein 2G-Konzept geben, über das die Gastronomen komplett selbst entscheiden dürfen. Das bedeutet: Entweder halten sie die Abstands- und Hygieneregeln und 3G-Regeln ein, oder sie halten sich strikt an die neuen 2G-Regeln. So einfach ist das.

Wofür sich die Gastronom:innen Deutschlands entscheiden? Angesicht der Tatsache, dass sie aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln weniger Gäste begrüßen dürfen, werden sich viele für 2G entscheiden. „Da geht mit bares Geld durch die Lappen“ sagt der Gastronom Hannes Schröder in den Tagesthemen vom 24.08.2021.

3G oder 2G auch in den Supermärkten?

Die große Frage, die aber noch im Raum steht: Kommt 3G oder 2G in den Supermärkten? Markus Söder hat diese Frage bereits für sich beantwortet. Er ist sich sicher, dass wir in Deutschland nicht drumherumkommen in öffentlichen Einrichtungen das Konzept von 2G zu einer Notwendigkeit zu machen. Wenn die Zahlen noch weiter in die Höhe klettern, wissen wir alle, was folgt: Die Regeln beim Einkaufen und in anderen öffentlichen Einrichtungen werden sich verschärfen. Es müssen bessere Hygienekonzepte her.

Die Testpflicht soll Schlimmeres verhindern

Der Bundesregierung ist vor allem eines wichtig: Einen harten Lockdown will sie im Herbst und im Winter um jeden Preis vermeiden. Das hat der deutschen Bevölkerung bereits einen ziemlichen Dämpfer verpasst. Nicht nur weil wir Zuhause bleiben musste und uns gelangweilt haben. Die Wirtschaft hat unter den harten Maßnahmen sehr gelitten. Um das zu vermeiden, sollen nun härtere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Ein Corona-Schnelltest im Supermarkt für Ungeimpfte soll da helfen.

Diese anderen Regeln gelten im Supermarkt

Wir können damit rechnen, das geht aus dem Maßnahmenpapier des Bundesgesundheitsministeriums hervor, dass auch weitere Regeln bis zum Frühjahr 2022 gesetzlich weiter verschärft werden. Diese Maßnahmen zur Coronabekämpfung kennen wir bereits und die meisten Menschen haben sich damit abgefunden.

  • Abstand von 1,5 Metern
  • Maskenpflicht
  • Plastikhandschuhe oder Tüten nutzen, um im Supermarkt frische Produkte zu greifen
  • Auch die Einkaufswagenpflicht wird zurückkommen, wenn die Regeln im Herbst verschärft werden.

Kontrollen, um die Testpflicht durchzusetzen

Treten die neuen Regeln tatsächlich in Kraft, müssten wir immer entweder einen Coronatest dabei haben oder einen Impf- oder Genesenenausweis bei uns tragen. Das ist eine sehr schöne Idee, doch wer soll das kontrollieren? Diese Frage kann die Bundesregierung noch nicht genau beantworten. Vor jeden Supermarkt Deutschlands eine: Kontrolleur:in zu stellen wäre sehr viel Aufwand. Auch die Schlangen vor den Supermärkten würden sicherlich enorm lang werden

Selbst die Flugbehörde IATA rät von manuellen Kontrollen ab, da diese für große Wartezeiten sorgen könnten. Bereits im Frühjahr waren die langen Schlangen vor dem Einzelhandel ein negativer wirtschaftlicher Faktor. Es muss eine andere Lösung her, am besten wäre eine digitale Einlasskontrolle. Doch bis heute hat die Bundesregierung eine solch noch nicht released.

Corona-Regeln: Die Stufenpläne Niedersachsen, Hessen & Bayern

In Niedersachsen, Hessen und Bayern gilt ein Stufenplan, nachdem die Inzidenzwerte über die strengeren Auflagen beim Einkaufen entscheiden. Ab Stufe 2 gelten hier schärfere Regeln. So sieht der Stufenplan aus:

  • Stufe 0: Inzidenz von unter 10 (keine neuen Regelungen)
  • Stufe 2: Inzidenz von über 35 (800 m² große Märkte, für jede:n Kund:in sind 10 m² Platz)
  • Stufe 3: Inzidenz von über 50 (3G-Regelung wird angewandt)

Übrigens: Die Corona-Regeln für Supermärkte könnten wie letztes Jahr zu langen Schlangen führen

Nicht nur im Supermarkt: Hier braucht man auch einen Test

Die Testpflicht für Ungeimpfte ist natürlich nicht nur auf den Supermarkt beschränkt. Vielmehr geht es hier allgemein um öffentliche Räume, in denen Menschen relativ eng beieinander sind. Ein Impfnachweis ist natürlich nach wie vor die beste Art und Weise, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Derzeit sind in Deutschland bereits 57% durchgeimpft. Der Rest der Deutschen muss und sollte in diesen Etablissements auf einen Test zurückgreifen.

  • Möbelhaus
  • Restaurant
  • Frisör und Nagelstudio
  • Mall und Kleidergeschäft
  • Kino
Hamsterkäufe schlange stehen supermarkt
Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie sorgten lange Schlangen für Frust. Foto: shutterstock/Jennifer M. Mason /

Auch wichtig: Bürgertests sollen ab Mitte Oktober nicht mehr kostenfrei zur Verfügung gestellt und von da an selbst bezahlt werden. Ausnahmen gelten hier möglicherweise dann nur noch für die Menschen, die aus alters- oder gesundheitlichen Gründen keine Impfung erhalten können.

So machen es andere Länder 

In anderen EU-Ländern wie zum Beispiel in Italien, finden die Kontrollen an Restaurants, Museen und Co. schon lange digital statt. So werden am Eingang Automaten platziert, die über eine App oder einen QR-Code die EU-Gesundheitszertifikate auslesen können. Diese prüfen dann die Impfbescheinigungen, Genesungsnachweise oder digitalen Testnachweise nach Gültigkeit. Grün bedeutet, man kann eintreten, rot, man muss draußen bleiben.

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