In unserer Kolumne „Die Börse für Anfänger“ wollen wir euch auf eine Reise durch den deutschen Aktienmarkt mitnehmen. Es gibt viele Gründe, warum man eigentlich besser gestern als heute damit beginnt, sich mit der Börse zu beschäftigen. Wir erklären dir, warum das so ist und zeigen dir, dass es gar nicht so schwierig ist, wenn man einmal angefangen hat. 

Kolumne „Die Börse für Anfänger“: Wer spricht hier?

Timo Klein ist Börsenexperte mit Leib und Seele. Und das mit gerade einmal 23 Jahren. Sein Buch Endlich Aktien und Börse verstehen ist die ideale Einstiegslektüre für alle, die keine Ahnung von Anlegen haben, aber hochmotiviert sind.

Mona Schäffer (wmn-Redakteurin) ist genau das: hochmotiviert, ihre Schäfchen ins trockene zu bringen, aber absolut ahnungslos, wenn es um Aktien- und Börsenangelegenheiten geht.

Im Interview klären wir die Grundlagen des Börsenwissens: Warum bringt sparen nichts? Was blüht uns durch die Inflation? Wann und wie fange ich an der Börse an, auch wenn wir gerade in einer weltweiten Krise stecken? Wo sind die größten Fallen an der Börse für Anfänger?

Mona: Wieso sollte man dir vertrauen, was Geld angeht? Immerhin bis du ja erst 23 Jahre alt.

Timo: Ich habe einfach schon früher angefangen als die meisten. Nachdem ich ein halbes Jahr in Autralien verbrachte (ja, ich bin die klassische Lisa), habe ich direkt mein BWL-Studium begonnen. Dadurch weiß ich heute viel über Geld und seine Verwaltung. Neben dem Studium habe ich bereits angefangen, mich mit der Börse zu beschäftigen. Ich habe Bücher gewälzt, Webinare besucht und mit Experten gesprochen. Dann habe ich auch direkt angefangen zu investieren. Also habe ich durchaus schon einiges an Erfahrung.

Mona: Bist du durch deine Eltern an die Börse und den Aktienmarkt gekommen?

Timo: Nein, das war alles Eigeninitiative. Mein Vater ist selbstständiger Küchenmonteur. Meine Mutter arbeitet zwar in der Bank, aber am Schalter. Die hat mit den Hintergründen der Börse auch nicht viel am Hut.

Timo Klein
Timo Klein ist 23 Jahre jung Börsenprofi.

Mona: Verrückt eigentlich. Normalerweise sind es doch gerade die Menschen, die von kleinauf damit aufgewachsen sind, die zu Anlegeprofis werden.

Du sagst, dass das Sparen Schwachsinn ist. Warum ist das so und was sollten wir stattdessen tun?

Timo: An sich ist das Sparen schon okay. Aber macht es bitte nicht über ein Sparbuch oder so einen Quatsch. Auf die Sparbücher, die noch von anno dazumal bestehen, werden fast keine Zinsen mehr gezahlt. Und wenn man gleichzeitig mal sieht, was man am Kapitalmarkt herausholen kann, ist das schon die deutlich sinnvollere Methode zum Vermögensaufbau. 

Mona: Also auf ein Sparbuch bekommt man gar nichts mehr?

Timo: Nach meinem letzten Stand bekommst du maximal noch 0,02% Zinsen auf das Geld auf dem Sparbuch. Und wenn du dir gleichzeitig die Inflation in Deutschland anschaust, dann bemerkst du sehr schnell, dass du eigentlich nur Geld verlierst. Wir haben jedes Jahr eine Inflation von gut 2%. Du verlierst also jährlich gut 2% deines Gesparten, wenn du es einfach nur auf der Bank liegen lässt.

Die Inflation wird am krassesten an einer Kugel Eis deutlich: Im Jahr 1985 kostete sie im Schnitt 0,30 DM pro Eiskugel. Im Jahr 2020 zahlen wir mehr als 1 € pro Eiskugel. Inflation bedeutet also, dass du für dein Geld immer weniger Ware bekommst. 

Mona: Deprimierend. Aber du meinst das Mittel zum Zwecke, um der Inflation ein Schnippchen zu schlagen, ist die Börse.

Wie macht man einen erfolgreichen Anfang an der Börse?

Timo: Ich kann nur immer ssagen: Starte so früh wie möglich. Erstmal anfangen und dann wird sich der Rest schon fügen. Ich habe auch mit gut 100 € an der Börse angefangen. Du musst ja erstmal herausfinden, ob es dir Spaß macht und ob du dich tiefer da reinfuchsen willst. 

Zu Beginn macht man ja ohnehin viele Fehler. Auch ich. Am Anfang habe ich gedacht, ich mache das schnelle Geld. Ich habe mir eine Deutsche Bank- Aktie gekauft und die nach einem Monat verkauft und damit 10 € verdient. Das ist aber nicht mehr der Weg, den ich gehen würde. Du solltest schon langfristig planen und nicht das schnelle Geld machen wollen.

Mona: Wie viel Geld brauche ich denn überhaupt, um anzufangen? 

Timo: Mehr ist besser als weniger, denn man kann es weiter streuen. Mehr dazu später.

Tu es aber wirklich nur, wenn du das Geld, das du in die Börse steckst, mindestens für die nächsten 5 Jahre nicht brauchst. Eigentlich aber länger. Nichts ist deprimierender, als das langfristig angelegte Geld wieder aus dem Börsenmarkt herausholen zu müssen, weil man es anderweitig braucht. Gerade in Zeiten von Corona sind viele Aktien gefallen. Wenn du in einer solchen Zeiten verkaufen musst, dann ist das wahrscheinlich ein Verlustgeschäft.

Investiere nur das Geld, welches du kurzfristig nicht brauchst.

– Timo Klein

Mona: Wann rechnest du denn damit, das Geld wieder aus den Aktien herauszuholen?

Timo: Im Moment gar nicht. Ich sehe das als meine Altersvorsorge. Ich setze darauf, dass ich das Geld in den nächsten 20-30 Jahren nicht mehr anfassen muss, sondern nur noch mehr dazu gebe. Das ist meine Herangehensweise an den Aktienmarkt. Am Anfang dachte ich, man könnte an der Börse das schnelle Geld machen, aber so läuft das im Normalfall nicht. 

Mona: In deinem Buch stand dazu ein sehr schlaues Zitat von André Kostolany (ungarischer  Börsen- und Finanzexperte): “Wenn du gut essen willst, kaufe dir Aktien. Wenn du gut schlafen willst, dann kaufe…”

Timo: “…Anleihen”. Ganz genau, denn Aktien können extrem schwanken, wenn wirtschaftliche Horrorszenarien wie beispielsweise Corona passieren. Da kann es sein, dass die Aktie heute 100 € wert ist und morgen nur noch 20 €. Da muss man sich schon sehr gut auskennen mit dem Unternehmen. 

Wenn du gut essen willst, kaufe dir Aktien. Wenn du gut schlafen willst, dann kaufe Anleihen.

– André Kostolany

Mona: Und sollte man dann darauf hoffen, dass sie im Wert wieder steigt?

Timo: Theoretisch ja. Natürlich gibt es immer Aktien, wo man bereits weiß, dass sie nicht mehr im Wert steigen werden. Wirecard wird sich beispielsweise aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr erholen.

Corona ist da aber ein gutes Gegenbeispiel. Im März und April sind die Aktienpreise sowas von in den Keller gefallen und ganz viele Menschen haben Panik bekommen und ihre Aktien für einen Spottpreis abgestoßen. Die Märkte haben sich aber inzwischen so sehr erholt, dass man – rein rational – sagen muss, dass es ein großer Fehler war.

Man sollte sich einfach eines merken: Kaufe niemals Aktien eines Unternehmens, von dem du nicht zu 100% überzeugt bist. Dann verkaufst du auch nicht so schnell, sondern bleibst langfristig am Ball.

Kaufe niemals Aktien eines Unternehmens, von dem du nicht zu 100% überzeugt bist.

– Timo Klein

Mona: Welche Unternehmen sind denn in der Coronakrise komplett insolvent gegangen?

Timo: Naja, es gab dieses Jahr Fälle, in denen Geschäftsführer Gebrauch des sogenannten Big Baths gemacht haben.  Das bedeutet, dass Unternehmen Insolvenz anmelden, die auch ohne die Krise aller Wahrscheinlichkeit nach pleite gegangen wären. So kann man man sehr einfach der Coronakrise die Schuld an der Pleite geben. So hat es beispielsweise Vapiano und die Modekette Adler gemacht. 

Mona: Aktien, investieren, Altersvorsorge… Das klingt für die meisten Ohren erst einmal sterbenslangweilig. Hast du einen Tipp, wie man die ganze Welt der Aktien spannender für uns Normalsterbliche machen kann?

Timo: Ja, klar. Lest mein Buch! (lacht)

Nein, ohne Scherz: Das ist einer der beiden Gründe, warum ich das Buch geschrieben habe. Viele assoziieren die eigenen Finanzen einfach nur mit einem ultratrockenen Thema. Das liegt aber teilweise daran, wie diese Themen vermitteln werden. Es gibt beispielsweise gute YouTube-Kanäle, wo das Thema locker und spannend aufbereitet wird. 

Und auch in meinem Buch versuche ich alles so anschaulich und auf Augenhöhe wie möglich zu beschreiben. Mein Buch ist für blutige Anfänger geschrieben und nicht von oben herab. 

Der zweite wichtige Punkt, der den Menschen die Börse schmackhaft macht, ist ganz einfach. Ich frage die Leute: “Wie steht es eigentlich um deine Altersvorsorge?” Denn wenn man sich einmal das deutsche Rentensystem anschaut, dann wird schnell klar, dass das für die meisten Menschen echt bitter aussieht. 

Wir müssen entweder arbeiten bis wir 70+Jahre alt und gebrechlich sind, oder wir müssen unsere Rentenbeiträge um einiges erhöhen. Es gäbe auch noch die Möglichkeit, die jetzigen Rentenzahlungen zu kürzen. Das sind aber alles keine optimalen Lösungsansätze. 

Deswegen ist es so unfassbar wichtig, dass wir uns selbst darum kümmern, im Alter nicht mittellos dazustehen. Denn wir arbeiten ja genau darauf hin, das Alter genießen zu können, zu reisen und sein Leben zu genießen. Denn dann haben wir Zeit für soetwas.

Mona: Ich hatte mich schon darauf eingestellt, im Alter billig backpacking zu machen… Aber dann kann ich ja doch mit 80 Jahren Luxusurlaube erlauben!

Sag mir doch mal, mit wieviel Geld ich an der Börse anfangen sollte?

Timo: Wenn du nur 100 € hast, dann investiere alles. Aber tue es nicht blind, denn dann kannst du nur verlieren. 

Wenn du 10.000 € hast, dann nimm erst mal die Hälfte und investiere in verschiedene Unternehmen à 500 €. Dann bist du schon einmal recht breit aufgestellt. Behalte dir aber auf jeden Fall eine Cash-Reserve.

Mona: Was soll ich mit der Cash-Reserve dann machen?

Timo: Mit dieser kannst du agil in Aktien investieren. Die Coronakrise ist da wieder ein gutes Beispiel: Während viele Aktien gefallen sind, haben andere Unternehmen sehr davon profitiert: Zalando, die Deutsche Post, Amazon. Wenn du solche Unternehmen in deinem Portfolio hast und einen Trend erkennst, würdest du die ja nicht verkaufen, sondern vielleicht sogar noch mehr kaufen. Dafür brauchst du deine Cash-Reserve.

Mona: Ist es also jetzt gerade während der Krise sinnvoll, in Aktien zu investieren?

Timo: Grundsätzlich ja. Es ist aber so, dass wir gerade jetzt in einem Allzeithoch sind. Die Aktienkurse sind wieder enorm gestiegen und Unternehmensanteile sind dementsprechend teuer. Zwischen März und April war es sehr günstig zu kaufen, aber derzeit würde ich selbst auch nicht unbedingt was kaufen.

Mona: Und wie fange ich das Ganze überhaupt an? Hast du handfeste Tipps für die ersten Schritte an der Börse?

Timo: Du solltest erst einmal wissen, welcher Typ du bist. Als Anfänger an der Börse würde ich dir nicht dazu raten, in einzelne Aktien zu investieren. Da muss man sehr hinterher sein und den Markt gut kennen. 

Wenn du dich noch nicht so gut auskennst, dann würde ich dir einen ETF empfehlen. Gegen eine kleine Gebühr bilden ETFs einen Index nach, in dem verschiedene Unternehmen vorhanden sind. Ein Index ist zum Beispiel der deutsche DAX (Deutscher Aktienindex). Wenn du einen ETF auf den DAX hast, macht er genau die gleichen Gewinne oder Verluste wie der echte DAX. Das ist die Faulenzer-Variante. 

Mona: Wie viel Zeit verbringst du denn damit, dich nach neuen Unternehmen umzuschauen und zu recherchieren, welche Aktie du kaufen willst?

Timo: Schwer zu sagen. Während Corona habe ich mich viel mehr damit beschäftigt. Vor allem habe ich Unternehmen beobachtet, in denen ich viel Potenzial sehe und die während der Krise besonders billig geworden sind. 

Wenn du aber erst einmal ein Portfolio aufgebaut hast und eine Watchlist hast, dann ist es eigentlich nicht mehr viel Arbeit. Ich sitze nicht jeden Abend da und checke die genauen Kurse. Das kann einen total verrückt machen. Man sollte es langfristig angehen lassen und sein Geld für sich arbeiten lassen.

Man sollte sein Geld für sich arbeiten lassen.

– Timo Klein 

Mona: Ich höre diesen Satz so ungern, weil mein Geld einfach absolut gar nicht für mich arbeitet. 

Timo: (lacht) Dann machst du wohl was falsch.

Mona: Wohl wahr!

Timo Klein wird uns in den nächsten Monaten mit seiner Expertise begleiten, bis wir als Anfänger eine umfassende Übersicht über die ersten Schritte an der Börse haben. In dieser monatlichen Kolumne werden Timo am lebenden Beispiel einen Deep Dive in die Problematiken und Chancen von ETFs, Fonds, Portfolios und Aktien machen. Seid live dabei und verdient mit uns euer erstes Geld am Stockmarkt.

Zur optimalen Vorbereitung bitte jeder Timos Buch Endlich Aktien und Börse verstehen 🛒 lesen. Danke.

Bis dahin schon mal ein wenig Geld sparen? DAS solltest du Donald Trump zufolge mit 100 € tun.

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