Ob im Job, der Ausbildung, in der Schule oder an der Uni: Überall werden wir mit Kritik konfrontiert. Und dennoch tun wir uns manchmal mehr als schwer damit, Kritik anzunehmen. Vor allem wollen wir uns bei vermeintlich schlechtem oder unfairem Feedback direkt verteidigen und rücken in eine Abwehrhaltung. Wir zeigen dir, was es braucht, um Feedback gekonnter anzunehmen und letzten Endes sogar daraus zu lernen.

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Kritik annehmen bedeutet nicht, sie still auszusitzen

Viele Ratgeber meinen, man müsse die Kritik, vor allem die von hierarchisch höheren Stellen, einfach still aussitzen und sich im Nachgang konstruktiv damit auseinandersetzen. Das ist in erster Linie richtig. Vor allem die Beschäftigung mit dem Feedback wäre Expert:innen zufolge wichtig, um voranzukommen. Doch für eine ausgewogene Feedbackkultur muss die Kritik längst nicht nur still hingenommen werden.

Nachdem die Kritik geäußert wurde, kann und sollte durchaus eine Kommunikation stehen. Die Betonung liegt dabei auf dem Wörtchen nachdem. Mittendrin sollte keine Kritik unterbrochen werden. Kritik, so kann man vereinfacht sagen, basiert auf einer Gegenseitigkeit, die neben dem Inhalt der Kritik eben auch die Bedürfnisse beider Beteiligten betrifft. 

Frau nachdenklich
Kritik annehmen bedeutet in erster Linie, sie zu durchblicken: Wer spricht, warum, wie betrifft das meine Bedürfnisse und was wird überhaupt gesagt?(Photo: imago images/Westend61)

Erst, wenn man die drei Perspektiven von Inhalt, den Wünschen des Gegenübers und die eigenen Bedürfnisse durchblickt, ist man Expert:innen zufolge überhaupt in der Lage, Kritik inhaltlich anzunehmen. Nur, wer diese drei Ebenen bedenkt, ist zudem gewahrt davor, sich direkt in eine rechtfertigende Abwehrhaltung zurückzuziehen.

Und wie kommt es, dass wir uns so häufig in dieser Abwehrhaltung wiederfinden? Vor allem, wenn negative Kritik geäußert wird, verletzt das unser Selbstbild und stimmt nicht mit der Meinung überein, die wir selbst von uns haben. Die Folge? Wir fühlen uns entweder bedroht und setzen entweder zum Angriff an oder aber wir ziehen uns trotzig zurück, lecken unsere Wunden und verteufeln die Person hinter dem Feedback.

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Kritik annehmen bedeutet Übung! Wir geben dir 5 Tipps.(Photo: imago images/Westend61)

So schaffst du es, gekonnt Kritik anzunehmen

Kritik annehmen ist ein Drahtseilakt und will gelernt sein. Selbst, wer meint, alle drei Perspektiven durchblickt zu haben, kann sich nach einem Feedbackgespräch noch gekränkt fühlen und einen Dämpfer in Sachen Selbstwert verpasst bekommen.

Auch die Karrierecoachin Shadé Zahrai weiß um diesen schmalen Grat und greift das Thema Kritikfähigkeit daher in einem ihrer TikTok-Videos auf, in denen sie vor allem jungen Frauen Businesstipps erteilt:

Shadé empfiehlt unter anderem, dass man Kritik niemals persönlich nehmen sollte. Weiter sollte man die Kritik wertschätzend annehmen und Floskeln nutzen wie: „Danke, dass du mir dieses Feedback gibst!“ Danach wäre es ratsam nachzufragen, welchen Part man im Detail hätte besser machen können und zuletzt läuft man einen echten Homerun, wenn man auch noch proaktiv eine Lösung anbietet.

Das klingt alles leicht, hinterlässt aber immer noch Fragen? Die folgenden fünf Tipps zeigen dir detailliert, wie du Kritik annehmen kannst und das Beste daraus machst…

1. Hinterfragen

Kommunikation, so wichtig sie auch sein mag, bietet immer Raum für Missverständnisse. Gerade, wenn es darum geht, Kritik anzunehmen, man sich also auf dünnem Eis in Sachen Kommunikation befindet, sollte man daher sichergehen, alles richtig zu verstehen. Die Devise? Dinge hinterfragen, Sätze nach eigenem Verständnis wiederholen und Rückfragen stellen. 

Tipp: Um die Kritik nicht zu unterbrechen, kann es hilfreich sein, sich Notizen zu machen, auf die man im Nachgang zurückgreifen kann.

2. Ausreden lassen

Kritik und Feedback annehmen, das heißt in erster Linie zuhören. In keinem Fall sollte man dem Feedbackgeber ins Wort fallen. Sollten Rückfragen aufkommen, die keineswegs warten können, solltest du dich vorsichtig bemerkbar machen und fragen, ob du an dieser Stelle bereits etwas dazu sagen darfst. Besser fährst du jedoch damit, dich gesammelt nach der Kritik zu einigen Punkten zu äußern, um eine wertschätzende Kommunikation zu ermöglichen.

Frau Geländer
Kritik sollte man niemals persönlich nehmen, bzw. die nötige Distanz zu ihr wahren.(Photo: imago images/Westend61)

3. Distanz wahren

Konstruktive Kritik wird in den meisten Fällen in einem Umfeld geäußert, in dem du wachsen und an deinen eigenen Fähigkeiten arbeiten kannst. Hier geht es nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern um professionelle Ratschläge, die dich voranbringen. Lasse Kritik nicht zu nah an dich heran.

4. Bedanken

Kritik zu bekommen, ist, auch wenn es im ersten Moment nicht so wirken mag, das Beste, was dir passieren kann. Denn Kritik hilft dir, zu verstehen, wie andere Leute deine Leistung bewerten und wie du besser werden kannst. Jedenfalls dann, wenn du dich angemessen mit der Kritik auseinandersetzt. Statt beleidigt zu sein, versuche, Kritik anzunehmen, bedanke dich und lerne aus ihr. 

5. Mit der Kritik arbeiten

Kritik annehmen bedeutet nicht zuhören und als lonely wolf weiterarbeiten. Kritik annehmen bedeutet viel mehr, zusammenzuarbeiten. Dein Gegenüber nimmt sich die Zeit, dich zu bewerten. Nimm du dir anschließend die Zeit, mit der Kritik zu arbeiten. Denke die Kritik weiter, mache Vorschläge für die Zukunft und treffe Vereinbarungen. Zeige deinem Gegenüber, dass du die Kritik wertschätzt und sie nicht nur annimmst, sondern auch umsetzt. 

Kritik annehmen bedeutet in erster Linie Arbeit an sich selbst

Nicht jede zukünftige Kritik wird konstruktiv sein, nicht jede wird deiner Leistung wohlgesonnen sein, doch wie du damit umgehst, liegt letztlich an dir selbst. Arbeite daran, das Beste aus Feedback herauszuziehen, um letzten Endes stärker und fähiger daraus hervorzugehen

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