Wie erwartet, müssen wir auch 2022 mit einer hohen Inflationsrate rechnen. Im Schnitt wird sie wohl dieses Jahr bei etwa 3,3 Prozent liegen. Doch welche Auswirkungen hat die Inflationsrate auf die jährliche Gehaltserhöhung von Arbeitnehmer:innen? Und wird es einen zusätzlichen Inflationsausgleich geben? In diesem Artikel beantworten wir die beiden Fragen und zeigen dir zusätzlich, warum du die Inflation keinesfalls als Argument für eine Gehaltserhöhung nutzen solltest und in welcher Branche du trotz Inflation überdurchschnittlich gut verdienst.

Ist ein Inflationsausgleich eine Gehaltserhöhung?

Zuerst muss aber einmal gesagt werden, dass ein Inflationsausgleich nicht gleichzeitig auch eine Gehaltserhöhung ist. Zwar mag es diesen Anschein haben, da man schließlich sowohl bei einem Inflationsausgleich als auch bei einer Gehaltserhöhung mehr Geld bekommt, jedoch beginnt eine richtige Gehaltserhöhung erst ab fünf Prozent.

Alles, was sich darunter befindet, ist lediglich ein Inflationsausgleich. Das ist darauf zurückzuführen, dass ein Inflationsausgleich, wie der Name schon sagt, nur die Inflation ausgleichen soll.

Ein Inflationsausgleich ist immer mindestens so hoch wie die zu erwartende Inflationsrate zu diesem Zeitpunkt. So soll sichergestellt werden, dass der Reallohn der Arbeitnehmer:innen trotz Inflation weiterhin gleich bleibt beziehungsweise nicht sinkt.

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Durch die Inflation steigen auch die Benzin-, Strom- und Heizkosten stark an. Foto: imago images/ANP

Wie hoch muss die Gehaltserhöhung sein, um die Inflation auszugleichen?

Doch wie sieht so ein Inflationsausgleich jetzt konkret aus? Expert:innen gehen aktuell davon aus, dass zumindest die Nominallöhne, also die Löhne, bei denen die Inflation nicht berücksichtigt wird, wie im Jahre 2019 um etwa 2,9 Prozent ansteigen. Das klingt erstmal nicht schlecht, jedoch muss dieser Lohn noch um die Inflationsrate bereinigt werden, damit man den Reallohn erhält.

Wenn man jetzt davon ausgeht, dass die Inflationsrate im Mittel wieder auf ca. 1,9 Prozent fällt, bleibt dabei ein maximaler Gehaltszuschlag von etwa 1,5 Prozent. Um die Inflation auszugleichen, muss eine Gehaltserhöhung beziehungsweise ein Inflationsausgleich in Deutschland in diesem Jahr durchschnittlich 1,5 Prozent betragen.

In Deutschland ist der Inflationsausgleich mit am höchsten

Im Vergleich zu vielen anderen Ländern aus Westeuropa ist der Inflationsausgleich in und die damit verbundene Reallohnsteigerung in Deutschland mit am höchsten. Gleich nach Irland, welches einen Reallohnanstieg von 2 Prozent hat. Mit Italien, Zypern, Luxemburg, den Niederlanden und Portugal liegt Deutschland zusammen mit Dänemark auf dem siebten Platz und ist somit noch ziemlich weit vorne mit dabei.

Großbritannien und Schweden haben lediglich einen Zuwachs von 0,4 Prozent und auch Norwegen, Frankreich, die Schweiz und Finnland überschreiten die Ein-Prozent-Grenze nicht. Im weltweiten Vergleich haben hingegen Indonesien und Indien mit einem Reallohnanstieg von über fünf Prozent die Nase vorn.

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Während der Inflation erhältst du einen Inflationsausgleich. Trotzdem kannst du dir noch eine reguläre Gehaltserhöhung sichern. Foto: imago images/Westend61

Deshalb solltest du die Inflation nicht als Grund für eine Gehaltserhöhung angeben

Neben dem Inflationsausgleich kannst du natürlich auch zusätzlich noch eine normale Gehaltserhöhung von mindestens fünf Prozent fordern. Hierbei solltest du die Inflation jedoch lieber nicht als Argument nutzen. Die Inflation betrifft schließlich alle und somit eben auch deine:n Arbeitgeber:in.

Wenn du also angibst, dass du wegen der Inflation dringend eine Gehaltserhöhung benötigst, wird dir dein:e Arbeitgeber:in vermutlich entgegnen, dass die Inflation ja auch die Materialeinkäufe des eigenen Unternehmens betrifft. Das ist also kein gutes Argument.

Wenn du also trotz der Inflation noch eine ordentliche Gehaltserhöhung haben möchtest, solltest du auf ein besseres Argument setzen. Argumentiere beispielsweise damit, dass du zusätzliche Aufgaben übernommen hast oder dass das Lohnniveau in deiner Branche angestiegen ist – vorausgesetzt, das stimmt auch.

In dieser Branche erhältst du ab jetzt deutlich mehr Geld

Zwar ist die Inflation nicht das beste Argument, um damit eine Gehaltserhöhung einzufordern, in einigen Branchen bekommst du die Gehaltserhöhung jedoch auch ohne überhaupt ein Argument nennen zu müssen.

Während die Gehaltsprognosen für die meisten Berufe eher schwach aussehen, steigen die der IT- und Tech-Branche rapide an. Der Grund dafür ist simpel. Das Personal mit der nötigen Digitalkompetenz ist sehr selten und wird dringend gesucht. Um die Branche insgesamt attraktiver zu machen, steigen die Gehälter 2022 voraussichtlich um mindestens 3 Prozent an.

Fazit: Durch den Inflationsausgleich bekommst du 2022 ein etwas höheres Gehalt

Viel mehr Geld bekommst du durch den Inflationsausgleich 2022 wohl nicht, dafür hast du aber immer noch die Möglichkeit, auch so eine Gehaltserhöhung zu fordern, wenn du die richtigen Gründe dafür hast.

Da die Expert:innen allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon ausgehen, dass die Inflationsrate sich noch weiter nach oben entwickeln wird, besteht auch ohne einen großen Inflationszuschlag erstmal kein Grund zur Sorge.

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