Afrika Coronavirus
Warum das Coronavirus Afrika verschont (Photo: Yaw Niel/ shutterstock) Source: Yaw Niel/ shutterstock

Coronavirus: Was wir von Afrika lernen können

Wieso hat der gesamte afrikanische Kontinent weniger Todesfälle als Großbritannien? Erfahre hier, woran es wirklich liegt, dass Afrika die Krise so gut meistert & was Deutschland von Afrika lernen kann.

Armut, mangelnde Hygiene und ein schlechtes Gesundheitssystem: Noch im Frühjahr warnten Experten davor, dass all diese Faktoren zu einer schnellen Verbreitung des Coronavirus in Afrika führen und viele Menschen sterben würden.

Doch: Heute, ein paar Monate später, hat sich diese düstere Vorhersage nicht erfüllt. Woran liegt es? Und was hat Afrika richtig gemacht? Diesen Fragen will wmn auf den Grund gehen.

Coronavirus: Afrika hat weniger Tote als Großbritannien 

Auf dem afrikanischen Kontinent leben mehr als 1,2 Milliarden Menschen in 55 Staaten. Und dennoch zählt der gesamte Kontinent weniger Corona-Tote als ein einziges europäisches Land, nämlich Großbritannien. Obwohl in manchen afrikanischen Ländern die Infektionszahlen steigen, entwickelt sich der gesamte Kontinent seit Wochen sehr positiv. Experten sprechen von einem Abwärtstrend von zehn bis zwölf Prozent in den letzten Wochen.

So positiv die Zahlen auch klingen, so vorsichtig müssen sie auch betrachtet werden. Denn in Afrika wird weitaus weniger getestet als bei uns. Untersuchungen zeigen deshalb auch, dass die Infektionsraten wahrscheinlich etwas höher sind als angenommen. Dennoch, das lässt sich nicht leugnen, ist das große Sterben in Afrika ausgeblieben.

Wieso breitet sich das Coronavirus in Afrika nicht so stark aus?

Afrika hat bereits Erfahrungen mit Epidemien wie etwa Ebola gemacht. Und daraus hat der Kontinent seine Lehren gezogen. Dieses Mal lagen Notfallpläne vor, Helfer aus den Gemeinden wurden eingesetzt und die Regierungen haben blitzschnell mit Vorsichtsmaßnahmen reagiert. An vielen Grenzen gab es Fiebermessungen, es wurden Zentren für die Kontaktnachverfolgung aktiviert, Kontaktbeschränkungen und Lockdowns beschlossen. 

In manche Gegenden fuhr sogar kein Bus mehr und es wurden nächtliche Ausgangssperren verhängt. Alkohol wurde nicht mehr verkauft, wodurch die Menschen nicht mehr so oft zusammengekommen sind. 

Geholfen hat wahrscheinlich auch die Tatsache, dass die Infrastruktur in Afrika nicht so gut ausgebaut ist, wodurch einzelne Gegenden komplett abgeschieden von Infektionsherden sind und sich die Menschen nicht dicht an dicht im Bus drängen.

Hinzukommt aber auch, dass die Menschen in Afrika wesentlich jünger sind. Das durchschnittliche Alter liegt bei 17 Jahren. In Europa ist es doppelt so hoch! Experten gehen davon aus, dass jüngere Menschen das Virus besser überstehen als ältere. Viele von ihnen könnten sich sogar bereits infiziert haben und dennoch keine Symptome aufweisen. 

Corona Afrika
Afrika hat schneller reagiert als Europa. Und das hat bislang Schlimmeres verhindert(Photo: skyNext/ istock)

All das zeigt jedoch, dass Afrika sich in der Krise auf sich selbst verlassen und schneller reagiert hat als die europäischen Länder. Das könnte ein Learning für andere Staaten sein.

Einen entscheidenden Unterschied gibt es aber noch

Aber es gibt noch einen weiteren Unterschied zwischen Afrikanern und Europäern. Denn in Afrika gibt es viele Krankheiten wie Malaria, Durchfallviren oder Parasiten. Und all diese trainieren das Immunsystem, sodass es schneller und effektiver auf die Coronaviren reagiert. 

Außerdem könnte der Krankheitsverlauf somit milder verlaufen. Das erklärt die Parasitologin Maria Yazdanbakhsh. Denn gerade die parasitischen Würmer dämpfen die Entzündungsreaktionen im Körper, die bei dem Coronavirus so problematisch sind.

Dennoch hat auch Afrika Probleme, die durch das Coronavirus entstanden sind

Auch wenn die Menschen in Afrika nicht direkt am Coronavirus sterben, stellen die indirekten Folgen eine Gefahr für sie dar. Denn durch die Kontaktbeschränkungen und Lockdowns gehen weniger Menschen mit chronischen Erkrankungen zum Arzt oder arbeiten.

Und das spürt auch die Wirtschaft. Experten gehen davon aus, dass diese durch die Corona-Krise um 80 % geschrumpft ist. Die Politik spürt dementsprechend auch den Druck, die Beschränkungen aufzuheben. 

Doch: Genau das ist ein Ritt auf der Rasierklinge. Steht das öffentliche Leben weiterhin still, drohen vermehrt Folgen wie Hunger und Arbeitslosigkeit. Wird aber zu schnell gelockert, drohen mehr Infektionen. Das zeigt, wie heikel die Situation ist und wie viel Fingerspitzengefühl notwendig ist, um Afrika weiterhin so gut durch die Krise zu führen.

Mehr zum Thema gefällig?

Auch in Deutschland wird über weitere Maßnahmen gesprochen, die die Menschen vor dem Coronavirus schützen sollen. Zum Beispiel ist momentan das Party-Limit im Gespräch. 

Zudem soll nun sogar ein neues Symptom auf eine Infektion hinweisen. Was steckt dahinter? Wir klären auf.


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