Veröffentlicht inBuzz

Mai Thi Nguyen-Kim wehrt sich verstärkt gegen Hasskommentare

Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim muss sich in der Corona-Pandemie verstärkt mit Hasskommentaren herumschlagen. Gemeinsam mit ihrer Community will sie gegen die Störenfriede vorgehen.

Mai Thi Nguyen-Kim hofft im Kampf gegen Netz-Hater auf die Mithilfe ihrer Community.. © imago images/teutopress
Mai Thi Nguyen-Kim hofft im Kampf gegen Netz-Hater auf die Mithilfe ihrer Community.. © imago images/teutopress

Mai Thi Nguyen-Kim (33) hat Hasskommentaren im Netz den Kampf angesagt. In einem YouTube-Video unter dem Titel „Wir müssen reden“ hat die Wissenschaftsjournalistin Regelungen vorgestellt, die ab jetzt in den Kommentarspalten ihres Kanals „maiLab“ gelten sollen. Denn: Zu der anwachsenden Reichweite ihres Wissenschaftskanals sei proportional auch der Hate gestiegen.

Gemeinsam mit ihrem Team habe sie sich in den letzten Wochen den Kopf zerbrochen, wie mit den Kommentaren künftig umgegangen werden sollte. „Bis jetzt hatten wir so gut wie gar nicht gelöscht oder geblockt, damit sind wir in den letzten vier Jahren auch ganz gut gefahren.“ Doch ihre Community sei auf sie zugekommen und habe darum gebeten, etas mehr durchzugreifen, da es teilweise zu einer regelrechten „Shitshow“ in den Kommentaren ihres Wissenschaftskanals komme. Eine respektvolle, inhaltliche Diskussion sei da nicht mehr möglich.

Richtlinien für ein gutes Diskussionsklima

Deshalb habe sich das Team über einige Community-Regeln Gedanken gemacht. Mit Löschen und Blocken wolle man weiter sparsam umgehen. Grundsätzlich sei beides jedoch möglich, da der Kanal-Inhaber sich auf sein „Hausrecht“ berufen und gegen unerwünschte User vorgehen könne, ohne gegen das Recht auf Meinungsfreiheit zu verstoßen. Für das Community-Management hätten die Wissenschaftsredakteure im Team nur begrenzt Zeit, daher wolle man auf die Hilfe der User setzen.

Diese können zum einen Kommentare oder Spam melden, damit diese gelöscht werden. Kommentare, die nicht zu den klassischen No-Gos zählen, könnten ebenfalls dem Team gemeldet werden, wenn diese in erster Linie beleidigend sein wollen. Dem Verbreiten von Falschinformationen wolle man hingegen nicht durch Löschen, sondern durch Moderieren und das Entgegenbringen von Fakten begegnen.

Einige Nutzer beteiligten sich bereits an diesen Richtigstellungen, was das Team „regelrecht berührt“, so Nguyen-Kim. Mit diesem „Aufklärungs-Superspreading-Event“ sei die Idee hinter dem Kanal genau erfüllt. Beim Ton müsse „die vernünftige Mehrheit“ sachlich und respektvoll bleiben und sich nicht auf den Stil der Hasskommentare einlassen. Und noch eine dritte Maßnahme als „Geheimwaffe“ gegen Hater bringt die Wissenschaftsjournalistin an: Ignorieren sei manchmal das einzig Sinnvolle. „Manche Kommentare diskreditieren sich durch ihre eigene Bananigkeit. Widersteht dem Impuls, eine schlagfertige Antwort zu tippen!“ Wenn man den Kommentaren keine Aufmerksamkeit gebe, hätten diese auch keinen Einfluss.

(jom/spot)