Dass Lästern alles andere als eine gute Eigenschaft ist und Menschen verletzten kann, ist jedem klar. Trotzdem tun es die meisten und die wenigsten sind stolz darauf. Ab und zu muss man seinem Ärger jedoch Luft machen. Dass das Lästern psychologisch betrachtet sogar sinnvoll ist, haben verschiedene Studien bereits herausgefunden. Warum wir es nicht lassen können, hinterm Rücken zu reden und wann wir die Notbremse ziehen sollten, erfährst du in diesem Artikel.

Lästern: Die Fellpflege des Menschen

Circa zwei Drittel unserer Gespräche drehen sich um Menschen, die gar nicht anwesend sind. Wir Menschen lieben es also, hinterm Rücken zu reden – und das, obwohl wir wissen, dass es eigentlich kein feiner Zug ist. Und obwohl wir selbst nicht wollen, dass andere Menschen hinter unserem Rücken über uns reden.

Dennoch haben wir nichts Besseres zu tun, als vom Kindergarten bis ins Berufsleben hinein über das Leben anderer zu tratschen. Mit dieser Eigenschaft unterscheiden wir Menschen uns im Übrigen deutlich von Tieren. Tiere kommunizieren zwar, reden aber nicht übereinander. Sie schaffen auf andere Art Gemeinschaft, in etwa durch gegenseitige Fellpflege. So meint der Psychologe Robin Dunbar, dass die Körperpflege von Primaten als Pendant zum menschlichen Klatsch und Tratsch verstanden werden kann.

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Lästern stärkt unseren Selbstwert und lässt ein Gemeinschaftsgefühl entstehen. Foto: canva.com/ Keira Burton

Darum reden wir so gern hinterm Rücken über andere Menschen

Was uns zu der Frage bringt, warum wir Menschen eigentlich so gern hinterm Rücken reden. Einfach gesagt, schweißt es uns psychologisch und sozial gesehen zusammen. Lästern wir, schafft das ein Wir-Gefühl. Indem man sich von einer Person abgrenzt, gibt man sich untereinander Bestätigung und hält an Gemeinsamkeiten fest.

„Hast du ihre grünen Haare gesehen?!“ Solche Sätze stärken zugleich unser eigenes Ego und unseren Selbstwert. Solange wir andere schlechtreden, stehen nicht wir in der Kritik. Wir fühlen uns erhaben und bestätigen obendrein unsere Norm- und Wertvorstellungen. Kritisieren wir hinterm Rücken etwa, dass sich jemand gestern Abend wieder mal völlig abgeschossen hat, machen wir unserem Gegenüber zugleich deutlich, dass wir übermäßigen Alkoholkonsum ablehnen.

Auch stärkt das Reden hinterm Rücken das Vertrauen unter Menschen. Indem man lästert, teilt man unterschwellig mit, dass man dem oder der Gesprächspartner:in vertraut, dass das Gesagte privat bleibt. Zuletzt kann Lästern aber auch einfach als kleines Entertainment des Alltags verstanden werden. Wir sind süchtig nach Sensation – nicht ohne Grund sind Boulevardblätter bis heute so erfolgreich.

Nice to Know: Sicher kennst du den Klatsch-Begriff. Doch weißt du auch, woher der stammt? Bereits im Mittelalters trafen sich Frauen zum gemeinsamen Wäschewaschen und tauschten dabei Informationen aus. Immer, wenn ein Wäschestück auf einen Stein geschlagen wurde, um gereinigt zu werden, machte es „klatsch“. So etablierte sich der Ausdruck der „klatschenden Waschweiber“. Wichtig an dieser Stelle zu sagen: Auch Männer lästern. Das ist keine weibliche Eigenschaft.

Das sagt die Forschung über das Lästern

Der Psychologe Dustin Wood von der Wake Forest University in North Carolina kam in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Menschen, die hinter dem Rücken reden, oft viele schlechte Eigenschaften und vor allem Probleme mit sich selbst haben.

Proband:innen, die in seinem Experiment viel lästerten, neigten eher zu Depressionen, Narzissmus und zu antisozialem Verhalten. Diejenigen, die positiv über andere sprachen, fielen dagegen durch ein stabiles soziales Umfeld auf.

Eine andere Studie der Universität Berkeley von 2012 zeigt dagegen, dass Lästern positive Nebeneffekte haben kann. So reduziert es negatives Verhalten. Mache Menschen werden beim Lästern auf negative Verhaltensweisen aufmerksam, kommen als Gruppe zu bestimmten Werten überein und nehmen diese an. Auf die Art reguliert sich das Verhalten der Gruppe zum Positiven.

Lästern: Das sind die Nachteile des

So nachvollziehbar Lästern auch ist und so gemeinschaftsstärkend es auch wirkt: Es hat auch einige Nachteile. So macht sich nicht selten das schlechte Gewissen breit, nachdem wir andere verurteilt oder hinterm Rücken über sie geredet haben. Wir wissen prinzipiell, dass es falsch ist, über andere Menschen zu reden, ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, selbst zu Wort zu kommen.

Zum anderen lässt sich hierbei der kategorische Imperativ Immanuel Kants anwenden: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Oder um es mit den Worten eines alten Sprichworts zu sagen: „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem andern zu!“

Zugleich sollte man sein Klatsch und Tratsch allein deswegen auf ein Minimum reduzieren, um nicht selbst an Glaubwürdigkeit einzubüßen. Wer nämlich ständig (schlecht) über andere redet, macht sich auf Dauer selbst unbeliebt. Immerhin muss man sich immer fragen, ob das Gegenüber auch so über einen selbst spricht, sobald man nicht mehr anwesend ist. Das kann Vertrauen auch schwinden lassen.

Zu einem ausgewachsenen Problem wird das Lästern übrigens, wenn daraus Mobbing entsteht. Dabei sind die Grenzen fließend. Mal hinter dem Rücken einer Person zu reden, ist nicht weiter verwerflich. Sobald jedoch ständig schlecht über ein und dieselbe Person gesprochen wird und mitunter sogar Unwahrheiten geteilt werden, handelt es sich um Mobbing. In Anbetracht der Auswirkungen auf die Psyche eines Menschen, sollte man dieses Verhalten schleunigst unterbinden.

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Wer viel lästert, kann an Vertrauen und Glaubwürdigkeit einbüßen. Foto: canva.com/ TOPHEE MARQUEZ

Tipps, wie man Lästereien entschieden entgegentreten kann

Nimmt das Reden hinterm Rücken Überhand, ist es an der Zeit, ihm Einhalt zu gebieten. Ich zeige dir nun drei Tipps, die Lästern unterbinden können:

1. Wenn jemand mit dir lästern möchte

Solltest du das nächste Mal in eine Situation geraten, in der dein Gegenüber zu lästern beginnt und du nicht hereingezogen werden möchtest, frage am besten prompt: „Warum erzählst du mir das?“ Damit machst du auf das Fehlverhalten deines Gegenübers aufmerksam und signalisierst, dass du der oder die falsche Ansprechpartner:in dafür bist. Sollte das nicht fruchten, helfen in der Regel nur direkte Worte. Sprich also offen aus, dass du nicht hinter dem Rücken über andere Personen reden möchtest.

2. Wenn du selbst lästerst

Du gehörst zu den Menschen, die gerne selbst mal lästern? Dann kann es helfen, deine Gedanken bei dir zu belassen. Frage dich, warum du (schlecht) über eine andere Person hinter ihrem Rücken sprechen möchtest. Fühlst du dich dadurch besser? Reflektiere dein Verhalten und besinne dich darauf, dass auch du nicht fehlerfrei bist. Frage dich zudem, wie du es finden würdest, wenn die andere Person im selben Moment schlecht über dich sprechen würde.

3. Wenn über dich gelästert wird

Bekommst du mit, dass andere Menschen hinter deinem Rücken über dich reden, solltest du sie bestenfalls damit konfrontieren. Das gibt dir nicht nur die Oberhand und stärkt deinen Selbstwert, sondern nimmt deinem Gegenüber zumeist auch schnell den Wind aus den Segeln.

Wer nicht so der konfrontative Typ ist, kann allerdings auch einfach versuchen, die Lästereien zu ignorieren. Versuche stattdessen, es besser zu machen und distanziere dich von Menschen, die immer nur Negatives von sich geben. Denke dabei immer daran, dass nur du zählst. Das Verhalten anderer wirst du selten beeinflussen können, wie du dich verhältst aber schon.

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