Social Life

Herdenimmunität: Der einzige Weg, das Virus noch zu stoppen?

Was kann die flächendeckende Ansteckung mit dem Coronavirus tatsächlich bewirken. Herdenimmunität auf der Probe.

Schafe Grafik cool
Herdenimmunität könnte dazu beitragen, dass der Coronavirus zurückgedrängt wird. (Credit: istock/Carlos Benigno)

"Auf keinen Fall dürfen wir uns anstecken! Alle bleiben in ihren Häusern und Wohnungen. Hände schütteln verboten und rumgeknutscht wird sowieso nicht mehr." Das ist jetzt seit Wochen Tonus. Doch jetzt kommt neuer ein Begriff auf den Coronamarkt, den viele erst einmal befremdlich finden: 

Herdenimmunität. Dafür müssen sich nur genug Leute anstecken –  um später immun zu sein. All die Maßnahmen des Social Distancing sollen also für die Katz gewesen sein? 

Schafe Familie von oben
So ist das in Herden: Ein Schaf steckt das nächste an.(Photo: istock/Rathke)

Herdenimmunität: Die Gesellschaft als Schafherde

Stellen wir uns unsere Weltbevölkerung als eine Schafherde auf einer grünen Wiese im westlichen Cornwall vor. Alles ist gut, wenn alle Schafe entspannt und gesund ihr Gras fressen. Ist aber ein Schaf krank, steckt es durch sein Husten die drei Schafe an, die ihm am nächsten stehen. Diese stecken jeweils wieder drei Schafe und diese wieder und wieder und wieder. Schließlich ist die ganze Herde erkrankt. 

Schafe, die immun gegen den Husten sind, könnten weder selbst krank werden, noch das Virus weitertragen. Wenn genug Schafe immun wären, könnte sich der Virus gar nicht erst ausbreiten. Dabei geht es (wie auch beim Coronavirus) nicht um die starken Alpha-Schafe, die einen Virus ohne Weiteres wegstecken, sondern vor allem um Oma- und Opa-Schaf, für die die Krankheit tödlich enden kann.

Wie funktioniert Herdenimmunität beim Coronavirus?

Immunität kann entweder durch eine Impfung erfolgen oder eben dadurch, dass ein Organismus eine Viruserkrankung bereits hinter sich hat. Im Fall Corona gibt es noch keinen zuverlässigen Impfstoff und so wird vielerorts überlegt mit gezielten Infektionen zu arbeiten. Zuletzt gab es diese Diskussion in Großbritannien.

Mindestens 60% der Bevölkerung müssen sich erst anstecken. – National Geographic

Vorangegangene Krankheiten beweisen, dass Herdenimmunität eine Krankheit zurückdrängen kann. Zum Beispiel gibt es Statistiken, dass die viel ansteckendere Krankheit Masern eine Ansteckugsrate von 1:18 aufweist. (Eine Person steckt gut 18 Personen an.) Beim Coronavirus ist es nur 1:3. Das heißt: Um den Coronavirus einzudämmen, müssen 60% der Bevölkerung immunisiert werden.

Das sind die Gründe für Ausgangssperren.

‘Durchseuchung’ am Beispiel Großbritannien

Noch vor wenigen Tagen hielt Großbritannien noch eisern an seinem doch sehr eigenwilligen Weg fest, mit der Coronavirus-Epidemie umzugehen. Auf der Insel wurden nur schritt- und teilweise Maßnahmen des Social Distancing eingeführt. So sollte sichergestellt werden, dass sich genügend Menschen mit dem Coronavirus anstecken, um sie danach immunisiert zu wissen.

Ja, ihr habt richtig gehört: Genügend Leute sollten sich anstecken. Hinter diesem absurd klingenden Plan steckt aber viel mehr als man denken würde. Der wissenschaftliche Berater der Regierung, Sir Patrick Vallace beschrieb, dass somit viele Menschen mit nur schwachen Symptomen davonkämen und von nun an immum gegen das Virus wären und es so auch nicht an andere weitertragen könnten.

Dass Großbritannien seinen Plan gegen weitreichende Maßnahmen und Ausgangssperren eintauschen musste, heißt nicht, dass die Idee von der Herdenimmunität für den Coronavirus vom Tisch ist. Bereits vom Virus befallene Menschen, die nun immun zu sein scheinen, könnten federführend bei der Entwicklung eines echten Impfstoffes sein.

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Die Probleme der Herdenimmunität

Es gibt aber natürlich gute Gründe, warum Ausgangssperren und Kontaktverbote einer Herdenimmunisierung durch Ansteckung mit dem Virus vorgezogen werden. Das hat zuletzt auch Großbritannien eingesehen. Folgende Gründe sind am eindeutigsten.

  • “Immun sein” ist ein relativer Begriff. Wer einmal immun ist, ist es nicht zwangsläufig für immer, denn äußerliche Faktoren können das Virus wieder in deinen Körper zurückholen.
  • Viren mutieren. Auch das führt dazu, dass deine eigentliche Immunisierung die Toilette runtergespült werden kann. Sobald der Virus sich nämlich im Wesen verändert hat, weiß dein Körper nicht mehr, wie er darauf reagieren soll.
  • Corona ist viel zu unbekannt. Allein die Tatsache, dass es noch keinen Impfstoff gibt, sollte uns stutzig machen. Niemand weiß, was die Langzeitfolgen einer Ansteckung sind. Das Risiko sollte niemand eingehen. Jung und alt gleichermaßen.
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Noch können wir nicht absehen, wie sich die Gesellschaft mit Corona verändern wird. Aber wir sollten unsere Welt nicht unnötig auf die Probe stellen.(Photo: itock/Magnilion)

Fazit: Bitte gesund bleiben & keinen anstecken

Solange der Coronavirus uns ein so durch und durch unbekannter Gegner ist, sollten wir alle schön die Fäße stillhalten und die Quarantänemaßnahmen der Regierung über uns ergehen lassen. Die Bevölkerung durchzuseuchen und auf eine Herdenimmunität zu hoffen kommt selbst den unbelehrbaren Briten derzeit als ein wenig zu risky vor. 

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