wie nachhaltig ist nu-in fashion von stefanie giesinger und marcus butler
Stefanie Giesinger und Influencer-Freund Marcus Butler haben nu-in fashion gelaunched. (Photo: ) Source: imago images/Future Image

Stefanie Giesinger’s nu-in Fashion: Noch ein Greenwashing Label?

Nachhaltige Fashion oder Greenwashing? Wie viel Bio steckt wirklich in Stefanie Giesingers nu-in fashion Modelabel?

Als Influencer ist man ein permanentes Werbegesicht und verkauft durch seinen Lifestyle die Produkte von Kooperationspartnern. Aber noch lukrativer wird es, wenn es die eigenen Produkte sind, die man verschwörerisch in die Kamera halten kann. Das hat sich auch Stefanie Giesinger zusammen mit Freund Marcus Butler gedacht und ihr eigenes nachhaltiges Modelabel nu-in herausgebracht. 

Bisher waren grün gelabelte Influencer Produkte allerdings eher Schein als Sein, wenn es um echte Nachhaltigkeit geht. Was also kann man vom neuen Label nu-in Fashion halten?

Die zweite „grüne“ Marke von GNTM Gewinnerin Stafanie Giesinger

Bereits zuvor hatte Stefanie Giesinger in Zusammenarbeit mit dm die Gesichtspflegelinie Moй herausgebracht, die derzeit 5 Produkte umfasst. Sie sind vegan und tierversuchsfrei, aber keineswegs Naturkosmetik, da sie unter anderem Mikroplastik und Palmöl enthalten. Plastik wurde auch in den Verpackungen großzügig eingesetzt.

Im Großen und Ganzen erinnern sie an alle anderen Influencer-Serien, die dm bereits herausgebracht hat. Wir erinnern uns da an LVLY von Paola Maria.

Die neue Marke nu-in Fashion (kleines Wortspiel auf „New in fashion“) wird sogar noch grüner vermarktet und bietet nachhaltige Kleidung zu Spottpreisen an. Aber, wie nachhaltig kann ein Kleid für 45 € sein?

Der Teaser zu Stefanie Giesingers nu-in Fashion.

Wie nachhaltig ist nu-in Fashion von Stefanie Giesinger?

Zusammen mit ihrem Freund Marcus Butler hat Stefanie Giesinger das nachhaltige Label nu-in gegründet. Neben der eigenen Kollektion gibt es auch Produkte anderer grüner Marken wie Bagz, Komodo, Womish oder Good News.

Bei jedem Teil auf der Seite kann man die genaue Zusammensetzung und die Herstellungsfabrik nachrecherchieren. Transparenz schreibt sich die Marke groß auf die Fahne. Ein paar Kleinigkeiten wie Herstellungsort und -material von Zipper oder Buttons fehlen allerdings noch.

Auch in der "nachhaltigen" Materialwahl merkt man recht schnell, dass nicht alles Bio ist. Immer wieder gibt es Teile mit 50 % Acryl, also Stoff auf Erdölbasis, der noch dazu nicht recycelbar ist. Stefanies Erklärung auf Instagram: Geht halt nicht anders. Doch geht schon. Ist aber etwas teurer.

Immerhin sollen Teile aus Mischfasern bald in einer eigenen Fabrik getrennt und recycelt werden. Dafür soll man dann sein Teil zurücksenden. Zertifikate wie das GOTS-Siegel hat nu-in Fashion allerdings nicht. Würden sie wohl auch nicht bekommen, denn dafür braucht man 70 % Bio-Rohstoffe. Das dürften sie wohl bisher nicht schaffen.

Stefanie Giesinger & Marcus Butler verteidigen ihr Label nu-in nach harter Kritik.

Warum ist nu-in fashion so billig?

Teil der Markenidee von nu-in ist es nachhaltige Mode zu bezahlbaren Preisen anzubieten. In einem Instagramvideo erklärt Marcus, dass die Teile so billig sind, weil die Fabriken so viel herstellen können. Na ja, das können die Fabriken von Zara, Mango und Co. sicher auch und trotzdem kann man sie nicht als nachhaltig bezeichnen.

Nu-in produziert ihre Kleidung in fünf verschiedenen Fabriken in Istanbul und Barcelos (Portugal). Die Transportwege sind kurz und sparen CO2. Dafür liegt der Mindestlohn in Portugal bei 700 €, in der Türkei bei 425 €. Vielleicht hat das ja auch ein klein wenig Einfluss auf den Preis?

Trotzdem darf man nicht vergessen, dass auch viele andere konventionelle Modemarken inzwischen ganz organic Linien herausbringen wie etwa asos oder Monki mit Jeans aus Bio-Baumwolle für 50 €. Nu-in dürfte also in einem ähnlich nachhaltigen Rahmen liegen. Wenn der Name groß genug ist, dann sind solche Preise offenbar auch möglich.

Wer steckt hinter nu-in Fashion?

Hinter dem Label stehen allerdings nicht nur Stefanie Giesinger und Marcus Butler, die je nur 8,5 % der Firma besitzen, sondern auch Poppy Warwick-Le Breton, Mike Mikkelborg und VGI Solutions Limited wie Peppermynta herausfand. Während Erstere wohl zu den „small group of friends“ gehören, die das Label ins Leben gerufen haben, ist VGI Solutions Limited eine irische Firma, die erst einen Monat vor nu-in gegründet wurde und den Hauptanteil von 51 % hält. Etwas shady, aber gut, Irland ist eben ein Steuerparadies.

Übrigens war Mike Mikkelsen vorher Direktor bei NA-KD und man kann die Parallelen durchaus erkennen in Vermarktung und Optik der beiden Label.

Nu-in Fashion setzt auf minimalistische und sportliche Schnitte.

Fazit: nuin Fashion ist work in progress

Stefanie Giesinger und Marcus Butler sind beides keine Influencer, die sich besonders durch Nachhaltigkeit hervorgetan haben. Klar, als Model nimmt Stefanie natürlich jeden Job an. Bei Kooperationen auf ihrer Insta-Seite allerdings auch und bei ihren Lieblingsmarken erst recht. Da post Stefanie Giesinger gern mal mit Burberry, Louis Vuitton oder Lio Jo. Weit entfernt von Nachhaltigkeit.

Nun sind wir alle nur Menschen und wollen es besser machen. So sagen es auch die vier Gründer. Der Start mitten in Coronazeiten ist etwas missglückt, auch das allzu grüne Marketing, welches einigen Fans sauer aufstieß. Aber vielleicht lernen sie aus ihren Fehlern.

So oder so ist das nu-in Fashion ein Schritt in die richtige Richtung. Würden alle Fashionkonzerne zumindest die Hälfte ihrer Materialien in Bioqualität oder aus Recycling benutzen, wäre der Umwelt schon viel geholfen. Wenn Stefanie Giesinger es dank ihrer Influencer-Reichweite schafft, Nachhaltigkeit etwas sexier zu machen für die Neulinge unter uns, ist das trotzdem eine gute Sache.

Wirklich nachhaltige Fashion It-Pieces gibt es hier in den Kategorien: nachhaltige Jeans, nachhaltige Sneaker, Bademode oder nachhaltige Sportswear.


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