Wenn die Männer mal wieder mit Bollerwagen und Bier durch die Straßen ziehen, kann das nur eines bedeuten: Es ist Vatertag. Doch was hat es mit dieser Tradition überhaupt auf sich? In diesem Artikel verraten wir dir, woher der Vatertag kommt und warum Bier, Schnaps und Bollerwagen an diesem Tag nicht fehlen dürfen. Außerdem zeigen wir dir, wie der Vatertag in anderen Ländern der Welt zelebriert wird.

Wie ist der Vatertag entstanden?

Die ursprüngliche Idee des Vatertages stammt wie die des Muttertages aus den USA. Offiziell eingeführt wurde dieser erst, nachdem Sonora Louise Smart Dodd aus Washington im Jahre 1909 einen Antrag für die Gründung des Vatertages bei den örtlichen Behörden gestellt hatte. Diese Idee fand sofort Anklang, da auch der Muttertag erst kurz zuvor eingeführt wurde. So kam es dazu, dass der Vatertag bereits im Jahre 1910 richtig gefeiert wurde.

Doch wie kam der Vatertag nach Deutschland? Hierzulande fällt der Vatertag auf den kirchlichen Feiertag Christi Himmelfahrt. Man geht heute davon aus, dass er als Gegenprogramm zu Christi Himmelfahrt fungieren sollte. Anstatt also ein pompöses Fest für den Vater im Himmel zu errichten, sollte es auch ein kleines, beschauliches Fest für alle Väter auf der Erde geben.

Die Vatertags-Traditionen lassen sich auf das späte 19. Jahrhundert zurückführen. Mit Beginn der Industrialisierung veränderte sich einiges im Leben der Bevölkerung. Gerade in der Arbeiterklasse bekam die Freizeit einen immer höheren Stellenwert, um einen Ausgleich zur Arbeit in den Fabriken zu schaffen.

So entstand auch die Tradition der sogenannten Herrenpartie, bei welcher lediglich die Männer einen gemeinsamen Ausflug ins Grüne unternahmen und dabei umherwanderten, Skat spielten und natürlich auch den lokalen Gasthäusern einen Besuch abstatteten. Diese Tradition war zunächst sehr beliebt, schließlich hatten die meisten Menschen über Christi Himmelfahrt frei, geriet jedoch nach und nach immer weiter in den Hintergrund und war in den 1920er-Jahren sogar gänzlich unbeliebt.

Letztendlich waren es aber die Nazis, welche die Tradition der Herrenpartie wieder hervorholten – nur zu Propagandazwecken versteht sich. Im Jahre 1936 führten sie auch den offiziellen Begriff „Vatertag“ ein.

Bollerwagen
Der Bollerwagen ist ein wesentlicher Bestandteil der Vatertags-Tradition. Doch woher kommt dieser Brauch eigentlich? Foto: Christian Mueller/ Getty Images via Canva.com

Woher kommt die Tradition von Bier & Bollerwagen am Vatertag?

Den Vatertag gibt es hier in Deutschland somit noch keine 100 Jahre. Die Bräuche und Traditionen existieren jedoch schon deutlich länger. Aber warum trinken die Väter am Vatertag Bier und ziehen mit Bollerwagen umher?

Wie bereits erwähnt, gehen die meisten Vatertags-Bräuche auf die Herrenpartien aus dem 19. Jahrhundert zurück. So ist es auch mit der Tradition von Bier und Bollerwagen. Die meisten Männer stoppten während ihrer Wanderung in Wirtshäusern und betranken sich dort.

In Berlin wurden die Herrenpartien jedoch noch etwas pompöser veranstaltet. Hier wurden diese sogar von einem Fuhrunternehmen organisiert. So konnten die Männer auf schön geschmückten Wagen sitzen und so von Wirtshaus zu Wirtshaus fahren.

Doch nicht jeder konnte sich die Preise des Fuhrunternehmens leisten. Wem das also zu teuer war, der kaufte das Bier in einem Laden, packte es in einen Bollerwagen und ging damit durch die Straßen der Stadt. Gerade in den ostdeutschen Bundesländern waren diese sogenannten Kremsertouren äußerst beliebt. Auch heutzutage sind sie noch immer sehr populär und dürfen in vielen Haushalten am Vatertag nicht fehlen.

Andere Länder, andere Sitten: So unterschiedlich sind die Vatertags-Traditionen weltweit

Während die Väter hierzulande also mit Schnaps, Bollerwagen und Bier durch die Gegend ziehen, haben andere Länder wiederum ihre eigenen Traditionen. So ähnelt der Vatertag in der Türkei, Frankreich und den Niederlanden eher dem Muttertag hierzulande. Hier bekommen die Väter nämlich jeden dritten Sonntag im Juni ein Frühstück ans Bett gebracht. Anschließend tragen die Kinder ihrem Vater auch noch ein Gedicht vor und es gibt kleine Geschenke.

In Italien, Spanien, Portugal und Kroatien feiert man den Vatertag hingegen am 19. März. In diesen Ländern geht es jedoch weniger um den Vater selbst, sondern mehr um die Familie als Ganzes. Zwar bekommt der Vater in den meisten Fällen selbst gebastelte Geschenke von seinen Kindern, jedoch wird den Rest des Tages mit der Familie gefeiert.

Familie Vatertag
In einigen Ländern wird der Vatertag traditionell mit der ganzen Familie verbracht. Foto: IMAGO/Westend61

Fazit: In Zukunft gibt es wohl weniger Bier am Vatertag

Den Vatertag, wie wir ihn heute kennen, gibt es also noch gar nicht allzu lange. Die Traditionen und Bräuche, auf denen er beruht, gibt es dafür schon eine halbe Ewigkeit. Dennoch steht der Vatertag in seiner heutigen Form immer wieder stark in der Kritik. Schließlich gibt es am Vatertag laut dem Statistischen Bundesamt so viele alkoholbedingte Verkehrsunfälle wie sonst an keinem anderen Tag im Jahr.

Welche Auswirkungen das auf die zukünftigen Vatertage haben wird, ist noch unklar. Dennoch erinnert die Deutsche Verkehrswacht Jahr für Jahr daran, nicht alkoholisiert am Straßenverkehr teilzunehmen. Wenn auch du dieses Jahr an einer Bollerwagentour teilnehmen solltest, bedenke in jedem Fall, dass auch kleine Mengen Alkohol deine Fahrtüchtigkeit einschränken können.

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