In Deutschland ist fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. Sarah Plack und ihr Mann gehörten bis vor Kurzem zu diesen Paaren. Die sozialen Medien nutzte die Ärztin dafür, um gemeinsam mit anderen Frauen auf die Kinderwunschreise zu gehen. Dabei musste sie in den letzten Jahren nicht nur Fehlgeburten meistern, sondern auch den Weg in die Kinderwunschklinik auf sich nehmen. Dass sie mit einem solch sensiblen Thema an die Öffentlichkeit geht und Fehlgeburten sowie einen unerfüllten Kinderwunsch zu enttabuisieren versucht, hat uns so sehr beeindruckt, dass wir Sarah zu unserer weekly heroine küren mussten.

Jede Woche stellen wir bei wmn Frauen vor, die uns durch ihre Stärke nicht nur inspirieren, sondern auch empowern und von denen wir viel lernen können. Diese Woche widmen wir uns der unfassbar eindrucksvollen Sarah Plack, die uns zeigt, wie wichtig ein offener Umgang miteinander ist…

Sarah Plack – kurz & knapp 

Du hast noch nie von Sarah Plack gehört? Das muss sich schleunigst ändern! 

  • Sarah Plack ist 32 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann Markus in ihrer Wahlheimat Berlin. 
  • Sie ist approbierte Ärztin und war jahrelang als Unternehmensberaterin tätig. 
  • Auf Youtube und Instagram nimmt Sarah ihre Follower:innen unter dem
    Namen babybauchblog mit auf ihre persönliche Kinderwunschreise.
  • Einer ihrer großen Leidenschaften ist das Reisen. Das sieht man auch anhand ihrer Flitterwochen, die aus einer neunmonatigen Weltreise bestanden. Ihr gemeinsames Ziel mit ihrem Mann: eines Tages 100 Länder bereisen

Sarah Plack: “Markus und ich haben schon sehr früh über unsere Familienplanung gesprochen.” 

Als ich Sarah auf Instagram entdeckte und sah, wie sie trotz zwei Fehlgeburten ihren Traum Mama zu werden, nicht aufgab, war mir sofort klar, dass ich mehr von ihr erfahren möchte. In einem Interview hat Sarah uns von ihrer ganz persönlichen Geschichte erzählt und uns dabei nicht nur an den Höhen, sondern auch an den Tiefen teilhaben lassen.

wmn: Ab einem bestimmten Alter spielt die Familienplanung früher oder später eine Rolle. Wolltest du schon immer Mama werden? 

Sarah Plack: Markus und ich haben schon sehr früh über unsere Familienplanung gesprochen. Ich erinnere mich noch, als wir kaum drei Monate zusammen waren und abends auf dem Rückweg von einer Party im Bus darüber gesprochen haben, dass wir beide irgendwann unbedingt Kinder haben wollen. Da war klar: Unsere Lebensentwürfe passen zusammen. Aber ich muss auch sagen, sehr lange haben wir uns nicht dazu bereit gefühlt – zu viele Dinge wollten wir vorher noch erleben!

„Ich war überzeugt, dass ich unglaublich schnell schwanger werde.” 

wmn: Die Kinderwunschreise beginnt! Hast du dich, außer die Verhütung abzusetzen, diesbezüglich vorbereitet? 

Sarah Plack: Oh, da hab ich von Anfang an drei Millionen Dinge optimiert! Ich wollte unbedingt alles richtig machen und daher war ich vorher bei der Frauenärztin, habe mich beraten lassen und bin dann direkt mit Nahrungsergänzungsmitteln und Zyklustrackern in die Kinderwunschreise gestartet. Ich war so überzeugt, dass ich unglaublich schnell schwanger werde, dass alles von Anfang an perfekt sein sollte! Daher habe ich auch direkt einen Blog zu diesem Thema gestartet, denn viele der Informationen online sind nicht gerade korrekt (oder laienverständlich), wenn es um weibliche Fruchtbarkeit und Kinderwunsch geht.

Um andere Frauen und Paare zu informieren hat Sarah einen Blog gestartet. Credit; Hazelwood Fotographie

Der Plan war damals, dass aus meinem Kinderwunschblog ganz schnell ein Blog zu Schwangerschaft und Mutterschaft werden würde. Aber zumindest da habe ich mich ziemlich getäuscht: Der erste Monat verging und ich war… nicht schwanger. Ebenso der zweite und dritte…

“Ich dachte ich wäre ein Fruchtbarkeitswunder.” 

wmn: Im fünften Monat wurdest du dann endlich schwanger, war das eine Zeitspanne, die du erwartet hattest? Wie lange warten Paare im Durchschnitt auf den zweiten Strich? 

Sarah Plack: Tatsächlich hätte ich gedacht, dass es viel, viel schneller geht! Ich kannte zwar die Zahlen – 50 % sind nach 3 Zyklen schwanger, 75 % nach 6 Zyklen und ca. 90 % nach 12 – aber irgendwie war ich überzeugt, ich wäre ein Fruchtbarkeitswunder und garantiert direkt im ersten Monat schwanger.

Das denken übrigens ziemlich viele Frauen und Paare. Die meisten unterschätzen, wie lange es dauert, schwanger zu werden! Wobei daran vermutlich bei mir auch ein bisschen meine Eltern schuld waren, denn eigentlich wollten sie keine Kinder. Und ich habe noch zwei Geschwister – wir waren quasi alle drei ungeplant!

“Da reicht auch ein Ikea Regal was sich nicht aufbauen lässt, um das Wasser zum Steigen zu bringen.” 

wmn: Kannst du mir ein wenig mehr über deine erste Schwangerschaft berichten? 

Sarah Plack: Das Erste, was bei mir in allen Schwangerschaften auffällig war, waren meine Brüste. Die sind sogar schon vor dem positiven Test empfindlich gewesen und bei mir sind sie das nie vor der Periode. Ich gehöre zu den glücklichen Frauen, die nicht unter PMS leiden – und tatsächlich habe ich mir auch in all den Monaten nie Symptome eingebildet, wenn ich nicht wirklich schwanger war. Mit Übelkeit habe ich auch nie wirklich extrem zu kämpfen gehabt, dieses Mal ist mir ein bisschen flau, aber ich habe nie übergeben müssen.

Geburt, schwanger, biologische Uhr
Jede Schwangerschaft ist anders. Unsere weekly heroine hatte zu Beginn ihrer ersten Schwangerschaft nicht mit Übelkeit zu kämpfen. Credit: Unsplash/Anthony Tran /

Emotional ist das bei mir dafür insbesondere in der ersten Schwangerschaft auch echt eine Achterbahnfahrt gewesen. Ich bin ja sowieso ein Mensch mit vielen Gefühlen, aber wenn ich schwanger bin, dann ist es noch stärker. Da muss ich auch ganz schnell mal weinen. Egal ob vor Freude, vor Angst oder vor Wut und Verzweiflung! Da reicht auch ein Ikea Regal, was sich nicht sofort richtig aufbauen lässt, um das Wasser zum Steigen zu bringen.

„Einen Monat lang habe ich quasi nichts mehr hinbekommen.“

wmn: Die Fehlgeburt in der neunten Woche muss schrecklich für dich gewesen sein...

Sarah Plack: Meine Fehlgeburt in der 9. Woche war tatsächlich eines der schlimmsten Erlebnisse in meinem gesamten Leben. Ich hab echt richtig gebraucht, um mich davon zu erholen. Vermutlich war es für mich auch besonders schlimm, weil ich damals nicht im Ansatz geahnt habe, dass etwas nicht stimmt. Ich hatte nie Blutungen und meine Symptome waren weiterhin die ganze Zeit da.

Das lag aber auch daran, dass ich eine Sonderform der Fehlgeburt hatte, ein sogenanntes Windei. Dabei stirbt der Embryo schon sehr früh ab, die Plazenta und die Fruchthöhle entwickeln sich aber weiter. Da die Plazenta die Hormone produziert, glaubt der Körper weiter schwanger zu sein und alles fühlt sich normal an.

Ich hab meine Schwangerschaft damals sehr genossen und tatsächlich jeden Tag schon einen Brief an mein Kind geschrieben – ich war also emotional „voll drin“, als ich damals den Ultraschall gesehen habe und die Diagnose bekam. Einen Monat lang habe ich nach meiner Ausschabung quasi gar nichts mehr hinbekommen und war eigentlich nur daheim auf dem Sofa oder habe gemalt.

“Ich will mein Sternchen nicht vergessen, es gehört zu mir, zu uns!” 

wmn: Wie hast du die Kraft gefunden weiterzumachen? 

Sarah Plack: Tatsächlich habe ich mir auch professionelle Hilfe gesucht, weil es mir weiterhin so schlecht ging und mir die Energie gefehlt hat. Versucht haben wir es aber sofort weiter. Denn nach der Fehlgeburt war der Wunsch, Mama zu werden, einfach noch viel, viel größer. Ich wollte unbedingt schnell wieder schwanger sein. Auch weil ich dachte, es würde mir helfen, alles zu vergessen.

Das Sarahs Mann nach der Fehlgeburt an ihrer Seite war hat ihr sehr geholfen. Credit: privat

Inzwischen weiß ich, dass das gar nicht gut ist. Ich will mein Sternchen nicht vergessen. Es gehört zu mir, zu uns als Paar und zu unserer Geschichte. Mein Mann und ich haben damals sehr viel darüber geredet – und er war einfach für mich da und hat zugehört, was ich fühle. Das hat sehr gut getan und geholfen.

“Und wieder war der Ultraschall das Ende meines Weges.” 

wmn: Du gibst an, zweifache Sternchen-Mama zu sein. Wann hattest du deine zweite Fehlgeburt? War diese im Gegensatz zur anderen “leichter”, kann man das so überhaupt sagen? 

Sarah Plack: Im März diesen Jahres bin ich tatsächlich im zehnten Zyklus erneut schwanger geworden – und dass, obwohl wir eigentlich schon mit einem Bein in der künstlichen Befruchtung standen! Ich hatte schon das „Go“ von der Ärztin und alle Rezepte für die Medikamente daheim, als ich plötzlich wieder auf einen zweiten Strich starrte. Erst dachte ich, „das glaubt dir keiner, das ist ja voll die Märchengeschichte“. Leider dauerte das Märchen aber nur genau drei Tage an – und ich hatte eine ganz leichte Blutung.  

Aufgrund der Vorgeschichte bin ich sofort zu meiner Gynäkologin – dort sah man allerdings immerhin eine Fruchthöhle und es war unklar, in welche Richtung alles gehen würde. Ab dem Moment war jedoch meine Freude weg und ich war nur voller Angst, erneut eine Fehlgeburt zu erleiden. Leider ist auch genau das 1,5 Wochen später passiert – und wieder war der Ultraschall das Ende meines Weges.

Sein Baby im Ultraschallbild zu sehen ist für viele werdende Mamas ein enorm wichtiger Schritt. Credit: Getty Images/ Karl Tapales

Dennoch bin ich mit meiner zweiten Fehlgeburt in der sechsten Woche deutlich besser zurechtgekommen. Sicher auch, weil ich emotional noch nicht so „drin“ war wie beim ersten Mal.

“Als Ärztin wusste ich, dass es in seiner Vorgeschichte einen Risikofaktor gab.” 

wmn: Wann habt ihr euch für die Kinderwunschklinik entschieden? 

Sarah Plack: Nach dem zweiten erfolglosen Zyklus nach meiner Fehlgeburt – also eigentlich sehr früh. Allerdings hatten wir damals schon vor meiner ersten Schwangerschaft im 5. Zyklus einen Termin für meinen Mann zum Spermiogramm ausgemacht. Als Ärztin wusste ich, dass es in seiner Vorgeschichte einen Risikofaktor gab und daher wollte ich eher früher wissen „was Sache ist“.

Den Termin hatten wir dann nur abgesagt, weil ich zwei Tage vorher plötzlich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hatte. Aber als ich dann nicht sofort wieder schwanger geworden bin, hatte ich so ein Gefühl, dass wir das jetzt besser direkt abklären, ob da doch was nicht stimmt. Und so haben wir uns direkt an eine Kinderwunschklinik gewandt. 

“Der emotionale Leidensdruck kann enorm sein.” 

wmn: Kannst du ein wenig darüber erzählen, wie der Besuch in der Klinik abläuft? Kann jedes Paar eine Kinderwunschklinik aufsuchen oder muss man erst bestimmte Kriterien erfüllen? 

Sarah Plack: Das ist immer ein bisschen unterschiedlich, was beim ersten Termin passiert. Meist ist es aber nur ein Gespräch und die Vorgeschichte der beiden Partner wird aufgenommen und nach Hinweisen auf Ursachen für Fruchtbarkeitsprobleme gesucht. Meist schließt sich daran dann ein Spermiogramm beim Mann sowie eine Zyklusbeobachtung und Hormonanalyse bei der Frau an – es sei denn, man kennt die Ursache schon, dann wird auch zum Teil direkt mit komplexeren Untersuchungen gestartet.

Leider ist es für viele Paare aber gar nicht so einfach, einen Termin in der Kinderwunschklinik zu bekommen – die Wartezeiten sind oft sehr lang und oft vergeht viel Zeit, bis der Frauenarzt die Überweisung ausstellt. Generell erwartet man von Paaren unter 35 Jahren, dass sie es ein Jahr lang erfolglos versuchen, bevor sie eine Kinderwunschklinik aufsuchen.

Bei Paaren, bei denen die Frau über 35 Jahre alt ist, empfiehlt man das aber schon nach sechs Monaten. Meine Erfahrung ist aber, dass viele Ärzt:innen ihre Patientinnen auffordern, es noch deutlich länger zu versuchen, bevor Diagnostik gemacht wird. Das finde ich oft wirklich zynisch – denn der emotionale Leidensdruck kann enorm hoch sein. 

„Die sechs Eizellen ließen sich nur sehr schlecht befruchten.“

wmn: Bist du dank der Kinderwunschklinik schwanger geworden?

Sarah Plack: Nach der Diagnose stand fest, dass nur eine ICSI infrage kommt, eine Form der künstlichen Befruchtung, bei der das Spermium mit einer kleinen Pipette direkt in die Eizelle injiziert wird. 

Im Juni ging es dann auch direkt los mit ICSI Nr. 1 – und damit mit der nächsten niederschmetternden Überraschung: Ich habe nicht wirklich gut auf die Stimulation angesprochen und es konnten nur sechs Eizellen gewonnen werden. Aufgrund meines Alters und meiner Hormonsituation war mit etwa zwölf bis 15 Eizellen oder sogar mehr zu rechnen gewesen. Die sechs Eizellen ließen sich dann auch nur sehr schlecht befruchten – und am Ende musste der Versuch ohne Transfer abgebrochen werden. Das war hart, denn das passiert in meinem Alter nur bei ungefähr zwei Prozent aller ICSIs.

Nicht immer klappt die künstliche Befruchtung auf Anhieb. Viele Paare trifft das hart. Credit: Getty Images/ freemixer

Auch die zweite ICSI im August lief nur wenig besser. Wieder nur sechs Eizellen, diesmal aber wenigstens ein Transfer an Tag drei. Die beiden Embryos hatten aber keine besonders gute Qualität und folglich bin ich auch nicht schwanger geworden. Wir haben immer sehr schnell weiter gemacht – und so ging es im September/Oktober direkt in ICSI Nummer drei.

“Die Chance stehen gut, dass ich im Juni 2022 endlich Mama werde.” 

Und plötzlich hatten wir endlich gute Ergebnisse: elf Eizellen, neun davon reif, sieben befruchtet. Alle Frauen in der künstlichen Befruchtung kennen „ihre Zahlen“, denn das sagt so viel aus über den Erfolg. Im Oktober durften zwei kleine Embryos bei mir einziehen, einen weiteren konnten wir einfrieren.

Und fünf Tage nach dem Transfer habe ich ihn wieder gesehen: den zweiten Strich auf dem Test. Diesmal sieht es aber so aus, als würde endlich alles gut gehen. Aller guten Dinge sind schließlich drei! Aktuell bin ich bereits in der 11. Woche – und damit stehen die Chancen sehr gut, dass ich im Juni 2022 endlich Mama werde.

Im Juni 2022 kann Sarah ihr kleines Wunder nach einer langen Reise, endlich in die Arme schließen. Credit: Privat

“Rückschläge gehören dazu und sollten nicht dazu führen, seine Träume aufzugeben.” 

wmn: Du bist mittlerweile nicht nur auf Instagram und YouTube präsent, sondern auch Kandidatin für die Miss Germany. Was hat dich dazu bewogen, mit deiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen? 

Sarah Plack: Ich habe ja schon von Anfang meiner Kinderwunschzeit auf meinem Blog und Vlog über Kinderwunsch und Schwangerschaft berichtet – da aber vor allem von der wissenschaftlichen Sicht als Ärztin aus. Nach meiner ersten Fehlgeburt habe ich ein Video auf Youtube dazu veröffentlicht.

Und die Resonanz war so unglaublich – es waren soooo viele Frauen, denen das auch passiert war. Und die sich alle so alleine fühlten und denen es geholfen hat, mein Video zu sehen. Ab dem Moment war mir klar, dass da was ganz fundamental nicht stimmt: Wie kann es sein, dass wir uns alle alleine fühlen, wenn es doch so wahnsinnig häufig passiert?

Neben Youtube, Instagram und ihrem Blog gibt Sarah auch auf TikTok Tipps rund um den Kinderwunsch.

Ab da habe ich angefangen, immer mehr offen darüber zu sprechen, was bei mir gerade los ist. Und weiter festgestellt, wie toxisch die Tabus um Fehlgeburt, unerfüllten Kinderwunsch und künstliche Befruchtung sind. So viel Schmerz könnte vermieden werden, wenn wir alle offener damit umgehen würden.

Die Bewerbung bei Miss Germany war daher für mich der logische nächste Schritt. Denn Miss Germany ist ja kein Schönheitswettbewerb mehr – es geht um Frauen mit einer Mission und einer klaren Message an die Welt. Und diese Mission habe ich – und ein Thema, über das alle Frauen Bescheid wissen sollten. Ich hoffe sehr, dass ich anderen Frauen durch meine eigene Erfahrung Mut machen kann. Mut, offen zu sein. Und Mut, weiterzumachen, denn Rückschläge gehören dazu und sollten nicht dazu führen, dass man seine Träume aufgibt.

“Eine Fehlgeburt ist nichts, für das man sich schämen muss.” 

wmn: Eine von vier Frauen erlebt in ihrem Leben mindestens eine Fehlgeburt und jedes siebte Paar ist ungewollt kinderlos. Was gibst du deinen Follower:innen in Bezug auf dieses Thema mit auf den Weg?

Sarah Plack: Als Erstes wünsche ich mir, dass wir aufhören, Frauen den Rat zu geben, nicht vor der 12. Woche von ihrer Schwangerschaft zu sprechen. Denn damit sagen wir: „Wenn es schiefgeht, dann möchte ich das nicht wissen. Bitte verstecke das vor mir und der Gesellschaft“.

Dabei gibt es dafür überhaupt keinen Grund! Eine Fehlgeburt ist nichts, für das man sich schämen muss – in den seltensten Fällen trifft die Frau auch nur der Hauch einer Schuld! Und vor allem habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich diese Erlebnisse viel besser verkraften lassen, wenn man sich mit anderen austauschen kann. Gemeinsam lässt sich das einfach besser aushalten – und man erhält manchmal auch wirklich wertvollen Rat!

Ich rate daher allen Betroffenen, offen mit der eigenen Situation umzugehen. Meist trifft man auf viel mehr Verständnis, als man das erwartet hätte. Und oft kommen dann überraschend andere, die sagen: „Ja, mir ist das auch passiert. Ich hab’s bisher nur nie jemandem erzählt“. Überlegt mal wie viele Frauen und Paare ihr kennt. Ihr seid ganz sicher nicht alleine.

“Betroffene Frauen und Männer haben das Gefühl, deswegen weniger wert zu sein.” 

wmn: Warum sind Fehlgeburten und ein unerfüllter Kinderwunsch 2021 immer noch ein Tabuthema? 

Sarah Plack: Eine sehr gute Frage! Denn eigentlich sollten wir da längst viel weiter sein! Viel hat sicher damit zu tun, dass es uns einfach so vorgelebt wurde. Und irgendeine Generation muss damit anfangen, mit solchen unnützen Angewohnheiten aufzuhören. Ein Teil ist aber sicher auch, dass Fortpflanzung doch etwas sehr Essenzielles ist – und dabei zu „scheitern“ stark am Selbstwertgefühl kratzt. Betroffene Frauen und Männer haben manchmal das Gefühl, deswegen weniger wert zu sein. Und das will nun mal niemand offen zugeben.

Wie ein Luftballon: Viele Frauen fühlen sich auch Monate nach der Geburt noch schwanger.
Ein unerfüllter Kinderwunsch kommt häufiger vor als man denkt und ist kein Grund für Scham.

Und letzten Endes kommt dazu, dass nicht alle wissen, wie häufig das alles ist. Man fühlt sich so, als würden alle anderen einfach schwanger werden und bleiben – nur man selbst nicht. Da beißt sich die Katze aber in den Schwanz, denn oft erfahren wir es von anderen ja erst, wenn es geklappt hat. Was da vielleicht für ein Leidensweg dahinter steckt, verraten viele ja nicht!

„Wir Frauen sind unglaublich stark.“

wmn: Eine Sache die du den Leser:innen von wmn.de unbedingt sagen möchtest. 

Sarah Plack: Ihr seid nicht alleine! Egal wie sehr es sich vielleicht so anfühlt, dass so etwas nur euch passiert. Irgendjemand da draußen hat das auch schon erlebt oder erlebt es gerade noch.

Und wenn wir miteinander offener umgehen, können wir uns gegenseitig viel besser unterstützen. Wir Frauen sind unglaublich stark, aber richtig viel erreichen können wir erst, wenn wir uns gegenseitig unterstützen und Halt geben. Oft braucht es nicht viel – ein offenes Wort, eine Frage, ein wertschätzender Kommentar – gemeinsam sind wir stark!

wmn: Liebe Sarah, wir danken dir ganz herzlich für dieses Interview und wünschen dir und deiner kleinen Familie nur das Beste! 

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