Jede Woche küren wir bei wmn eine Frau zu unserer weekly heroine, die uns inspiriert und von der wir uns eine Scheibe abschneiden wollen. Sarah Lindner ist eine dieser Frauen. Sie sagt über sich selbst, dass sie den Ausdruck „Geld verdienen“ nicht mag, denn man sollte dem Geld nicht dienen. Stattdessen „macht“ oder „kreiert“ sie Geld. Im Interview erklärt sie uns, wie sie zu diesem Denken kam.

Weekly heroine Sarah Lindner: „Verdient kein Geld, kreiert es!“

Sarah Lindner ist 39 Jahre alt. Sie ist alleinerziehende Mutter, Unternehmerin, Immobilienexpertin und vermögend. Wie sie das geschafft hat? Mit viel Biss, Durchhaltevermögen und Expertise. Wir haben mit ihr über die ersten Schritte im Immobilienmarkt gesprochen und uns handfeste Tipps eingeholt. Außerdem haben wir geklärt, was es besonders für eine Frau bedeutet, sich ein Vermögen anzuhäufen zu wollen.

wnm: Wie kann man deinen Beruf bezeichnen?

Sarah: Ich bezeichne mich selbst als Multipreneurin. Der Gegensatz zu einer Intrapreneurin ist einfach, dass ich mein Geld aus verschiedenen Unternehmen beziehe. Ich habe einerseits eine Online Marketing-Firma. Zum anderen habe ich mit einer Partnerin die Dreamlife Academy gegründet, die sich darauf fokussiert, anderen Menschen dabei zu helfen, selbst Investoren zu werden. Außerdem verwalte ich meine eigenen Immobilien. So bin ich – auch wenn eine meiner Einkommenssäulen wegfallen würde – noch immer abgesichert.

wmn: Das ist gar nicht so dämlich.

Sarah: Das ist sogar finanziell sehr intelligent, denn ich genieße finanzielle Freiheit. Ich muss aber dazu sagen, dass das alles einen großen Anfangsaufwand kostet. Deswegen finde ich auch den Ausdruck “passives Einkommen” vollkommen unpassend. Denn komplett passiv ist es nicht. Es gehört immer Arbeit dazu, wenn man Geld verdient. 

Sara Lindner
Sara Lindner besitzt 37 Wohnungen in ganz Deutschland und will unbedingt ihr Wissen weitergeben.(Photo: Beatrice Hermann)

wmn: Klingt logisch. Gäbe es ein komplett passives Einkommen, wären wir ja alle reich.

Was braucht man denn, um dieses sogenannte “passive” Einkommen zu generieren? Mut, Know-How, einen gewissen finanziellen Background…?

Sarah: Ich widerspreche nur ungern, aber einen finanziellen Background braucht man nicht. Meine Eltern sind weder Unternehmer:innen, noch kennen sie sich mit Immobilien aus. Mut braucht man aber auf jeden Fall: Wenn du sagst “Ich will das unbedingt” und dann alles dafür tust, dann bedeutet das viel Arbeit, aber auch eine große Chance auf Erfolg.

Doch auch dann bedeutet es nicht, dass du aufhörst zu arbeiten. Ich bin jetzt zwar finanziell frei, – das heißt, dass meine monatlichen Kosten gedeckt werden – aber das gibt mir einfach noch mehr Freiheit das zu tun, was ich tun will. So helfe ich beispielsweise mit der Dreamlife Academy anderen Menschen bei ihren Investitionen. 

Doch auch gerade jetzt in der Coronazeit kann ich so dankbar über meine finanzielle Situation sein: Ich bin seit zwei Jahren Mutter, alleinerziehend und sitze jetzt gerade auch noch in Quarantäne. Ich kann also faktisch gerade nicht arbeiten.

wmn: Was braucht man noch, um sich finanzielle Freiheit aufbauen zu können?

Sarah: Ganz wichtig ist es, nicht auf alles zu hören, was die anderen dir sagen. Als ich beispielsweise damit anfing, in Immobilien zu investieren, haben mir manche davon abgeraten. “Das ist zu teuer, damit verdienst du eh nichts”… und so weiter. Ich musste einfach auf Durchzug stellen und das Gerede nicht an mich herankommen lassen. 

Stattdessen habe ich darauf gebaut, mir das richtige Netzwerk und das richtige Umfeld zu schaffen. Wenn dich jeman in deinem Umfeld daran hindern will, solltest du dein Netzwerk auf jeden Fall erweitern.

wmn: Es ist wahrscheinlich auch sehr hinderlich, wenn dein Umfeld keine Ahnung von dem hat, was du tust. Wenn man sich mit niemanden über seine Vorhaben austauschen kann, kann daraus ja auch nichts werden. 

Wo bekommst du denn das Netzwerk her?

Sarah: Ich bin ja zum Glück nicht mehr darauf angewiesen auf Networking-Events und ähnliches zu gehen. Ich bin bereits seit dem Jahr 2009 dabei und mittlerweile kenne ich mich ganz gut aus. Ich habe mit den Experten bei der Dreamlife Academy ein eigenes Netzwerk für Interessierte geschaffen.

Auch um das Thema Investieren gerade an Frauen näher heranzubringen. Meiner Erfahrung nach sind Frauen meist eher wenig begeistert, wenn man mit ihnen über Geld, Investments und Ähnliches sprechen möchte. Die finden mich immer eher ein bisschen spooky und wollen lieber über andere Themen sprechen. 

wmn: Du hast also das Gefühl, dass Frauen das Thema Geld eher langweilig finden?

Sarah: Ja. Ich persönlich habe immer viel bessere Erfahrungen mit Männern gemacht, wenn es um Investments geht. Als Unternehmerin fällt mir auf, dass Männer einfach lieber über Aktiendepots, Immobilieninvests und Ähnliches sprechen, ihre Expertise teilen oder eben auch ein bisschen angeben. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Frauen diese Themen oft eher vermeiden und das auf den Freund, den Ehemann oder den Banker abschieben. Es kommt einem so vor als hätten Frauen einfach das Thema Geld nicht im Blut. 

Das ist schade, denn Geldanlagen und Investments geben den Menschen ja eine gewisse Macht. Und wenn man sich damit nicht beschäftigt, gibt man auch diese Macht ab. Hinzukommt, dass du Gefahr läufst, betrogen zu werden, wenn du alle Macht in anderer Menschen Hände gibst.

wmn: Was glaubst du, woran es liegt, dass gerade Frauen sich so viel weniger mit verschiedenen Einkommensströmen beschäftigen? 

Sarah: Ich glaube, dass es teilweise wirklich daran liegt, dass Familien auch heute noch immer in der Vergangenheit gefangen sind. Die Frauen kümmern sich noch immer mehr um den Haushalt, während die Männer das Geld nach Hause bringen. Das war bei mir Zuhause auch so: Während Papa mit den Banken um Investments gestritten hat, hat Mama in der Küche Tee gekocht.

Hinzukommt, dass Frauen sich meiner Erfahrung nach untereinander auch total zurückhalten. Mit Freundinnen und Kolleginnen über Geld zu sprechen ist irgendwie immer negativ behaftet und wird als “prollig” und profilierend angesehen. Irgendwie scheint das im Blut zu liegen, dass Frauen sich bei solchen Themen zurückziehen. Schade.

Genau deswegen gibt es Frauennetzwerke, in denen sich unternehmerisch unter die Arme gegriffen wird, statt stutenbissig zu sein. Wir arbeiten dran. 

wmn: Du hast selbst 37 Wohnungen. Hast du ein paar Immobilientipps für uns? Ist es beispielsweise schlau in seiner eigenen Wohnung zu wohnen?

Sarah: Nein, das ist einer der größten Fehler, den du machen kannst. Denn wenn du in einer eigenen Wohnung wohnst, verdienst du daran ja kein Geld. Nur wenn du Vermögenswerte aufbaust, kannst du von deiner Wohnung profitieren. Die meisten finanzieren sich die ersten Immobilien über die Bank. 

Ein Mieter zahlt dir deinen Kredit bei der Bank ab. Jeden Monat gehört dir die Wohnung ein bisschen mehr. Bis sie dir schließlich ganz gehört. So ist es beispielsweise bei mir. 36 von 37 meiner Wohnungen sind fremdvermietet – in einer wohne ich derzeit selber. Die Zeit läuft also nicht mehr gegen dich, sondern für dich. Je länger ich hier auf der Couch sitze, desto reicher werde ich. Dank meiner Mieter.

Je länger ich hier auf der Couch sitze, desto reicher werde ich.

– Sarah Lindner

wmn: Wie viel Geld braucht man ungefähr, um einen Kredit aufzunehmen?

Sarah: Jeder kennt die Faustregel von 10%-20% Eigenkapital. Es kommt aber immer auf die Immobilie und die Strategie an. 

Du brauchst aber nicht unbedingt viel Geld. Was du brauchst ist eine Bonität, du darfst also keine Schulden irgendwo haben. Die meisten Menschen vergessen, dass man, wenn man einen Fernseher bei Mediamarkt mit 0%-Finanzierung in Raten kauft, trotzdem einen Schufa-Eintrag bekommt. Das sollte man um jeden Preis verhindern. 

Aber wenn du einen festen Job hast, ist das für die Bank schonmal genau das richtige Signal. Wenn du selbstständig bist, ist es schon schwieriger, eine Bank zu finden. Es gibt aber andere Finanzierungsmethoden: Man kann sich nämlich auch Anschubfinanzierungen aus seinem Netzwerk holen, indem Freunde und Bekannte dir die Finanzierung geben, die die Bank nicht geben wollte. Das habe ich auch schon gemacht. 

Sarah Lindner
Sarah Lindner kann sich zurücklehnen, denn sie genießt finnzielle Freiheit.

wmn: Du sagst gerade, dass du nur durchs Rumsitzen reicher wirst. Es gibt aber doch immer wieder Menschen, die sagen, dass die Immobilienblase platzen wird. Stimmt das deiner Meinung nach nicht?

Sarah: Naja. Erstmal platzt so eine Immobilienblase ja nicht von heute auf morgen. Da gibt es ja viele Anzeichen im Vorhinein. 

Außerdem muss ich sagen, dass es für mich mit den 37 Wohnungen weit weniger schlimm wäre als für die Menschen, die sich gerade auf Pump ihr eigenes kleines Eigenheim geleistet haben und gleichzeitig jeden Monat Geld verdienen müssen. Diese Menschen haben Angst davor, dass der Wert der Immobilie sinkt. 

Bei mir ist es momentan egal, wie viel meine Immobilien an sich wert sind. Denn ich lebe ausschließlich von den Einnahmen der Mieten. Und gewohnt wird immer. Jedenfalls an den richtigen Standorten. 

wmn: Kannst du mir ein paar Merkmale nennen, woran du erkennst, dass eine Immobilie schlecht ist und man sie nicht kaufen sollte?

Sarah: Ein ganz offensichtliches Merkmal ist es, wenn die Mieten exorbitant hoch sind und du dir nicht erklären kannst wieso. Manchmal treiben Besitzer den Preis der Immobilie damit nämlich extra nach oben. 

Sie lassen alle ihre Freunde und Bekannte dort für ein paar Monate einziehen und erstellen teure Mietverträge. Erst wenn die Immobilie verkauft ist, ziehen die Mieter wieder aus. Das ist mir auch schon einmal fast passiert. Zum Glück habe ich mir vor dem Kauf die Mietverträge genau angeschaut und habe gesehen, dass die alle erst ein paar Monate alt sind. 

Da braucht man auf jeden Fall einen gesunden Menschenverstand und viel Know-How. Außerdem muss man unbedingt darauf achten, dass man in der für einen selbst passenden Umgebung kauft. Manche brauchen Sicherheit. Dann ist eine Immobilie in einem kleinen Ort nichts für dich, denn dort kann es eher sein, dass die Immobilienwerte fallen. Das wird in Großstädten wie Hamburg, Berlin oder München nicht passieren.  

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Unsere weekly heroine Laura Gehlhaar hat uns erzählt, wie es ist, mit einer Behinderung durch die Coronkrise zu kommen. Kleiner Spoiler: Es ist scheiße!

Unsere Guilia Becker nimmt die Krise mit Humor. Mit sehr schwarzem Humor.