Von den glitzernden Straßen Dubais bis hin zu den tropischen Delikatessen Singapurs – Reisen ermöglicht, in fremde Welten und Kulturen einzutauchen. Doch leider kann die Traumreise für viele von uns zum Albtraum werden. In 69 Staaten wird Homosexualität strafrechtlich verfolgt und in 11 Ländern droht sogar die Todesstrafe für lesbische oder schwule Menschen.

Unter anderem erwartet man in den Vereinigten Arabischen Emiraten die Todesstrafe oder in Singapur eine bis zu acht Jahre lange Haftstrafe für die eigene, von der “Norm” abweichende, Sexualität. Ein hoher Preis, den man manchmal nicht umgehen kann, denn nicht nur Urlaub verleitet zum Reisen. Viele von uns sind gezwungen, auch beruflich zu reisen. Nach einer kurzen Covid-Pause steigt das erwartete Volumen von Geschäftsreisen um 48 Prozent an. Das Reisen lässt sich daher manchmal nicht vermeiden: Viele Homosexuelle entscheiden sich daher dazu, die eigene Identität nicht preiszugeben, um sich beim Auslandsaufenthalt zu schützen.

Jedoch ist dabei den meisten nicht bewusst, dass die größte Gefahr in einem harmlosen Cookie liegen kann.

Bevor du weiterliest, solltest du wissen, was Cookies überhaupt sind:

Cookies speichern persönliche Daten – mit schwerwiegenden Folgen

Wer Cookies auf den vielen Websites akzeptiert, von dem oder der werden viele persönliche Daten gesammelt. Damit werden detaillierte Online-Profile erstellt. Problematisch dabei:  Diese Informationen sind bei sogenannten Data brokers käuflich zu erwerben. Die wenigsten Nutzer:innen aus der queeren Community wissen, dass das Geschäft mit den Daten regelrecht lebensbedrohlich werden kann.

Foto: https://www.lsvd.de/media/doc/1245/ger_ilga_world_map_sexual_orientation_laws_dec2020.png

Das wissen die Cookies über dich

Aber verraten Tracker und Cookies wirklich die eigene Sexualität? Erschreckenderweise ja, wie Beispiele aus den USA (!) zeigen: In diesem Jahr startete die katholische Kirche in Amerika eine Kampagne, um homosexuelle Priester anhand ihres Online-Verhaltens zu identifizieren. Einer der bekanntesten Fälle war dabei Monsignore Jeffrey Burrill, dessen Handydaten getrackt wurden und ihn zur Resignation zwangen, nachdem seine Nutzung der schwulen Dating-App Grindr bekannt wurde.

Cookies und Tracker sind aber nicht nur in der Lage, Menschen zur Aufgabe eines Amtes zu zwingen. Sie können auch den geografischen Aufenthaltsort genau preisgeben, was gerade für religiös, politisch oder sexuell Verfolgte absolut bedrohlich sein kann. Viele Journalist:innen in Krisengebieten sind davon vor allem betroffen.

Jedes Mal, wenn du auf einer Website (wie bei uns) auf „akzeptieren“ klickst, gibt du dein Einverständnis, dass deine Cookies verwendet werden.

Schütze dich und deine Mitmenschen vor Cookies

Doch wie genau kann man sich und seine Daten schützen, auch ohne verschlüsselte Verbindung?

1. Eine Datenschutz-Suchmaschine

Anonyme Suchmaschinen wie Startpage verschleiern und depersonalisieren die angefragten Daten und machen es daher unmöglich, eine Suchanfrage einer Person direkt zuzuordnen. So kann man einfach und sicher Themen und News verfolgen, ohne dass diese die eigene Identität, sexuelle Orientierung oder politische Einstellung preisgeben. Browser-Erweiterungen ermöglichen es sogar, Cookies und Tracker auf Webseiten, die durch die Suchanfrage besucht werden, zu blocken. So werden Websites von Drittanbietern daran gehindert, spezielle Skripte zu verwenden, um Informationen über Verbraucher:innen zu sammeln. 

2. Tracking und personalisierte Anzeigen ausschalten

Betriebssysteme, wie Windows 10, verfügen über eine individuelle ID, um die Online-Aktivitäten und die Verwendung von Windows Apps zu protokollieren. Wenn man diese Daten aber nicht an Microsoft weitergeben möchte, kann man die Werbe-ID einfach deaktivieren. Diese Funktion schützt nicht nur vor personalisierter Werbung, sondern erschwert es auch Data Brokern, intime Daten in einem Profil zu sammeln.

3. Deaktiviere die Standortverfolgung

Viele Apps sowie Anwendungen von Mac und Windows verwenden Standortdaten. Um zu verhindern, dass der genaue Standort verfolgt wird, sollte man diese Funktion in allen Einstellungen deaktivieren. Es mag bei Wettervorhersagen oder Karten ganz nett sein, aber die Position und besonders der eigene Wohnort ist eine sehr wertvolle persönliche Information, die man vielleicht nicht teilen möchte. Denn über diese Funktion werden in der Überwachung häufig Kluster-Profile erstellt und identifiziert, wer mit wem in Kontakt steht und Zeit verbringt.

Handy App Frau Ubahn bahnfahren
Deaktiviere die Standortverfolgung. Foto: Foto: istock/FluxFactory /

4. Sicher vor dem Tracking sozialer Netzwerke

Grade soziale Medien zählen zu den am häufigsten genutzten Kommunikationswegen für besonders vulnerable Gruppen. Jedoch zählen diese auch zu den größten Datenkraken im Netz. Wer sicher gehen will, dass die eigenen Daten nicht zur Gefahr werden, sollte die Einstellungen von Instagram, TikTok und Co. gründlich prüfen. Ein einfacher Tipp, um soziale Medien sicherer zu nutzen, ist die Verwendung einer Desktopversion mit kompatibler einer Datenschutz-Browser-Erweiterung. Diese können Standardeinstellungen zum Tracking von Social Media-, Video- und Musik-Streaming-Seiten durch die “Click-to-Activate”-Optionen überschrieben.

5. Eingeschränkter Zugriff aufs Handy, wenn es gesperrt ist

Selbst wenn man einen Passcode aktiviert hat, können Eindringlinge Zugriff auf bestimmte Funktionen und Features des Telefons erhalten – einschließlich der Mitteilungen, des Kontrollzentrums und der digitalen Brieftasche. Falls man ein iPhone nutzt, kann man sich durch das Deaktivieren von „Zugriff erlauben, wenn gesperrt” für folgende Features  besser gegen das Tracking schützen:

  • Heute-Ansicht
  • Benachrichtigungscenter
  • Kontrollzentrum
  • Siri
  • Mit Nachricht antworten
  • Home-Steuerung
  • Wallet
  • Verpasste Anrufe erwidern
  • USB-Zubehör
Romance Gap
Kontrolliere, welche Apps auf persönliche Informationen zugreifen. Foto: Getty Images/ Willie B. Thomas

6. Kontrolliere, welche Apps auf persönliche Informationen zugreifen

Apps greifen möglicherweise auf mehr Informationen zu, als sie eigentlich benötigen, z. B. auf den Standort, Kontakte, Fotos, Kalender oder Erinnerungen. Sie können sogar Zugriff auf das Mikrofon oder die Kamera deines Macs haben. Die meisten Geräte erlauben es, den Zugriff auszuschalten oder die Apps einzuschränken, die Zugriff auf diese Daten haben wollen.

Fazit: Homophobe Cookies können gefährlich sein

Gesetzesentwürfe und Debatten darum, wie mit persönlichen Daten im Internet umgegangen werden muss, lassen erahnen, dass strengere Rahmenbedingungen erforderlich sind. Bis dahin sollte sich jede:r Internetnutzer:in bewusst werden, dass ihre oder seine persönlichen Daten gesammelt und ausgewertet werden. Bei vulnerablen Gruppen, die gerade jetzt in der Reisesaison auch mal Zeit im Ausland verbringen, können Cookies und Tracker nicht nur für unerwünschte personalisierte Werbung sorgen.

Über die Autorin: Alexandra Kubiak ist General Managerin von Startpage. Zuvor war sie  “Director of Product Management” und hat dazu beigetragen, die anonyme Suchmaschine mit neuen Funktionen und Optimierungen voranzubringen.